Zu den seltenen Erden gehört auch Scandium. / Foto: Heinrich Pniok, Licence Art Libre

  Fonds / ETF

Energiespeicher sind das nächste große Ding

Ein neuer ETF setzt ganz auf Systeme für Energiespeicherung, insbesondere auf Aktien aus dem Feld Batterietechnik. Das neue Finanzprodukt wendet sich an Privatanleger, es hat eine Zukunftsbranche mit guten Aussichten im Blick. Kann es die Erwartungen im Bereich Nachhaltigkeit erfüllen? Welche Aktien sind hier im Spiel?

Der Anbieter des neuen Produktes ist ETF Securities aus Londen. Das Produkt heißt ETF Battery Value Chain (ISIN IE00BF0M2Z96 / WKN A2H5GK). "Innovative Energiespeicherung verändert die Welt, von Anwendungen wie Elektrofahrzeugen, Hybriden und Unterhaltungselektronik bis hin zu stationären Anwendungen wie Backup und dezentrale Speicherplätze." So macht der Anbieter auf das neue Finanzprodukt aufmerksam. Im Verkaufsprospekt heißt es: "Strenge Emissionsvorschriften und Netzspeicher-Mandate haben Chancen für Unternehmen in der Batterie-Wertschöpfungskette geschaffen." Davon sollen die im ETF enthaltenen Unternehmen profitieren.

Der ETF Battery Value Chain startete am 23. Januar 2018. Sein Ziel ist es, die Performance eines Aktienkorbes von Unternehmen abzubilden, die Anbieter bestimmter elektrochemischer Energiespeicher sind. Im Index enthalten sind Technologie- und Bergbauunternehmen, die Metalle produzieren und Batterien herstellen sowie die Rohstoffe dafür liefern.

Im ETF sind Unternehmen aus der ganzen Welt. Bekannte Aktiengesellschaften sind beispielsweise Toshiba aus Japan (4 Prozent Indexgewichtung), ABB aus der Schweiz (3,9 Prozent Gewichtung) und Tesla aus den USA (Indexgewichtung 3,75 Prozent). Diese Unternehmen sind Anbieter von Technologieprodukten, die auf effiziente Energiespeicherung angewiesen sind.

Toshiba stellt unter anderem Displays und Notebooks her, ABB aus der Schweiz ist in der Robotik, bei Antrieben und Industrieautomation tätig. Tesla produziert Elektrofahrzeuge, die eine effektive Energiespeicherung benötigen. Weitere Unternehmen im ETF sind Johnson Controls aus Irland (3,7 Prozent Indexgewichtung) und der Sony-Konzern aus Japan (3,7 Prozent Indexgewichtung). Auch ein deutsches Unternehmen findet sich im Index: Evonik Industries (3,7 Prozent Gewichtung).

Auf problematische seltene Erden spezialisiert

Es gibt aber auch weniger bekannte Unternehmen in dem ETF: Beispielsweise Orocobre aus Argentinien (ISIN AU000000ORE0 / WKN A0M61S) ist an den Börsen in Australien und Kanada notiert. Die Sociedad Quimica y Minera de Chile kommt aus Chile (ISIN US8336351056 / WKN 895007). Orocobre ist mit fast 4,5 Prozent Gewichtung das Schwergewicht im Index. Mit 3,9 Prozent folgt die Sociedad Quimica y Minera de Chile.

Beide Unternehmen sind lediglich auf die Gewinnung und Veredelung seltener Erden spezialisiert. Orocobre ist mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet aktuell 1,14 Milliarden Euro um einiges kleiner als die Sociedad Quimica y Minera de Chile (Marktkapitalisierung 12,12 Milliarden Euro). Seltene Erden gelten unter Umwelt- und Arbeitsschutzgesichtspunkten teilweise als hochproblematisch.

Wie nachhaltig sind Speichertechnologie-Aktien? Ein Beispiel: Die Plattform rankabrand besagt, der  japanische Toshiba-Konzern liefere kaum wirklich konkrete Informationen zum Umweltschutz. Wenn es um Konfliktmineralien wie seltene Erden geht, soll Toshiba hingegen in mehreren Initiativen aktiv sein. Anderes Beispiel: Für die Elektromotoren mancher Elektroautos sind die seltenen Erden Neodym oder Dysprosium notwendig - ökologisch und sozial bedenklich.

Hohe Kostenquote, in Deutschland nur eingeschränkt handelbar, Nachhaltigkeit fraglich

Dem ETF zugrunde liegt der "Solactive Battery Value-Chain Index". Auf Dollarbasis gerechnet, hat er in einem Jahr 34 Prozent zugelegt. Der ETF Battery Value Chain wurde in Irland aufgelegt. Er hat eine für einen ETF vergleichsweise hohe Kostenquote von 0,75 Prozent und ist in Deutschland nicht handelbar. Lediglich an der Börse London (London Stock Exchange) können bisher Anteile von Anlegern erworben werden. Für deutsche Investoren ist dies mit hohen Kosten verbunden.

Die Währung für den ETF ist US-Dollar, die Abbildung des Referenzindex erfolgt mittels physischer Replikation. Das heißt, alle im Referenzindex enthaltenen Aktien müssen auch im ETF enthalten sein. Ein Wertpapiertausch mittels "Swap-Geschäft" erfolgt nicht. Die Aktien im ETF stammen größtenteils von Unternehmen, die nur zu einem kleinen Teil Geschäfte mit Speichertechnologie machen.

Toshiba ist ein solider Konzern, aber keine Speichertechnologie-Aktie, sondern ein breit aufgestellter Multi. Die spezialisierten Unternehmen des ETF dagegen setzen teilweise auf problematische Rohstoffe wie etwa seltene Erden - insgesamt also ein ETF, das für nachhaltige Anleger kaum in Frage kommen dürfte.

ETF Battery Value Chain (ISIN IE00BF0M2Z96 / WKN A2H5GK); Anbieter: ETFSecurities.
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