17.08.10 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Entdeckt Indien nun sein Potential an erneuerbarer Energien? – Experte benennt aussichtsreiche Unternehmen



Gegenwärtig deckt Indien erst vier Prozent des Stromverbrauchs durch regenerative Energien. Die netzgekoppelte erneuerbare Stromerzeugung hat sich auf dem Subkontinent nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) im laufenden Jahr auf 17,2 Gigawatt (GW) erhöht. Die Bundesregierung will hier gewaltig aufs Tempo drücken. Sie will die Grünstromkapazitäten in den kommenden zwölf Jahren auf 74 GW steigern. Bislang dominieren kostspielig importierte fossile Brennstoffe den Strommix, zudem gibt es schon heute gravierende Defizite bei der Energieversorgung des Milliardenvolkes, dessen enormer wirtschaftlicher Aufschwung auch den Energiebedarf stark steigen lässt.

Die Bank Sarasin aus Basel hat mehrere Fonds mit Schwerpunkt auf alternative Energien aufgelegt. Sie prognostiziert in einer aktuellen Untersuchung für Indien unter anderem ein schnelles Wachstum im Bereich der Solarenergie. Dank der idealen Sonneneinstrahlung und stattlichen Förderungsmaßnahmen habe diese Technologie dort eine große Zukunft. Gemäß den Prognosen der schweizerischen Bank wird die Installation von Solarmodulen in bis 2012 jährlich um 100 Prozent ansteigen. Allein der Bundesstaat Gujarat plant, in den nächsten fünf Jahren die solare Stromerzeugung auf 3.000 Megawatt (MW) bzw. 3 GW zu erhöhen.

Als relevant stufen die Analysten der Bank Sarasin vor allem kleine netzunabhängige Photovoltaik-Anlagen ein, so genannte „Solar Home Systems“. Sinkende Preise könnten diese Anlagen für die breite ländliche Bevölkerung, die zu großen Teilen noch über keinen Stromanschluss verfüge, erschwinglich machen. „Am Erfolg der Solarenergie partizipieren werden beispielsweise Moser Baer, ein führendes indisches Technologieunternehmen, das auch Solarzellen produziert, sowie Tata BP Solar, ein Joint Venture zwischen Tata Power Company und BP Solar“, so Sarasin.

Bei der Windenergie wird in Indien laut der Analyse erst ein Viertel des Potenzials genutzt. Das Land besitzt demnach Windenergiekapazitäten von 11 GW. Damit sei Indien weltweit der fünftgrößte Windstromerzeuger. Studien-Autor Dr. Matthias Fawer vom Sustainability Research der Bank Sarasin geht davon aus, dass in 20 Jahren 15 Prozent des indischen Energiebedarfs durch Windenergie gedeckt sein werden. Davon profitieren werde der indische Windturbinenhersteller Suzlon, der bereits heute zu den größten Windturbinenbauern der Welt zählt. Er hat laut Sarasin aktuell einen Anteil von 12 Prozent am Weltmarkt und von 50 Prozent am indischen Markt.

Darüber hinaus will die indische Regierung im Geothermie-Sektor die Nutzung der existierenden Ressourcen erhöhen und eventuell entsprechende Förderungen einführen. Ausschreibungen für mehrere Pilotprojekte sollen demnächst durchgeführt werden.

„Das bestehende Defizit in der Energieversorgung und die steigende Energienachfrage in den nächsten 20 Jahren machen Indien zu einem interessanten Markt für erneuerbare Energien“, hält Fawer fest. Die Regierung habe die Zeichen der Zeit erkannt. Sie wolle und müsse die Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen nicht zuletzt deutlich erhöhen, um die Treibhausgas-Emissionen senken. Gemäß verschiedener Prognosen werde Indien überdurchschnittlich von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein, so der Experte der Bank Sarasin. „Mit seinen klaren Zielen könnte Indien für andere Schwellenländer zu einem Vorbild werden“, meint er.

Etliche im Westen börsennotierte Hersteller von Windkraft- und Solarprodukten sind bereits im indischen Markt aktiv. Dazu zählen etwa der dänische Windturbinenbauer Vestas und der US-Windkraftzulieferer American Superconductor Corporation (AMSC), der US-Solarausrüster Spire, aus Deutschland der Solarausrüster Roth & Rau AG und der Solarzulieferer SMA Solar Technology AG – das bayrische Solarunternehmen centrotherm photovoltaics AG hat angekündigt, in Indien eine Tochtergesellschaft zu gründen. Auch für Akteure aus dem benachbarten China ist der Markt attraktiv, unter anderem hat die Solarmodulproduzentin Suntech Power Holdings dort schon Vertriebserfolge erzielt.
Bildhinweis: Windpark mit Anlagen von Suzlon. / Quelle: Unternehmen
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