Der Windpark Berghülen gehört zum EnBW-Windportfolio, in das Anleger mit dem Nachrangdarlehen mittelbar investieren können. / Quelle: Unternehmen

23.10.14 Anleihen / AIF

EnBW bietet Privatanlegern Windkraft-Nachrangdarlehen an

Der Energiekonzern EnBW setzt nicht nur auf Atomkraft und fossile Kraftwerke, sondern auch auf Erneuerbare Energie. Nun bietet der Konzern aus Karlsruhe Privatanlegern Nachrangdarlehen an. Das Darlehenskapital soll mittelbar in ein Windpark-Portfolio der EnBW fließen. Anleger können zwischen 1.000 Euro und 10.000 Euro investieren.

Die Verzinsung beträgt 2,5 Prozent pro Jahr. Das Nachrangdarlehen hat ein Gesamtvolumen von zwei Millionen Euro und eine Laufzeit bis Ende November 2021. Aufgrund des Nachranges ist der Anspruch der Anleger auf Rückzahlung ihres Kapitals solange und soweit ausgeschlossen, wie die Rückzahlung zur Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit bei der Darlehensnehmerin führen würde.

Darlehensnehmerin mit geringer Eigenkapitalausstattung

Darlehensnehmerin ist die EnBW Wind Onshore 1 GmbH. Sie ist eine 100prozentige Tochtergesellschaft der EnBW AG. Die EnBW Wind Onshore 1 GmbH ist ihrerseits Mehrheitsgesellschafterin der EnBW Onshore Portfolio GmbH. Diese ist laut Informationsunterlage – mittelbar über Projektgesellschaften – Eigentümerin von insgesamt 17 Windparks in Deutschland mit einer installierten Leistung von rund 156 Megawatt.

Die Darlehensnehmerin EnBW Wind Onshore 1 GmbH hat laut Jahresabschluss 2013 ein Eigenkapital von 25.000 Euro und Verbindlichkeiten von 199,16 Millionen Euro. Seit März 2011 besteht ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der EnBW AG, demnach die EnBW AG etwaige Verluste der Darlehensnehmerin ausgleicht. Die Anleger können als Gläubiger der Darlehensnehmerin laut Aktiengesetz eine Stellung einer Sicherheit von der EnBW AG verlangen, falls der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag beendet werden sollte.

Entwicklungen bei der EnBW AG

Laut Informationsunterlage haben die Anleger ein Totalverlustrisiko, falls die Darlehensnehmerin zahlungsunfähig werden sollte. Dieses Risiko entsteht, falls die EnBW AG ihren Verlustausgleichpflichten nicht nachkommen kann. Die Bonität der EnBW AG wird von der Ratingagentur Moody`s mit A3 / negativ und von der Ratingagentur S&P mit A - / stabil eingestuft.
Laut Halbjahresfinanzbericht hatte der EnBW-Konzern im ersten Halbjahr 2014 einen Konzernfehlbetrag von 735 Millionen Euro zu verzeichnen. Gründe für den Fehlbetrag waren laut Finanzbericht Wertberichtigungen auf den Kraftwerkspark und erhöhte Zuführungen zu Drohverlustrückstellungen für nicht mehr kostendeckende Strombezugsverträge. Gründe hierfür sind laut Halbjahresfinanzbericht „weiterhin ungünstige aktuelle Marktpreisentwicklungen sowie deutlich verschlechterte Erwartungen bezüglich der langfristigen Strompreise“.

Foto: EnBW setzt auch auf Offshore-Windkraft. / Quelle: Unternehmen

Laut der Gesamtbeurteilung im Halbjahresfinanzbericht bewegt sich die die Risikolage des EnBW-Konzerns insgesamt weiterhin auf hohem Niveau. Bestandsgefährdende Risiken bestehen für den EnBW-Konzern laut Halbjahresfinanzbericht derzeit nicht.
Das Geschäftsrisikoprofil der EnBW soll laut Finanzbericht auch durch die Erhöhung des Anteils der regenerativen Energien robuster werden. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Erzeugungsleistung der EnBW soll sich von derzeit 19  auf über 40 Prozent im Jahr 2020 mehr als verdoppeln. So plant EnBW beispielsweise, die Kapazitäten aus Onshore-Windparks von 186 Megawatt (MW) auf rund 1.750 MW zu erhöhen.

Akzeptanztest oder Öko-PR-Aktion?

Das Nachrangdarlehen der EnBW Wind Onshore 1 GmbH soll ein Gesamtvolumen von bis zu zwei Millionen Euro haben. EnBW hat von März bis Juni 2014 eine Hybridanleihe über 1 Milliarde Euro und eine Anleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro begeben und platziert sowie zwei Privatplatzierungen mit einem Volumen von insgesamt 200 Millionen Euro durchgeführt. Die EnBW-Anleihe hat wie das Nachrangdarlehen der EnBW Wind Onshore 1 GmbH einen Zins von 2,5 Prozent.

Angesichts dieser platzierten Volumina im ersten Halbjahr 2014 sind die zwei Millionen Euro aus dem Nachrangdarlehen für EnBW von finanziell eher sehr geringer Bedeutung. Laut Pressemeldung sieht EnBW das Nachrangdarlehen-Angebot als Akzeptanztest. Ingo-Peter Voigt, Leiter Konzernfinanzen und Investor Relations der EnBW, sagt dazu: „Wir sammeln jetzt Erfahrungen. Wenn das Angebot gut angenommen wird, kann ich mir gut vorstellen, dass wir dieses Instrument ausbauen“.
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