Hauptsitz der Energiekontor AG aus Bremen: Im ersten Halbjahr waren die Zahlen des Windpark-Betreibers und Solarprojektierers nicht berauschend. Die zweite Jahreshälfte soll besser laufen. / Foto: Unternehmen

31.08.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Energiekontor: Einstieg trotz schwacher Zahlen sinnvoll?

Die Bremer Energiekontor AG hat im ersten Halbjahr 2017 einen Einbruch beim Umsatz und Ergebnis erlitten. Wir hatten in einem Aktientipp vom April 2016  über eine Kaufempfehlung für die Aktie berichtet. Seitdem hat der Anteilsschein rund 12,4 Prozent an Wert gewonnen. Ist nun noch die Gelegenheit zum Einstieg?


Energiekontor plant und baut Windparks im In- und Ausland, betreibt diese selbst oder verkauft sie an Investoren. Auch als Solarprojektierer ist das Unternehmen zunehmend aktiv. Das erste Halbjahr 2017 haben die Bremer mit einem Umsatz von 41,4 Millionen abgeschlossen, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 4,4 Prozent (2016: 43,3 Millionen Euro).

Das Konzern-EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) ging um 7 Prozent zurück auf 13,2 Millionen Euro. Je Aktie verbucht Energiekontor ein Ergebnis von 0,22 Euro, im Vorjahreszeitraum waren es noch 0,23 Euro.

"Da der überwiegende Ergebnisbeitrag in der Windenergiebranche typischerweise in der zweiten Jahreshälfte erzielt wird, lässt sich das Ergebnis des ersten Halbjahres nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen", erklärte dazu Peter Szabo, Vorstandsvorsitzender der Energiekontor AG. Trotz eines bisher unterdurchschnittlichen Windangebots sei man mit dem Verlauf des bisherigen Geschäftsjahres "recht zufrieden", so Szabo weiter.

Höhere stille Reserven, dafür niedrigeres Ergebnis in 2017

"Sofern alle noch im Bau befindlichen Projekte bis zum Jahresende fertiggestellt werden, wäre im Falle eines vollständigen Verkaufs der Projekte ein Jahresergebnis auf dem Niveau der beiden Vorjahre möglich", teilte der Unternehmenschef mit. Allerdings plane Energiekontor, einen großen Teil der Projekte in das eigene Portfolio zu übernehmen. Laut Halbjahresbericht soll etwa die Hälfte übernommen werden. Deshalb werde das Ergebnis 2017 deutlich unter dem des Vorjahres liegen: Die potentiellen Gewinnmargen bleiben als stille Reserven im Anlagenbestand enthalten.

Aktuell betreibt Energiekontor 31 eigene Windparks mit einer Nennleistung von rund 238 Megawatt. Seit 2015 haben sich die Bremer auch mit Erfolg an deutschen Solarauktionen beteiligt und hierbei gleich für drei Solarparks Zuschläge erhalten.


Kritik an Modell der Wind-Ausschreibungen

Die Geschäfte für Energiekontor sind schwieriger geworden. Zunehmend werden die Preise für Solarstrom und Windstrom aus neuen Anlagen über Ausschreibungen ermittelt, wobei viele Bieter leer ausgehen und keinen Zuschlag erhalten. Vorstandschef Szabo kritisierte denn auch das derzeitige deutsche Ausschreibungs-Modell für Windkraftprojekte an Land (Onshore): "Die Sonderregelung, dass Bürgerenergiegesellschaften ohne Genehmigung an den Ausschreibungen teilnehmen dürfen, hat unserer Meinung nach zu einer gewissen Wettbewerbsverzerrung in den ersten beiden Ausschreibungsrunden geführt."

2018 sollen für alle Marktteilnehmer die gleichen Bedingungen gelten und die Sonderregelung für Bürgerenergiegesellschaften abgeschafft werden. Der Vorstandsvorsitzende rechnet damit, dass sich dann das Preisgefüge wieder "auf niedrigem Niveau" stabilisiert.

Konzentration auf Deutschland, Niederlande, USA und Frankreich

Das aktuell sehr niedrige Preisniveau stelle die gesamte Branche "vor große wirtschaftliche Herausforderungen für 2018 und die nachfolgenden Jahre". Mittelfristig will Energiekontor aber an dem Ziel festhalten, sämtliche Projekte ohne Fördermaßnahmen zu realisieren. "In windreichen Regionen mit großen Standorten für Windparks wie in Schottland, ist dies bereits heute möglich. Auch im Bereich der Solarenergie bieten großflächige Standorte mit hoher Globalstrahlung mittlerweile das Potenzial, Strom im direkten Wettbewerb zu konventionellen Energieträgern zu erzeugen", so Szabo.

Energiekontor konzentriere sich künftig neben dem Kernmarkt Deutschland auf den Ausbau der Aktivitäten in den Niederlanden, den USA und Frankreich.  Weitere Details zum geplanten Wachstum im Ausland können Sie hier nachlesen.  
Kurs der Energiekontor-Aktie auf Jahressicht im Plus

Nach der Präsentation der Zahlen büßte die Umwelt-Aktie von Energiekontor etwas über 3 Prozent ein. Sie kostet aktuell im Handelssystem Xetra 17,69 Euro. Damit hat die Aktie ihren Wert um ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr gesteigert (Stand: 31. August, 10:57 Uhr).


Fazit: Wir halten an Energiekontor fest


Seit Dezember 2016 führen wir die Energiekontor AG als einen  aussichtsreichen grünen Spezialwert (Link entfernt)  bei den ECOreporter-Favoriten-Aktien (Link entfernt).

Kurzfristig muss Energiekontor einige Herausforderungen im Windmarkt meistern, die das weitere Wachstum zumindest vorübergehend behindern können. Auf lange Sicht dürften die Chancen auf größere Kurssteigerungen aber gut stehen.

Wir bekräftigen deshalb unsere Empfehlung von April 2017, die Aktie weiter hin zu halten. (Link entfernt)   Unsicherheiten bestehen in Bezug auf die Windernte und den erfolgreichen Verkauf von Projekten, von denen aber auch viele in in den Eigenbestand übernommen werden sollen. Über zwischenzeitliche Kursschwächen kann aber die jährliche Dividende hinwegtrösten. In 2016 betrug die Dividende 0,80 Euro je Aktie.

Energiekontor AG: ISIN DE0005313506 / WKN 531350

Die Energiekontor AG hat auch Wind-Anleihen auf den Markt gebracht, um bei Anlegern Kapital für Investitionen einzusammeln. Alle dieser sogenannten Stufenzinsanleihen sind an der Börse handelbar.  Die neue Stufenzinsanleihe X haben wir in einem ECOanlagecheck geprüft und bewertet. 
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