Druckkesselwaggons der VTG im Einsatz. Das Unternehmen trägt dazu bei, Verkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern und ist auch auf den sicheren Transport von Gefahrengütern spezialisiert. / Quelle: VTG AG

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Eisenbahn-Aktie VTG AG - einsteigen oder aussteigen?

Ein stabiles Wachstum in 2014 meldet die Hamburger VTG AG. Auch soll die Dividende steigen. Dennoch bekommt die Aktie des Waggonvermieters heute und stagniert ihr Kurs. Wie sollten Anleger reagieren?

Die VTG ist auf Schienenlogistik und die Vermietung von Eisenbahnwaggons spezialisiert. Ihre Kunden sind vor allem Unternehmen aus der Industrie, die mit den Hamburgern meist langfristige Verträge abschließen, um sich so zuverlässige Gütertransporte zu sichern. Nach den heute veröffentlichten vorläufigen Zahlen hat die VTG den Umsatz in 2014 gegenüber dem Vorjahr um 4,4 Prozent das Geschäft auf 818,3 Millionen Euro verbessert. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 4,0 Prozent auf 191,0 Millionen Euro. Damit wurde die Jahresprognose erfüllt. Der Vorstand will der Hauptversammlung die Zahlung einer Dividende von 0,45 Euro für das Geschäftsjahr 2014 vorschlagen. Das bedeutet gegenüber 2013 eine Steigerung um sieben Prozent.

Die VTG ist der größte private Waggonvermieter Europas. Dieser Geschäftsbereich hat denn auch in 2014 das Konzernwachstum im Wesentlichen erwirtschaftet. Der Umsatz erhöhte sich in diesem Segment zwar nur um 3,7 Prozent auf 345,4 Millionen Euro. Das EBITDA wurde hier aber überproportional um 7,3 Prozent auf 194,4 Millionen Euro verbessert. Das gelang durch die Verringerung der Kosten, aber auch durch die weiter verbesserte Auslastung von nunmehr 91,0 Prozent.

In der Tankcontainerlogistik lag der Jahresumsatz mit 150,9 Millionen Euro um 0,9 Prozent unter dem Wert von 2013. Vor allem aufgrund einmaliger Beteiligungserträge sprang das EBITDA in diesem kleinsten Geschäftsbereich der VTG um 38,7 Prozent auf 12,8 Millionen Euro.

Schwache Entwicklung bei der Schienenlogistik

Dagegen gab es einen Gewinneinbruch im Geschäftsbereich Schienenlogistik. Der Umsatz kletterte in diesem Segment zwar um 7,9 Prozent auf 322,0 Millionen Euro. Aufgrund der Zusammenführung der Schienenlogistikaktivitäten von VTG mit denen der Kühne + Nagel waren jedoch deutlich mehr Erlöse erwartet worden. Diese Hoffnungen wurden dem Unternehmen zufolge insbesondere deshalb enttäuscht, weil die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine dazu fürhten, dass die Verkehre in dieser Region nahezu komplett wegbrachen. Damit habe auch die VTG dort keine Geschäfte mehr machen können. Der Ausbau der Aktivitäten im Bereich Schienenlogistik hatte aber die Kosten anschwellen lassen, deutlich stärker als die Erlöse. Deshalb fiel hier beim EBITDA ein leichter Verlust von 0,2 Millionen Euro an, nach einem Gewinn von 4,1 Millionen Euro im Vorjahr.

Diese Erfahrung hielt die VTG aber nicht davon ab, ihr Geschäft weiter auszubauen. Durch die Übernahme der AAE – Ahaus Alstätter Eisenbahn Holding erweitert sie ihre Kapazitäten im Bereich Waggonvermietung deutlich. Zu ihren circa 50.000 Waggons kommen etwa 30.000 AAE-Wagen hinzu. Die Größe der Flotte von zukünftig mehr als 80.000 Waggons hat viele Vorteile, stärkt nicht zuletzt die Marktposition. Mit den neu hinzugekommenen Waggontypen kann die VTG zudem eine wichtige Lücke in ihrem Produktportfolio schließen. Sie ist künftig ein Komplettanbieter auf der Schiene für nahezu alle Verlader, Bahnen und Spediteure. Die Übernahme der AAE ermögglicht einen deutlichen Anstieg von Umsatz und operativem Gewinn. Zunächst werden aber die Kosten der Integration das Ergebnis belasten.

Der Vorstand der VTG AG rechnet mit einer guten Geschäftsentwicklung im Jahr 2015 und erwartet einen Umsatzanstieg auf 1,0 bis 1,1 Milliarden Euro. Er stellt ein EBITDA zwischen 325 und 350 Millionen Euro in Aussicht.

Für Anleger mit Geduld ist die Aktie attraktiv

Den Börsianern waren diese Aussichten offenbar nicht rosig genug für weitere Zukäufe. Die Aktie der VTG hat sich in den letzten sechs Monaten im Xetra enorm verteuert, von unter 15 auf knapp über 22 Euro. Auf Jahressicht liegt sie rund 60 Prozent im Plus. Bei unserem  Aktientipp vom März 2014  mit einer Kaufempfehlung für die Aktie war sie erst mit 14,5 Euro gehandelt worden. Nun ist sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bezogen auf 2014 gewiss kein Schnäppchen mehr. Auf kurze Sicht sind auch nicht mehr größere Kursgewinne zu erwarten. Die angekündigten Kosten für die Übernahme der AAE könnten sogar zu schwachen Quartalsergebnissen führen und diese Kursabschwünge auslösen.

Doch langfristig ausgerichteten Anlegern raten wir zum Kauf der Beteiligung. Denn das Unternehmen steht für ein insgesamt stabiles Wachstum, begleitet durch die regelmäßige Auszahlung von Dividenden deutlich über dem niedrigen Zinsniveau. Für 2014 beträgt die Dividendenrendite 2,56 Prozent. Sie entschädigt dafür, dass Anleger im laufenden Jahr wohl kaum die Aktie wieder mit nennenswertem Gewinn verkaufen können, wenn sie jetzt einsteigen. Nach der vollständigen Integration der AAE hat die VTG aber sehr gute Wachstumschancen. Das Unternehmen dürfte stark davon profitieren, dass der Verkehr von Gütern zunehmend von der Strasse auf die Scheine verlagert werden muss. Damit die EU-Staaten ihre Klimaziele erfüllen können, vor allem aber weil die Staus in dichter besiedelten Regionen immer länger werden und Konzerne dazu zwingen, verstärkt auf Schienentransporte zu setzen. Denn nur dann können sie zuverlässig mit pünktlichen Lieferungen von Gütern kalkulieren. Wenn es so kommt, dürften auch die Geschäfte der VTG florieren und könnte die Aktie wieder zu neuen Höhenflügen ansetzen.

VTG AG: ISIN DE000VTG9999 / WKN VTG999
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