19.06.12 Anleihen / AIF

„Erneuerbare Energien für Strompreiserhöhungen verantwortlich zu machen, ist eine dreiste Täuschung“ – Georg Hetz, UDI Beratungsgesellschaft mbH



UDI zählt zu den Ausstellern der Messe Grünes Geld am Samstag, den 23. Juni, im Haus der Wirtschaft in Stuttgart. Die für Besucher kostenlose Veranstaltung mit Podiumsdiskussion, Vortrags- und Kinderprogramm bietet Einsteigern wie Profis einen umfassenden Überblick über aktuelle Trends und Angebote auf dem Markt für nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Europaraum. Mehr dazu lesen Sie Opens external link in new windowheir.

ECOreporter.de: UDI vertreibt geschlossene Beteiligungen an Erneuerbare-Energie-Projekten, legt Fonds und Wertpapiere zu Solarenergie, Windkraft und Biomassekraftwerken auf. Welche dieser Anlageklassen ist derzeit aus Anlegersicht die profitabelste?

Georg Hetz: Das hängt immer von den Zielen und Bedürfnissen des Anlegers ab. Unter den Erneuerbare Energien ist Biogas die chancenreichste und Solar die risikoärmste Klasse. Bei Wind kann es wetterbedingt zu großen Schwankungen kommen. Und Offshoreprojekte hängen stark an der Erschließung und den Transportwegen für den Strom ab.

ECOreporter.de: Wie unterscheiden sich langfristige geschlossene Beteiligungen von sogenannten Kurzläufern?


Hetz: Anleger, die überschaubare Laufzeiten und hohe Erträge von Anfang an wollen, sind bei Zinspapieren wie den UDI-Festzins-Anlagen gut aufgehoben. Hier beginnt der Zins im ersten Jahr bei über 6 Prozent, die Laufzeiten sind flexibel von 3 bis 11 Jahren - der Anleger entscheidet, wann er aussteigt.
Anleger, die langfristig orientiert sind, präferieren dagegen geschlossene Fonds. Deren Laufzeit beträgt meist um die 20 Jahre und länger. Also sollten Beträge investiert werden, die langfristig entbehrt werden können. Dafür macht eine solche Investition dann im Laufe der Zeit immer mehr Spaß. Denn die Ausschüttungen beginnen moderat, um nach rund zehn Jahren -wenn das Ökokraftwerk vom ersten Teil der Fremdfinanzierungen entschuldet ist - richtig steil anzusteigen.

ECOreporter.de: Seit dem 1. Juni sind die Regeln für Fondsinitiatoren verschärft worden, unter anderem im Bezug auf  Wertpapierprospekte und Prospekthaftung. Was sind die wichtigsten Neuerungen?

Hetz: Ich begrüße, dass die BaFin künftig umfangreicher prüft als bisher, also nicht nur auf Gestaltung und Einhaltung bestimmter Regeln prüft. Fortan können „schwarze Schafe“ nicht mehr einfach alles in den Prospekt hineinschreiben. Stattdessen stehen nun auch inhaltliche Dinge auf dem Prüfstand, also beispielsweise, ob die genannten Verträge auch wirklich alle existieren und im Prospekt korrekt beschrieben werden. Und auch wenn es ein zusätzlicher organisatorischer Aufwand für Initiatoren ist: das Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) ist für Anleger eine gute Sache. So können sie auf wenigen Seiten einen Überblick über den Fonds erhalten.

ECOreporter.de: Wie wirkt sich die Regelverschärfung  auf laufende und künftige UDI-Beteiligungsangebote aus?

Hetz: Für UDI selbst ändert sich eigentlich wenig - die Informationen hatten wir bereits immer im Prospekt genannt, nun kommt einfach das VIB neu dazu. Und natürlich die Vorlage aller Verträge. Wegen dieses erhöhten Prüfaufwands durch die BaFin gehen wir von längeren Prüfzeiträumen aus als bisher, was den jeweiligen Zeitraum bis zum Vertriebsstart verlängern kann.

ECOreporter.de: Die Novelle des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) kann durch den Vermittlungsausschuss noch verändert werden. Was für Sie wichtige Wunschergebnisse in dem Vermittlungsprozess?

Hetz: Dass weiterhin Änderungen des EEG (wie jede Gesetzesänderung) den Weg durch Bundestag und Bundesrat gehen müssen - denn dies sollte nämlich still und leise ausgehebelt werden. Und dass generell Verlässlichkeit auch für die Zukunft besteht. Es kann nicht angehen, dass Fördersätze und -regularien vereinbart und dann plötzlich - übereilt und von jetzt auf gleich - ausgehebelt werden! Inhaltlich bin ich ganz bei den Vorschlägen der Ausschüsse aus der Bundesratssitzung vom 11. Mai: Inkrafttreten statt am 1. April erst am 1. Juni oder Juli, stärkerer Anreiz für den Eigenverbrauch bei kleinen Dachanlagen, volle Vergütung statt 90 Prozent für Anlagen größer ein Megawatt, Änderung des vorgesehenen Marktintegrationsmodelles.

ECOreporter.de: Sind aktuelle Beteiligungsangebote von UDI von der EEG-Novelle betroffen? Könnte sich für Anleger etwas ändern, sobald das neue EEG rückwirkend zum 1. April in Kraft tritt?


Hetz: Nein, bei uns sind alle aktuellen Angebote und Produkte so konzipiert, dass sich für Anleger nichts ändert. Natürlich mussten wir unsere Planung für die kommenden Monate anpassen, da derzeit nur wenige neue und interessante deutsche Solarfonds aufgelegt werden. Jeder Solar-Initiator wartet ab. UDI setzt deswegen zurzeit stärker auf Wind und Misch-Angebote mit mehreren Formen der Erneuerbaren Energien, nicht allein deutsche Solarprojekte.

ECOreporter.de: In der aktuellen Energiewende-Diskussion werden die Erneuerbaren-Energien oft als Kostentreiber des Strompreises dargestellt. Wie sehen Sie das?

Hetz:
Kurz: das ist eine dreiste Täuschung und geht an der Wahrheit sehr weit vorbei. Denn der Strompreis steigt seit 2001 kontinuierlich an. Und zwar weit über die Höhe jeder Umlage für Erneuerbare Energien. Ganz im Gegenteil: gerade durch die Erneuerbaren Energien ist der Bezugspreis für die Stromversorger seit 2008 an der Leipziger Strombörse um die Hälfte gesunken. Aber wer soll schuld sein an jeder Erhöhung? Die Erneuerbaren und die Energiewende, die damit ein bequemer Sündenbock für die Politik und vor allem die vier großen Stromkonzerne sind. Die es über Jahre versäumt haben, längst notwendige neue Stromtrassen zu bauen. Das Wissen, wie nötig die sind, war da - aber nicht die Bereitschaft, zu investieren!

ECOreporter.de: Wie wirken sich die Debatten um das EEG und die Energiewende auf ihr Alltagsgeschäft aus? Sind die Anleger eher verunsichert, oder ist das Interesse gestiegen?

Hetz: Sowohl als auch. Anleger, die sich rein für Solar interessieren, sind natürlich verunsichert. Andererseits wurde durch die Diskussion um die Erneuerbare-Energie-Förderung auch vielen potentiellen Neu-Anlegern überhaupt erst einmal bewusst, dass damit auch für Privatkunden Geld zu verdienen ist. Negativ wirkte sich die Insolvenz diverser Solarfirmen aus, allen voran Solar Millennium. Das gilt für den Gesamtmarkt grüner Geldanlagen. Denn grün heißt leider nicht automatisch sicher. UDI selbst hat jeden Anleger immer auf die generellen Risiken hingewiesen. Wir wollen, dass die Anleger genau wissen, wo hinein sie ihre Gelder investieren - mit allen Risiken und Chancen.

ECOreporter.de: Was raten Sie Anlegern, die sich jetzt erstmals dem Anlagethema Erneuerbare Energien nähern möchten?


Hetz: Informieren, informieren, vergleichen! Gegenüber den bekannten Bank- und Wertpapierprodukten gibt es einige Unterschiede. Wichtig ist auch, genau hinzuschauen, in was das jeweilige Investment anlegt. So gibt es zum Beispiel Solarmodule auf Legebatterien. Oder Biogasanlagen, die mit Gülle und Mist aus Massentierhaltung gespeist werden. Das mag zwar wegen der Erneuerbaren Energien "grün" anmuten, aber dahinter steckt dann kein Umwelt- oder Nachhaltigkeitsgedanke! Zuletzt sollten sich die Anleger den jeweiligen Anbieter genau ansehen: Wie lange und wie erfolgreich ist er schon am Markt, wie viel Erfahrung hat er aus wie vielen Fonds und wie laufen die? Dafür ist natürlich so eine Messe wie Grünes Geld hervorragend geeignet - alles auf engstem Raum komprimiert.

ECOreporter.de: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld präsentieren und welche Erwartungen verbinden Sie mit der Veranstaltung?

Hetz: UDI ist mit einem Messeverstand vertreten. Zusätzlich halte ich einen Vortrag über Grüne Geldanlagen - wie sie funktionieren, worauf Anleger achten sollten und so weiter. Und natürlich stellen wir unsere aktuellen Angebote und Trends bei Erneuerbare-Energien-Investments wie Festzinsanlagen vor.


ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Hetz.
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