In Europa schwächelt die Nachfrage für Photovoltaikprodukte: Solardachanlage in Barcelona. / Quelle BayWa AG

16.05.13 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Endet das Sterben von Solarherstellern erst ab 2015?

Branchenexperten machen den Solarherstellern keine Hoffnung auf eine baldige Erholung. Diese Unternehmen leiden bereits seit Jahren darunter, dass die Preise für Solarkomponenten infolge des starken Überangebotes im Markt immer mehr absinken.

In diesem Jahr werden die Umsätze der Produzenten von Solarmodulen weltweit um weitere 20 Prozent einbrechen. Das sagt das in Kalifornien ansässige Marktforschungsunternehmen NPD Solarbuzz aus Santa Clara voraus. Nach 25,5 Millionen US-Dollar im Vorjahr werde sich der Gesamtumsatz mit Solarmodulen in 2013 auf nur noch 20,5 Millionen Dollar belaufen. Das Überangebot im Weltmarkt sei noch immer sehr groß“, erklärt Michael Barker, Chefanalyst bei NPD Solarbuzz. In 2012 habe einer weltweiten Produktionskapazität von rund 45 Gigawatt (GW) eine Nachfrage von 29 GW gegenüber gestanden. Das Marktwachstum von fünf Prozent sei zu gering gewesen, um den Preisdruck nennenswert zu dämpfen.

Zwar werde die Nachfrage in diesem Jahr voraussichtlich wieder stärker anziehen, so Barker weiter. Daher sei nicht mehr mit einem Preisverfall von rund 50 Prozent zu rechnen, wie NPD Solarbuzz ihn für das vergangene Jahr ermittelt habe. Doch die Preise würden sowohl in 2013 als auch in 2014 weiter sinken und damit auch der Umsatz, den die Solarhersteller erzielen können.

Der Experte von NPD Solarbuzz geht davon aus, dass folglich die Marktbereinigung mindestens bis 2014 anhält und bis dahin weitere Solarhersteller aufgeben müssen. Immerhin: durch die fallenden Preise steigt weltweit die Nachfrage nach Solarmodulen, vor allem in jungen Märkten aus Schwellenländern. Barker geht davon aus, dass die Nachfrage in 2015 mit 46 MW so hoch sein wird, dass es kein Überangebot mehr im Markt gibt.

Besonders kosteneffiziente Solarhersteller könnten nach seinen Angaben schon vorher in die Gewinnzone zurückkehren. Das traut der Marktforscher vor allem den Großkonzernen zu, da eine Massenproduktion es erleichtert, Kosten zu senken, etwa als Großabnehmer bei Zulieferern günstige Rabatte auszuhandeln. „Wer in 2015 über eine starke Marktposition verfügt, hat dann gute Wachstumsaussichten“, so der  Chefanalyst von NPD Solarbuzz. Sein Unternehmen hat ermittelt, dass schon heute 70 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Solarmodulen von den zehn größten Herstellern erwirtschaftet wird. Dabei handelt es sich laut Barker mit Trina Solar, Renesola, Yingli Green Energy, Suntech und Jinko Solar zur Hälfte um Solarhersteller aus China.

Der europäische Solarindustrie-Verband EPIA geht davon aus, das Europa im Weltmarkt für Photovoltaik weiter an Bedeutung verlieren wird. Laut seinem weltweiten Ausblick für die Entwicklung der Photovoltaik-Märkte 2013 bis 2017 könnte der weltweite jährliche Zubau bis 2017 zwar auf bis zu 84 GW Photovoltaik-Leistung ansteigen. Der jährliche Zubau in Europa werde in 2017 aber höchsten rund 27 GW betragen.

„Der globale Photovoltaik-Markt, der einst von Europa hauptsächlich getrieben wurde, wird sich in einen Markt wandeln, der von Ländern in der ganzen Welt mit unterschiedlichem Solar-Potenzial und politischen Rahmenbedingungen abhängt“, stellt dazu EPIA-Präsident Winfried Hoffmann fest. Sein Verband geht davon aus, dass die europäischen Photovoltaik-Märkte im laufenden Jahr ein geringeres Wachstum erreichen als in 2012. Je nach Szenario werde der Zubau zwischen 9,7 und 16,7 GW erreichen. Im vergangenen Jahr waren Europa 17,2 GW erreicht worden nach 22,4 GW in 2011. Damals erreichte der Kontinent noch einen Anteil am Weltmarkt von 74 Prozent. Laut dem europäischen Solarindustrie-Verband dürfte er in diesem Jahr auf unter 50 Prozent fallen.

Erst ab 2014 ist laut der EPIA wieder mit einem stärkeren Wachstum in Europa zu rechnen, wo die Euro-Krise mit ihren Auswirkungen auf die Finanzierung von Projekten und die Kürzung von Solarstromtarifen in vielen Ländern die Nachfrage gebremst hat. Danach prognostiziert der Verband wieder einen leichten Anstieg des jährlichen Zubaus in Europa.
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