23.07.09 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Energiekontor setzt auf Windkraft in Großbritannien - kein einfaches Geschäft




Wie der internationale Branchendachverband GWEC (Global Wind Energy Council) ermittelt hat, wurden die britischen Windkraftkapazitäten in 2008 um ein Drittel gesteigert. Sie kletterten um 0,84 Gigawatt (GW) auf 3, 24 GW. Die britische Regierung hat vor allem der Offshore-Windkraft durch neue Förderinstrumente Auftrieb verschafft. Sie will bis 2020 rund 25 Gigawatt an Offshore-Windparks installiert haben. Das Beratungsunternehmen Ernst & Young rechnet mit der Realisierung von 14 bis 15 Gigawatt. Doch auch an Land bietet das Vereinigte Königreich sehr gute Bedingungen für Windkraftprojekte. Das erklärte Guy Wilson, beim deutschen Projektierer Energiekontor AG für den britischen Markt zuständig, gegenüber ECOreporter.de.

Die Energiekontor AG aus Bremen errichtet und betreibt europaweit Windparks. 2001 errichtete das börsennotierte Unternehmen in Griechenland den ersten Auslandswindpark, auch in Portugal, Spanien ist Energiekontor tätig. In Großbritannien wird gegenwärtig ein erstes Projekt umgesetzt. Die Energiekontor UK Ltd. Konnte im April die Genehmigung für den Windpark Withernwick im Rahmen eines öffentlichen Anhörungsverfahrens (Public Enquiry) erwirken. Nahe der Ortschaft Hull in rund drei Kilometern Entfernung zur Küste sollen neun Windkraftanlagen der Zwei-Megawatt-Klasse errichtet werden. Die Projektpipeline von Energiekontor UK umfasst laut Wilson mehrere 100 Megawatt (MW). Derzeit befänden sich Projekte mit 18 bis 22 MW „in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung“. Er verwies im Gespräch mit ECOreporter.de darauf, dass Großbritannien nicht nur gute natürliche Bedingungen für landgestützte Windparks aufweist. Es gebe zudem attraktive Einspeisevergütungen und die Politik befürworte den Ausbau der Windkraft.

Allerdings räumte Wilson ein, dass es in der lokalen Politik häufig starken Widerstand gegen die Projekte gebe. Vor Ort sei der Widerstand gegen konkrete Projekte mitunter sehr massiv. Das sei zum Teil wohl damit zu erklären, dass es noch vergleichsweise wenige Windparks in den Land gebe, Windparks also noch etwas Neues und der Anblick unvertraut sei. Man sei noch nicht wie in vielen anderen europäischen Regionen an Windräder als Teil der Landschaft gewohnt. Man müsse aber festhalten, dass der Widerstand vor Ort gegen Windparks stärker sei als etwa in Deutschland.

Aktuell bekommt Energiekontor dies bei ihrem Vorhaben in im Distrikt Craven zu spüren. Dort wollen die Bremer bei Brightenber Hill nahe Gargrave fünf Windräder mit einer Höhe von 100 Metern errichten. Laut Wilson hat das zuständige Planungsamt empfohlen, den Windpark zu genehmigen. „Aber die Politiker vor Ort haben es dennoch abgelehnt“, so Wilson. Daher habe man wie für das Projekt Withernwick ein öffentliches Anhörungsverfahren beantragt, um den Windpark dennoch bauen zu können. Das hat laut britischen Medienberichten starke Proteste ausgelöst. Der Parlamentsabgeordnete des Landkreise, David Curry, warf demnach Energiekontor vor, gegebene Zusagen nicht einzuhalten. Der Leiter des Nationalparks, der an das geplante Projekt angrenzt, beklagte die negativen Auswirkungen der auf Sichtweite empor ragenden Windräder.

Wilson hält dem entgegen, dass der Distrikt Craven nur drei Standorte für Windparks ausgewiesen habe, Brightenber Hill sei einer davon. Da die beiden anderen Standorte deutlich schlechtere Bedingungen aufwiesen, sei es nicht nur im Interesse von Energiekontor, dass der Windpark dort entstehe. Denn der Distrikt müsse seine Zielvorgaben für den Ausbau regenerativer Energie erfüllen, die von der Regierung allen Distrikten des Landes auferlegt wurden. Ohne den von Energiekontor UK geplanten Windparks seien diese in wohl kaum zu erfüllen. Auch daher gehe man mit Zuversicht in die beantragte Anhörung.

Wie der Unternehmenssprecher auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärte, beträgt die Erfolgquote von Windprojektierern in Großbritannien bei solchen öffentlichen Anhörungsverfahrens etwa bei 60 zu 40. Ein Inspektor werde dafür von außen herbestellt, lasse sich die Standpunkte der Parteien erläutern und fälle dann eine unabhängige Entscheidung. Die sei dann gültig, da kaum noch anzufechten. Sollte die Entscheidung gegen den Windpark in Brightenber Hill ausfallen, würde Energiekontor laut Wilson das Projekt aufgeben. Das Unternehmen kalkuliere aber ein, dass sich einige seiner britischen Windparks nicht umsetzen lassen, so dass der Schaden sich in Grenzen hielte.

Großbritannien muss seine Treibhausgasemissionen von 2008 bis 2020 um 18 Prozent reduzieren. Dafür ist eine Verfünffachung der erneuerbaren Energieproduktion erfoderlich. Laut den offiziellen Planungen wird angestrebt, den Anteil der regenerativen an der Energieerzeugung im Vereinigten Königreich auf 30 Prozent zu steigern. Die Regierung setzt neben der Windkraft vor allem auch das Potential der Wellenkraft.

Energiekontor AG: ISIN DE0005313506 / WKN 531350


Bildhinweis: Aufbau einer Windkraftanlage von REpower. / Quelle: Unternehmen
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