Der Weltklimagipfel strebt das Aus für Kohlekraftwerke erst für 2050 an. / Quelle: Fotolia

15.12.14 Erneuerbare Energie

Ernüchterung nach dem Weltklimagipfel von Lima

Je länger der bereits 20. Weltklimagipfel lief, der gestern in Lima beendet wurde, desto stärker waren die Hoffnungen auf einen Durchbruch beim weltweiten Klimaschutz gesunken. Doch obwohl die Veranstaltung mit Vertretern aus 193 Ländern um zwei Tage verlängert, hat sie auch die geringen Erwartungen noch enttäuscht. Darauf lassen sich die Reaktionen von Umwelt- und Klimaschützern reduzieren.

In der peruanischen Hauptstadt haben sich die Deligierten lediglich darauf verständigt, dass die wesentlichen Streitpunkte abermals verschoben statt gelöst werden. Noch immer ist völlig offen, wie das neue globale Klimaschutzabkommen aussehen kann, das 2020 in Kraft treten und das Kyoto-Protokoll von 1997 ablösen soll, das ohnehin kaum noch Wirkung entfaltet. Ursprünglich sollten in Lima erste Grundzüge dafür erarbeitet werden. Stattdessen ging man mit der Hausaufgabe auseinander, möglichst bis zum März 2015 Ziele für die eigene Verringerung von Treibhausgasemissionen vorzulegen. Diese Ziele sollen zwar transparent, vergleichbar und überprüfbar sein, doch sind die Vorgaben dafür äußerst vage. So bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Staaten wenigstens im Jahresverlauf 2015 annähernund die Aussichten zumindest für den Weltklimagipfel im Dezember 2015 verbessern, der in Paris staatfinden wird. Die deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks räumte ein: "Es war zu erwarten, dass zentrale Fragen des neuen Abkommens erst in Paris gelöst werden können. Der Weg dahin bedarf noch enormer Anstrengungen. Aber es war auch eine große Bereitschaft vieler Staaten zu erkennen, sich konstruktiv in die Verhandlungen einzubringen. Darauf wollen wir aufbauen und mit dem Petersberger Klimadialog im Mai 2015 die Verhandlungen in einer entscheidenden Phase voranbringen."

„In Lima sollten die Fundamente für den Weltklimavertrag von Paris 2015 gelegt werden, doch es wurde nicht einmal die Baugrube fertig gestellt“, stellte dazu Martin Kaiser fest, Leiter des internationalen Klimateams von Greenpeace. „Der mühsam errungene Kompromiss ist enttäuschend, denn er verschiebt die wichtigsten Streitpunkte auf nächstes Jahr, statt erste Lösungen zu beschließen.“ Kaiser bemängelte, dass sich die Delegierten in Lima nicht auf eine einheitliche und vergleichbare Formulierung ihrer Klimaziele einigen konnten. Viele Länder hätten zudem eine verbindliche Bewertung dieser Vorschläge noch vor der Pariser Konferenz abgelehnt. Ohne diese aber könne man nicht sagen, ob die Klimaziele ausreichen oder nachgebessert werden müssen. „Wenn man bedenkt, dass die bisherigen Klimaziele einen Temperaturanstieg um 3 bis 4 Grad bedeuten, ist das schlicht verantwortungslos“, so Kaiser. Er fand nur wenig Trost darin, dass beim Weltklimagipfel immerhin das Ziel ausgegeben worden ist, das bis 2050 global der vollständige Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas gelingen soll.

Dafür hat man sich aber in Lima auf keinerlei kurzfristige Maßnahmen verpflichtet und sogar weiter darüber gestritten, wer was ab 2020 leisten soll und kann, um den Klimawandel rechtzeitig genug abzubremsen, dass dessen Folgen noch beherrschaber erscheinen. Der Weltklimarat hat dafür die Marke einer Erderwärmung um 2 Grad festgesetzt.

Der größte Erfolg von Lima besteht wohl darin, dass mit China, Brasilien, Indien und Indonesien die wichtigsten Schwellenländer erhebliche Anstrengungen für mehr Klimaschutz angekündigt haben. Sie weisen damit nicht länger allein den Industriestaaten die Verantwortung dafür zu. In China und in Indien steigt der Ausstoß von Klimagasen so stark an wie nirgends sonst, mit stark wachsender Tendenz. Nur wenn diese Milliardenvölker ihr Wirtschaftswachstum von der Zunahme der Treibhausgasemissionen abkoppeln, hat der weltweite Klimaschutz eine Chance.

Fortschritte gab es in Finanzierungsfragen. Der Grüne Klimafonds, der Geld für besonders vom Klimawandel betroffene Ländern bereitstellen soll, wuchs auf mehr als zehn Milliarden Dollar an. Ab 2020 soll der Fonds mit jährlich 100 Milliarden Dollar ausgestattet werden, um die Folgen des sich verstärkenden Klimawandels in den ärmeren Ländern zu begrenzen. Wie diese Gelder zusammen kommen sollen, ist jedoch weiterhin unklar.
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