Emissionshandel für Privatanleger - Das Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future

An den Finanzmärkten hat mit der Einführung des EU-weiten Emissionshandels Anfang 2005 eine kleine Revolution stattgefunden. Erstmals erhielt damit die Belastung des Weltklimas durch Treibhausgase einen Preis. Denn die Grundidee lautet: Wer Treibhausgas ausstößt, benötigt für jede Tonne CO2 ein Zertifikat, dass er erwerben muss. Binnen weniger Jahre hat sich der Handel mit diesen Klimazertifikaten zu einem Milliardengeschäft gemausert. Allein im vergangenen Jahr verdoppelte sich der weltweite Markt für Emissionsrechte auf ein Volumen von 47 Milliarden Euro. Das Handelsvolumen der Emissionsrechte in der EU belief sich dabei auf 37 Milliarden Euro. Von 2005 bis 2007 hat sich nach Angaben der Weltbank das weltweite Handelsvolumen  von 10 Milliarden auf 64 Milliarden Dollar vervielfacht.

Bislang können Privatanleger kaum an diesem Mark teilnehmen. Nur wenige Banken bieten geeignete Produkte dafür an. Die zur UniCredit gehörende HVB aus München hat 2007 ein Zertifikat herausgebracht, das sich an der Preisentwicklung für Emissionsrechte an European Climate Exchange (ECX) in Amsterdam orientiert. Hierbei handelt es sich um die führende Börse für Verschmutzungsrechte. Im Oktober 2008 wurden dort für 412 Millionen Tonnen CO2 die Rechte gehandelt.

Das Konzept
Das Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future der HVB stellt das Emissionsrecht für eine Tonne CO2 dar. Es spiegelt so genannte CO2-Futures, wie sie an der Klimabörse ECX gehandelt werden. An deren Wertentwicklung werden Besitzer des HVB-Zertifikats beteiligt, wobei das Ausmaß der Beteiligung schwanken kann. Ein Future regelt, zu welchem Preis eine bestimmte Menge einer Ware in welcher Qualität geliefert werden muss. Am Ende der  vereinbarten Laufzeit ist diese zu liefern.  Um den Austausch von Ware und Geld zu umgehen, kann der Future vor dem Liefertermin verkauft und das Geld daraus in den nächsten Future investiert werden. Dies wird als „Rollen“ bezeichnet. Das HVB-Zertifikat startete 2007 mit einem Future, der im Dezember 2008 fällig wird. Er wird der Bank zufolge demnächst ersetzt bzw. gerollt durch den Future mit Fälligkeit Dezember 2009. Wenn bei diesem Rollen der neue Preis des Futures über dem des alten liegt, sinkt die Partizipationsrate des Besitzers des HVB-Zertifikats. Ist der neue Future billiger, erhöht sich die Partizipationsrate.

Beim Laufzeitbeginn des Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future lag die Partizipationsrate bei 100 Prozent. Damals kostete der Future 20,0 Euro. Laut der Berechnungsformel für die Beteiligung ist der bisherige Preis zu dividieren durch den Kurs des neuen Futures und das Ergebnis dann mit 100 zu multiplizieren, um die Beteiligungsrate nach dem Rollen zu ermitteln. Wenn der neue Future 20,10 Euro kostet, ergibt das eine Beteiligungsrate von 99,5 Prozent. In diesem Ausmaß partizipiert der Anleger bis zum nächsten Rollen an der Wertentwicklung des Futures.

Die Laufzeit des HVB-Zertifikats ist unbegrenzt, das Papier wird unter anderen an den Börsen in Stuttgart und Frankfurt gehandelt. Allerdings werden die Spielregeln für den Emissionshandel durch das Kyoto-Protokoll festgelegt, das mit dem Jahr 2012 endet. Auch die aktuelle Handelsperiode des EU-weiten Emissionshandels läuft dann aus. Bislang gibt es noch keine Regelungen für die Zeit danach. Allerdings ist davon auszugehen, dass es weiter einen Emissionshandel geben wird. Denn diese Instrument spielt innerhalb der internationalen Verhandlungen über Klimaschutz eine zentrale Rolle.
Wertentwicklung
Der Preis für Emissionsrechte ist im Oktober auf rund 15 Euro abgestürzt und hat damit ein Jahrestief erreicht. Der Kurs des Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future der HVB hat damit in etwa wieder das Niveau erreicht, von dem aus er im Frühjahr 2007 gestartet ist. Seither schwankte der Future-Preis stark, Anfang Juli 2008 wurde mit rund 30 Euro ein Jahreshoch erreicht. Erstzeichner des Zertifikats, die damals verkauften, konnten also einen satten Gewinn einstreichen. Dieser Wertzuwachs hat sich in den letzten vier Monaten aber  wieder in Luft ausgelöst.


Heute liegt der Briefkurs des HVB-Zertifikats auf den CO2-Future bei 16,12 Euro, der Geldkurs bei 15,96 Euro. Der Spread beträgt 1 Prozent.
Wie Eric Heymann, Umweltexperte von Deutsche Bank Research, gegenüber ECOreporter.de erklärte, reflektiert der Preisverfall des CO2-Futures die Sorge um einen Konjunktureinbruch. Wenn wie von vielen Experten angenommen die Unternehmen in der EU ihre Produktion drosseln, sinke auch deren Ausstoß von Treibhausgasen. Folglich sei mit einer geringeren Nachfrage für Emissionsrechte zu rechnen. Umgekehrt steige der Preis für Verschmutzungsrechte bei einer anziehenden Konjunktur.

Muss ein Anleger den Zeitpunkt für den Einstieg in das Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future also nur danach ausrichten, wie sich die Konjunktur entwickeln wird? So einfach ist es leider nicht. Laut Eric Heymann ist es sogar eine Ausnahme, dass derzeit das wirtschaftliche Umfeld den Ausschlag für die Preisentwicklung bei Emissionsrechten gibt. Vielmehr sei dieser Preis in erster Linie ein „politischer Preis“. Denn maßgeblich seien vor allem politische Entscheidungen darüber, wie streng der Emissionshandel geregelt wird und zu welchen Klimaschutzzeilen sich die Staatengemeinschaft verpflichtet. So habe etwa die die 2008 umgesetzte Reduzierung der von den EU-Staaten kostenlos ausgeteilten Emissionsrechte die Preise nach oben getrieben, ebenso die Ankündigung, in Zukunft immer größere Kontingente zu versteigern. Beschlüsse etwa auf EU-Ebene, demnächst mehr kostenfreie Emissionszertifikate an notleidende Branchen auszugeben, könnten sich laut Heymann Preis senkend auswirken.
Der Experte von Deutsche Bank Research geht davon aus, dass mittelfristig politische Faktoren wieder an Bedeutung gewinnen werden. Wenn etwa die EU-Staaten ihre Klimaschutzziele hochschrauben und es gelingt, ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls durchzusetzen, habe das eine durchschlagende, erhöhende Wirkung auf das Preisniveau von Emissionsrechten.

Es gibt jedoch viele weitere Faktoren, die die Preisentwicklung für Emissionsrechte beeinflussen und dazu führen, dass der CO2-Future starken Wertschwankungen unterliegt. Dazu zählt etwa eine kaum kalkulierende Größe wie die Witterung in Europa. Bei einem Winter mit sehr niedrigen Temperaturen etwa steigt der Heizbedarf, die Erzeuger verfeuern mehr fossile Brennstoffe und benötigen dafür mehr Emissionsrechte, die sich somit verteuern. Bei einem milden Winter verhält es sich umgekehrt. Ähnlich verhält es sich mit der für Kühlung benötigten Energie im Sommer. Hier schwankt der Bedarf mit der Höhe der Temperaturen und folglich auch der Preis des CO2-Future an der ECX.

Kosten
Für das einmal jährlich anstehende Rollen fällt eine Transaktionsgebühr von bis zu 0,5 Prozent an.

Transparenz
Im Internet informiert die HVB frei verfügbar über die Entwicklung des Wertpapiers unter UniCredit.



Innovation
Nur wenige Produkte ermöglichen es Privatanlegern, schon mit geringen Beträgen in Emissionsrechte zu investieren. Das Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future der HVB leistet dies. Die Struktur des Wertpapiers entspricht dabei den CO2 Futures, wie sie auch einige andere Akteure wie etwa die ABN Amro auf den Markt gebracht haben.

Ökologische Wirkung
Bisher ist der Emissionshandel als Klimaschutzinstrument umstritten. Kritiker bezeichnen ihn als "Ablasshandel" und bezweifeln, dass die Kosten für den Einkauf von Emissonsrechten Unternehmen in ausreichendem Maß dazu bewegen, in Klimaschutz zu investieren. Mit dem Argument, er müsse sich erst als solches etablieren, haben die EU-Staaten in der ersten Handelsperiode zudem sehr großzügig kostenfreie Emissionsrechte an die Industrie vergeben. Die Menge dieser kostenlosen Zertifikate ist auch in der 2. Handelsperiode 2008 bis 2012 noch recht groß, obwohl sie verringert wurde. Eine vor allem von Klimaschützern geforderte starke Auktionierung der Verschmutzungsrechte ab 2013 würde die Wirksamkeit dieses Klimaschutzinstruments gewiss erhöhen. Bislang haben aber Wertpapiere wie das HVB-Zertifikat auf den CO2-Future keine erkennbare ökologische Wirkung.

Chancen/Risiken
Das Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future birgt etliche Anlagerisiken. Die Wertentwicklung des CO2-Future ist nur schwer zu kalkulieren und unterliegt starken Schwankungen. Dies birgt neben den Risiken aber auch hohe Gewinnchancen. Langfristig ist es zwar wahrscheinlich, dass der Preis für Emissionsrechte steigt. Das hängt aber wesentlich davon ab, dass eine konsequente Klimaschutzpolitik betrieben wird und der Emissionshandel darin weiter eine zentrale Rolle spielt. Die für 2009 angesetzte Weltklimakonferenz in Kopenhagen dürfte dafür von entscheidender Bedeutung sein. Wer jetzt bei den niedrigen Preisen für Verschmutzungsrechte in das HVB-Zertifikat auf den CO2-Future einsteigt, könnte von ehrgeizigen Klimabeschlüssen in Kopenhagen profitieren. Investoren mit langem Anlagehorizont könnten es aufgrund der unbegrenzten Laufzeit des Zertifikats verschmerzen, wenn dort noch kein Durchbruch gelingt. Es ist ja möglich, eine längere Perioden mit niedrigen Preisen auszusitzen.

Eric Heymann rechnet für das kommende Jahrzehnt mit der Etablierung eines weltweiten Emissionshandelssystems. „Es dürfte eher früher als später dazu kommen“, meint der Umweltexperte von Deutsche Bank Research. Ein solcher globaler Handel mit Emissionszertifikaten wird schon im Kyoto-Protokoll angestrebt und in kleinem Rahmen etwa an der Klimabörse von Chicago umgesetzt.  Wenn dies im großen Maßstab gelingt, wäre eine weltweit zunehmende Nachfrage für Emissionsrechte die Folge. Davon könnten Besitzer des HVB-Zertifikats auf den CO2-Future profitieren.

Fazit
Das Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future ist eher zur Beimischung geeignet. Es birgt hohe Anlagerisiken, allerdings auch hohe Gewinnchancen. Zudem ist der gegenwärtige Nutzen des Emissionshandels umstritten und keine ökologische Wirkung von Wertpapieren wie diesem HVB-Zertifikat zu erkennen. Insgesamt können wir daher das Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) Future nur sehr eingeschränkt zum Kauf empfehlen.
Open End Partizipationszertifikat auf den EXC Carbon Financial Instruments (CO2) FutureWKN: HV2C02ISIN: DE000HV2C025Laufzeit: unbegrenztBörsennotiz: Frankfurt, Stuttgart

Sicherheitshinweis für das Investment in Zertifikate
Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen der Bank, die das Wertpapier emittiert. Das bedeutet, dass der Anleger sein eingesetztes Kapital verliert, sollte die Emittentin in Konkurs gehen. Das unterscheidet Zertifikate etwa von Fonds. Diese sind Sondervermögen der Banken und werden nur von ihnen verwaltet. Auch bei einer Insolvenz bleiben die Fondsanteile Eigentum der Anleger. Daher ist die Bonität der Emittentin ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Zertifikats. So sollten Anleger solche Wertpapiere nicht nur von einer einzigen Bank erwerben, sondern das Risiko streuen.
Wie schnell aus dem potentiellen ein reales Risiko werden kann, zeigte die US-Bankenkrise von 2008. Die traditionsreiche Großbank Bear Stearns geriet im Zuge der Finanzkrise in den USA binnen kurzer Zeit in wirtschaftliche Not und setzte den Handel seiner Zertifikate vorübergehend aus. Zertifikate der Lehman Brothers Investmentbank und ihrer europäischen Töchter sind nach dem Konkurs der US-Bank praktisch wertlos geworden.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei Zertifikaten ist die Preisbildung. Der Preis orientiert sich in der Regel zwar am Basiswert, zum Beispiel dem zu Grunde liegenden Index, aber auch die Bonität der Emittentin entscheidet. Wenn die emittierende Bank ins Trudeln gerät, stellt sie keine Preise mehr. Die Anleger können dann ihre Zertifikate nicht verkaufen, selbst dann nicht, wenn die Papiere über Börsen handelbar sind.


Bildhinweis: Windkraftanlage nahe des Kraftwerkes Grevenbroich / Quelle: NEG Micon

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