24.05.12 Anleihen / AIF

„Erneuerbare-Energie-Anlagen werden mittelfristig wettbewerbsfähig sein“ – Interview mit Mario Fürst und Swen Hansen, DBE Deutsche BürgerEnergie e.G.



Die DBE e.G. ist einer der zahlreichen Aussteller der Messe Grünes Geld am 23. Juni in Stuttgart. Die für Besucher kostenlose Veranstaltung mit umfangreichem Vortragsprogramm bietet Einsteigern wie Profis einen Überblick über aktuelle Trends und Angebote am Markt für nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Europaraum (mehr Opens external link in new windowdazu...).

ECOreporter.de: Was hat Sie bewogen, die Genossenschaft DBE Deutsche BürgerEnergie eG zu gründen? Und welche Erfahrung bringen Sie und Ihre Mitglieder mit?

Mario Fürst: Als Tätige in der Erneuerbaren-Energien-Branche beobachten wir seit einiger Zeit, dass die Umsetzung der Energiewende politisch nicht mehr angemessen unterstützt wird. Zugleich bekommen wir aus unserem beruflichen und privaten Umfeld widergespiegelt, dass sich Menschen aktiv in die Realisierung der Energiewende einbringen wollen. Deshalb haben wir ein Modell gesucht, das jedem eine direkte und transparente Möglichkeit zur Beteiligung am Ausbau Erneuerbarer Energien bietet und in das wir unsere Erfahrung als Projektentwickler und Anlagenbauer einbringen können.

Swen Hansen: Wir haben Mitglieder in der Genossenschaft, die sich seit einigen Jahren sowohl mit der Projektierung sowie Finanzierung und mit dem Bau und dem Betrieb von Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien beruflich beschäftigen, beispielsweise zu Wind,- und Photovoltaikanlagen. Diese bringen ihr Knowhow in die Genossenschaft ein. Die Genossenschaft kann jedoch auch Dienstleistungen jederzeit von externen Firmen einholen und diese beauftragen.
Bildnachweis: Swen Hansen ist Finanzvorstand der DBE e.G. Der 38-jährige Unternehmensberater ist verheiratet.

ECOrepoorter.de: Was spricht speziell für die Gründung einer Genossenschaft?

Fürst: Das Genossenschaftsmodell erfüllt aus unserer Sicht die Anforderung an eine zeitgemäße, solide, sinnvolle und sichere Beteiligungsmöglichkeit und ermöglicht die einfache Einbindung jedes Bürgers, aber auch jedes Unternehmens, jeder Gemeinde, Kommune oder Stadt.  Die Mitglieder stellen der Genossenschaft über ihre Genossenschaftsanteile das Kapital bereit und sind gleichzeitig die Entscheidungsträger im Rahmen der jährlichen Generalversammlung. Die Haftung der Mitglieder ist nur auf die Einlage begrenzt, eine Nachschusspflicht ist per Satzung ausgeschlossen. Die jährliche unabhängige Prüfung durch den Genossenschaftsverband, in unserem Fall durch den GV-Bayern, bietet  zusätzliche wirtschaftliche Sicherheit für die Mitglieder der DBE eG.

ECOreporter.de: In der Solarbranche ist es schon vorgekommen, dass Unternehmer Fonds oder Direktbeteiligungsangebote aufgelegt haben, um gezielt eigenen Geschäfte anzukurbeln. Inwiefern kann es bei der DBE zu solchen Interessenskonflikten kommen?

Hansen: Die meisten Beispiele solcher Anlageformen sind Beteiligungsmodelle im Mantel einer GmbH & Co. KG mit relativ hohen Mindestbeteiligungssummen. Die Mitsprache der beteiligten Anleger ist bei so einem Modell nur begrenzt möglich. Je mehr Kapital ein Anleger einsetzt, desto mehr Stimmrechte hat er. Bei der Genossenschaft ist das Stimmrecht nicht nach der Kapitaleinlage geregelt sondern solidarisch. Jedes Mitglied hat eine Stimme und übt dieses Stimmrecht in der jährlichen Generalversammlung aus. Auch wird bei anderen Beteiligungsmodellen nicht wie bei einer Genossenschaft eine jährliche Prüfung von einem externen Prüfverband vorgenommen.

Fürst: Wir sind als ehrenamtliche Vorstände der Genossenschaft hauptberuflich im Bereich der Projektentwicklung und -Realisierung tätig. Darin sehen wir jedoch keinen Konflikt, sondern eine sinnvolle Partnerschaft: Durch die Projektentwicklungstätigkeit ist der Zufluss von Projekten, also Investitionsmöglichkeiten, in die Genossenschaft gewährleistet. Und diese Projekte halten allen rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Kriterien der Genossenschaft stand. Ferner können Projekte mit Finanzierungssicherheit entwickelt und an die DBE eG veräußert werden. Im genossenschaftlichen Verbund der Raiffeisen,- & Volksbanken stehen der DBE eG Möglichkeiten der Finanzierung und weiterer Finanzdienstleistungen zur Verfügung.

ECOreporter.de: In welchem Zusammenhang steht oder stand die DBE e.G. mit den Unternehmen SR-Solartech GmbH & Co. KG (Projektgesellschaft) beziehungsweise Sunrise Solartech GmbH (Solartechnik-Vertrieb), die beide die gleiche Geschäftsadresse haben wie die Genossenschaft?
Fürst: Die DBE Deutsche BürgerEnergie eG steht in keinem Zusammenhang mit diesen Firmen. Beide sind auch keine Mitglieder in der Genossenschaft, haben ihren Firmensitz jedoch am selben Standort. Alle Partnerfirmen der DBE e.G. werden im Internetauftritt der DBE eG transparent dargestellt. Dort können sich auch weitere interessierte Partner bewerben.

ECOreporter.de: Was erwirbt ein Anleger, der bei Ihnen Genossenschaftler wird?

Hansen: Anleger können sich an der DBE eG über ein einfaches Modell in Form von so genannten Energiepaketen beteiligen. Ein Energiepaket besteht aus drei Teilen: Erstens der Beteiligung (Geschäftsanteil) an der Genossenschaft in Höhe von 500 Euro. Zweitens einem Nachrangdarlehen an die Genossenschaft in Höhe von 500 Euro. Und drittens einem Eintrittsgeld in Höhe von 50 Euro.  Ein Energiepaket der DBE eG entspricht also 1.050 Euro Kapitaleinsatz.  Jedes Mitglied darf grundsätzlich maximal 100 Energiepakete erwerben. Eine Aufstockung auf mehr als 100 Energiepakete ist möglich, sie muss jedoch vom Vorstand genehmigt werden.
 
ECOreporter.de: Wie wird das über Energiepakete eingesammelte Geld eingesetzt? Und inwiefern können Anleger Erträge erwarten?

Hansen: Die Geschäftsanteile und Nachrangdarlehen werden für Investitionen in Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien eingesetzt. Gegebenenfalls werden zusätzlich Bankdarlehen für die Finanzierung der Investitionen eingesetzt. Die Anlagen, in die die DBE eG investiert, generieren Erträge aus der Stromproduktion. Der Strom wird nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz für 20 Jahre garantiert vergütet.
An wiederkehrenden Kosten fallen Wartung, technische und kaufmännische Betriebsführung, Versicherungen und eventuell Pacht für die Flächen, auf denen die Anlagen installiert werden, an. Die verbleibenden Überschüsse können, nach Bildung von gesetzlich festgeschriebenen Rücklagen gemäß Satzung, an die Mitglieder ausgeschüttet werden. Über die Ausschüttung beschließen die Mitglieder gemeinsam in der Generalversammlung. Zukünftig soll auch in Anlagen investiert werden, welche den Strom unabhängig vom Erneuerbare-Energien-Gesetz direkt vermarkten.

ECOreporter.de: Wie viele Projekte welcher Größenordnung hat die Deutsche BürgerEnergie schon wo realisiert und wie viele Projekte sind in Planung?

Fürst: Derzeit ist die DBE eG an zwei Anlagen mit jeweils ca. 1 Megawatt (MW) beteiligt. Kurzfristig sind drei weitere Projekte der Größenordnungen 435 Kilowatt (kW), 170 kW, und 150 kW  geplant, die die DBE eG selbst betreiben wird.

ECOreporter.de: Inwiefern sind die Genossenschaft und Ihr Geschäftsmodell oder einzelne Projekte von den kommenden Kürzungen der Solarstromtarife betroffen?

Hansen: Mit den Kürzungen der Vergütungen gehen sinkende Preise für die Errichtung insbesondere für die Hauptkomponente Solarmodule aber auch für die Pacht oder den Kauf von geeigneten Flächen oder Dächern einher. Das macht auch den Kauf von Photovoltaikanlagen kostengünstiger. Die Wirtschaftlichkeit des Betriebs ist somit immer noch gewährleistet. Auf mittelfristige Sicht werden Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien wettbewerbsfähige Preise für Strom anbieten können. Durch weiter sinkenden Gestehungskosten und weiter steigende Preise für konventionellen Strom wird der Strom aus Erneuerbaren Energien den vom EEG unabhängigen Markt erschließen.

ECOreporter.de: Wie bewerten Sie die Entscheidung des Bundesrats die EEG-Novelle zu stoppen?

Fürst: Die Entscheidung ist grundsätzlich zu begrüßen, da die Novelle jedoch einige Regelungen enthält, die den Markt und damit die Anbieter möglicher Projekte zu drastisch abwürgen kann sollte die Bundesregierung hier der Industrie etwas mehr Zeit einräumen. Die Industrie hat bewiesen, dass sie mit einer kalkulierbaren Kürzung umgehen kann, wenn allen Beteiligten der Wertschöpfungskette genug Zeit bleibt, um Anpassungen durchzuführen.

ECOreporter.de: Was erwarten Sie vom Vermittlungsverfahren?

Hansen: Vom Vermittlungsverfahren erwarten wir zuallererst, dass es kurzfristig zu Ergebnissen kommt, um das nun ausgelöste Vakuum zu beenden und dass diese Ergebnisse darin bestehen, dass die Höhe und Fristigkeit der Kürzungen angepasst werden.

ECOreporter.de: Was werden Sie auf der  Messe Grünes Geld Präsentieren und was erwarten Sie von der Veranstaltung?

Fürst: Wir werden die DBE Deutsche BürgerEnergie e.G. und das Beteiligungsmodell in einem Vortrag auf der Messe präsentieren. Dies ist unsere erste Teilnahem an einer Messe zum Thema Geldanlage. Wir sehen in der Messe das Potenzial und die Chance den Genossenschaftsgedanken weiter zu verbreiten, Netzwerke zu knüpfen und weitere Mitglieder für die DBE Deutsche BürgerEnergie eG zu gewinnen. Es besteht noch reichlich Bedarf an Informationen in der Bevölkerung, um die Genossenschaftsidee im Erneuerbaren Energiebereich weiter zu verbreiten. Die meisten Energiegenossenschaften sind nur regional tätig. Da unsere Investitionsstrategie jedoch deutschlandweit ist, können sich auch Personen überregional beteiligen.

ECOreporter.de: Herr Fürst, Herr Hansen, danke für das Gespräch!

Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x