16.09.11 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Entsteht in China eine Cleantech-Blase? – Fondsmanager Jon Sigurdsen von DNB Nor benennt Chancen und Risiken im Markt der Umwelttechnologien



„Kabel- und Batteriehersteller verfügen derzeit über die besten Aussichten. Diese Sektoren heben sich von der allgemein schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung ab“, sagt Sigurdsen. Die Ertragslage dieser Unternehmen sei von je her stark durch ein zyklisches Auf und Ab geprägt. Allerdings werde dies derzeit im Markt überbewertet, argumentiert der Fondsmanager des DnB NOR ECO Absolute Return.

„Bei den Stromkabelherstellern brummt das Geschäft. Sie konnten in den vergangenen Wochen große Aufträge an Land ziehen, konstatiert Sigurdsen. Allein der schwedisch-schweizerische Elektrotechnikkonzern Asea Brown Boveri Limited, kurz ABB Ltd. sei aktuell im Begriff rund eine Milliarde US-Dollar (720 Millionen Euro) in die Anbindung von Nordseewindparks an das deutsche Stromnetz zu investieren. Hinzu komme, dass der britische Stromversorger National Grid in den kommenden acht Jahren 21,9 Milliarden Britische Pfund (knapp 25 Milliarden Euro) für den Ausbau der Stromnetze auszugeben plane, so Sigurdsen. Von den daraus resultierenden Großaufträgen für Kabelhersteller dürften laut Sigurdsen Anbieter wie die italienische Prysmain S.A. aus Mailand, General Cable aus Highland Heights im US-Bundesstaat Kentucky im und der derzeit weltgrößte Kabelspezialist Nexans S.A. aus Paris.

„Der zweite Subsektor, den wir aktuell für sehr aussichtsreich halten, ist der Batteriesektor“, erläutert Sigurdsen. In dieser Branche hebt der Fondsmanager besonders den US-Batteriehersteller Exide Technologies aus Milton im Bundesstaat Georgia hervor. Der Autozulieferer könne selbst bei einem Rückgang des Neuwagenverkaufs vom Nachrüstungsbedarf bei Gebrauchtwagen weiter profitieren. Weil Exide seinen geschäftlichen Fokus bisher auf den europäischen Originalteilemarkt gelegt habe, gäbe es für die Spezialistin für energieeffiziente Start-Stopp-Batterien speziell in den USA und auf dem internationalen Ersatzteilemarkt große Wachstumspotenziale, sagt Sigurdsen. Diese Potenziale spiegelten sich im aktuellen Aktienkurs von Exide nicht ausreichen wider. Stattdessen sei die Aktie jüngst stark unter Druck geraten, weil Exide im US-Transportsektor einen Umsatzeinbruch erlitten habe.

„Aus unserer Sicht fällt dies nicht so stark ins Gewicht. Das Unternehmen ist auf dem Weg zu einem neuen Technologielevel und erschließt sich mit der Start-Stopp-Technologie neue Wachstumsmärkte. Von dem 26 prozentigen Kursrutsch im Nasdaq, der durch den Umsatzeinbruch im US-Geschäft verursacht worden war, erholt sich die Aktie mittlerweile wieder.  Dort schloss sie den vergangenen Börsentag beim Stand von 5,03 US-Dollar. Damit lag sie noch 10 Prozent unter ihrem Niveau vor vier Wochen, aber knapp zwei Prozent über dem Kurs vor einem Jahr.

Als Besorgnis erregend hingegen stuft Sigurdsen die sinkende Liquidität einiger chinesischer Cleantech-Unternehmen ein. Diese Unternehmen begründen ihre dünne Finanzdecke laut Sigurdsen in der Regel mit der großzügigen Vergabe staatlicher Förderkredite für Branchenunternehmen. (Allein die Solarbranche wird jährlich mit vielen Milliarden Euro aus Staatsmitteln Co-finanziert - mehr dazu lesen Sie Opens external link in new windowhier). „Hier wird zu kurz gesprungen und zu wenig nachhaltig gewirtschaftet“, stellt Sigurdsen klar. Auf diese Weise laufe China, Gefahr eine Cleantech-Blase zu produzieren.
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