22.03.10 Nachhaltige Aktien , Meldungen

„Es ist die bislang feinste Branchengliederung für Nachhaltigkeitsindikatoren.“ – ECOreporter.de-Interview mit Axel Hesse (SD-M) über Nachhaltigkeitsaspekte in Geschäftsberichten




ECOreporter:de: Was können die neuen Mindeststandards für Nachhaltigkeitsinformationen in Geschäfts- bzw. Lageberichten von Unternehmen leisten? Worin liegt in diesem Sinne ihr konkreter Nutzen?

Dr. Axel Hesse: In der Fokussierung auf die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsindikatoren (Sustainable Development Key Performance Indicators – SD-KPIs) für den Geschäftsverlauf, die Lage und die voraussichtliche Entwicklung der Unternehmen.

ECOreporter:de: Wer konkret profitiert von den neuen Standards?

Hesse: In erster Linie die Unternehmen, welche sich aus Sicht Ihrer Hauptzielgruppe Investoren/Analysten im Geschäfts- bzw. Lagebericht gemäß EU-Bilanzrecht bzw. §§ 289; 315 HGB auf die bedeutendsten SD-KPIs konzentrieren können. In zweiter Linie kann der urheberrechtlich geschützte SD-KPI Standard 2010-2014 von Asset Ownern, Asset Managern, Reseachern etc. in Finanzdienstleistungen investierbar umgesetzt werden.

ECOreporter:de: Inwiefern sind die Standards verpflichtend? Werden Unternehmen sanktioniert, die den Standards nicht entsprechen?

Hesse: Das Bundesumweltministerium spricht bei SD-KPIs von einer Mindestberichtsanforderung für Nachhaltigkeit in Lageberichten. Dies sollte auch von den Wirtschaftsprüfern der Geschäfts- und Lageberichte so gesehen werden. Eine Sanktionierung gibt es derzeit noch nicht, aber eine Nicht-Berichterstattung zu SD-KPIs könnte ggf. zu Klagerisiken führen.

ECOreporter:de: Wie werden diese Richtlinien international gehandhabt? Gibt es Unterschiede?

Hesse: Ausgangspunkt war der EU-Kontext. Alle Mitgliedsstaaten haben das entsprechende EU-Bilanzrecht umgesetzt. Aber selbstverständlich gibt es Analogien in anderen Industrieländern. Um auch hier eine Standardwirkung zu erzielen, wurden auch Analysten aus den USA, Kanada und Japan mit in die Untersuchung einbezogen.

ECOreporter: Was sind die Kernunterschiede im Vergleich zu den bisherigen Sustainabillity-Standards?

Hesse: Die deutlich stärkeren Fokussierung auf die nur drei wichtigsten Nachhaltigkeitsfaktoren für die Finanzperformance. Diese sind auf Top-Management-Ebene zu managen.

ECOreporter:de: Die Standards sind für 68 Branchen definiert worden. Inwiefern unterscheiden sich die Standards von Branche zu Branche? Ist Vergleichbarkeit gegeben?

Hesse: Es ist die bislang feinste Branchengliederung für Nachhaltigkeitsindikatoren gemäß dem führenden investierbaren Global Industry Classification Standard (GICS). Die Branchen-spezifische Formulierung des Standards ist ein sehr wichtiger Punkt, gerade weil sich die drei wichtigsten SD-KPIs pro Branche häufig stark unterscheiden. Ein branchenübergreifender Vergleich kann der Zusammenfassung des SD-KPI Standards 2010-2014 entnommen werden, welcher zum kostenlosen Download auf Opens external link in new windowwww.SD-M.de unter „SD-KPIs“ zur Verfügung steht.

ECOreporter:de: Was ist mit der Zuliefererkette, inwiefern ist berücksichtigt, ob diese die Unternehmen ebenfalls der Nachhaltigkeit verpflichtet sind?

Hesse: Rund zehn Prozent aller definierten SD-KPIs beinhalten die wichtigen Sozialstandards und Umweltstandards in der Zuliefererkette.

ECOreporter:de: Werden Sie bei der Neudefinition im Fünf-Jahres-Turnus bleiben?

Hesse: Man kann davon ausgehen, dass die drei wichtigsten Nachhaltigkeitsherausforderungen in den nächsten fünf Jahren überwiegend konstant bleiben werden. Kleinere Anpassungen der SD-KPIs innerhalb der fünf Jahre sind aber grundsätzlich möglich.

ECOreporter:de: Herzlichen Dank für das Interview!

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