Andrew Murphy, Leiter der Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung. / Quelle: Unternehmen

18.03.15 Finanzdienstleister , Fonds / ETF

„Es ist machbar, sein Geld sinnvoll mit einer guten Rendite anzulegen.“ - Interview mit Andrew Murphy, Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung

Wie funktioniert nachhaltige Vermögensverwaltung? Wie sollten Anleger auf das extreme gering Zinsniveau reagieren? Wie wirkt sich der niedrige Ölpreis auf die nachhaltige Geldanlage aus? Welche Branchen sind derzeit besonders aussichtsreich? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt Andrew Murphy, Leiter der Vermögensverwaltung von Murphy&Spitz aus Bonn. 

ECOreporter.de: Sehen Sie eine erhöhte Nachfrage für eine nachhaltige Vermögensverwaltung?

Andrew Murphy:  Eindeutig ja. Wir stellen fest, dass sowohl private als auch institutionelle Anleger neben der erzielbaren Rendite immer mehr auch nach dem „Wie“ und „Wohin“ der Vermögensanlage fragen. Dabei haben sie meist konkrete Vorstellungen, was mit ihrem Vermögen auf keinen Fall geschehen soll. Bei den positiven Anlagekriterien herrscht oft ein eher diffuses Bild. Wir sehen unsere besondere Expertise darin, auf Grundlage unserer 17jährigen Erfahrung im Nachhaltigen Investment Wege aufzuzeigen, wie eine nachhaltige Vermögensverwaltung aussehen kann und gemeinsam mit unseren Mandanten zu definieren, nach welchen Anlagekriterien investiert und in welche Anlageziele das Vermögen fließen darf.

ECOreporter.de: Für welche Kunden ist Ihre nachhaltige Vermögensverwaltung gedacht?

Andrew Murphy:  Mit unserer nachhaltigen Vermögensverwaltung richten wir uns an private und institutionelle Anleger. Privatanlegern steht bereits ab 10.000 Euro eine fondsgebundene Vermögensverwaltung offen. Ab einer Einmalanlagesumme von 50.000 Euro bieten wir individuelle Vermögensverwaltung an unter Einbeziehung aller Anlageinstrumente. Unser Leistungsangebot für institutionelle Mandanten und Stiftungen umfasst die individuell auf die jeweilige Institution angepasste Portfoliostrukturierung und -verwaltung ebenso wie die Konzeption und das Management von Spezialfonds.
Mit unserer Spezialisierung auf nachhaltige Geldanlagen und Anlagestrategien sprechen wir Kunden an, die neben einem klassischen Vermögensverwalter zur Wahrung und Mehrung ihres Vermögens einen Experten suchen, der ihnen einen zusätzlichen Mehrwert bietet - nämlich die Gewissheit, dass ihr Vermögen sinnvoll eingesetzt wird. Gerade bei institutionellen Anlegern wächst das Bewusstsein, dass der bewusste und nachhaltige Einsatz des Vermögens auch positiven Einfluss auf die eigene Glaubwürdigkeit und Reputation hat.

ECOreporter.de: Festgeldanlagen sind weiter sehr beliebt, bringen aber kaum noch Zinsen. Was empfehlen Sie angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus?

Andrew Murphy:  Eine Empfehlung zur Anlage muss man immer von den individuellen Rahmenbedingungen des Anlegers abhängig machen. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass nach den langen Jahren der Vorbehalte und Ängste Aktien bzw. Aktienfonds wieder die Geldanlage der Wahl sind. Hier muss man beim Vermögensaufbau jedoch langfristig denken. Ein Beispiel: ein Anleger, der seit Anfang 2012 in den von uns betreuten Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland investiert ist, hat bis Mitte März 2015 eine Rendite von 52,01 Prozent erzielt. Dies ist natürlich kein Garant für die zukünftige Wertentwicklung. Schwankungen, die im Laufe der Jahre auftreten, können jedoch bei Aktien und Aktienfonds über die Laufzeit ausgeglichen werden. Aus diesem Grund lohnt sich auch ein Sparen in Aktienfonds. Dem Wunsch nach einer stabilen werterhaltenden Anlage mit überschaubarem Risiko kommen wir mit Unternehmensanleihen und festverzinslichen Geldanlagen entgegen. In der überwiegenden Zahl unserer institutionellen Mandate wird eine defensive Ausrichtung gewählt. Private Anleger ziehen meist einen Anteil von 25 bis 50 Prozent Aktien und Aktienfonds hinzu.

ECOreporter.de: Welche Rolle spielen bei Ihrer Vermögensverwaltung offene Investmentfonds? Welche Fondsanbieter kommen in Frage und wonach entscheiden Sie die Auswahl?

Andrew Murphy:  In der fondsgebundenen Vermögensverwaltung bieten wir fünf Anlagestrategien, die sich hinsichtlich des Chancen-Risikoprofils unterscheiden. Unsere Fondsanbieter wählen wir sowohl nach Performance- als auch Nachhaltigkeitskriterien aus. Wir haben hierzu mit unserem Researchteam ein detailliertes Bewertungssystem und Rating für jeden Nachhaltigkeitsfonds entwickelt.

ECOreporter.de: Fonds welcher Anbieter kommen in Frage und wonach entscheiden Sie die Auswahl?

Andrew Murphy:  Grundsätzlich können alle nachhaltigen Fonds geratet werden. Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung präferiert bspw. den Öko-Aktienfonds, den Erste WWF Stock Umwelt aus Österreich und auch den Murphy&Spitz Umweltfonds Deutschland. Wichtig für uns ist aber das Vertrauen in das Fondsmanagement und den Fondsanbieter. Sind bei einem Fondsanbieter in der Vergangenheit unseriöse Geschäfte gelaufen, so schließen wir grundsätzliche Geschäftsverbindungen aus.

ECOreporter.de: Kunden kritisieren bei Vermögensverwaltungen, dass zuweilen Fonds ge- und verkauft werden, damit die Verwaltung an Gebühren verdient. Wie handhaben Sie das? Wie werden Sie für die Vermögensverwaltung entlohnt?

Andrew Murphy:  Murphy&Spitz Nachhaltige Vermögensverwaltung arbeitet honorarbasiert. Wir vermeiden weitestgehend häufige Umschichtungen in den Portfolios und versuchen, die weiteren Kosten wie beispielsweise Ausgabeaufschläge so weit wie möglich zu minimieren. Wir legen Wert auf absolute Fairness und Transparenz. Unsere jährliche Vergütung liegt zwischen 0,6 und 0,9 Prozent des verwalteten Vermögens, in Abhängigkeit von der Anlagestrategie.

ECOreporter.de: Für eine längerfristige Anlage gelten auch Festgeld-Anlagen und Sachwertinvestitionen als wichtige Elemente. Wie fließen diese in die Vermögensverwaltung ein?

Andrew Murphy:  Geschlossene Fonds und Nachrangdarlehen konnten ihren Siegeszug nur aufgrund der Umgehung von gesetzlichen Auflagen antreten. So richtig in ein Konzept zum Vermögensaufbau für Anleger passen diese Anlageformen selten, da sie leider oft unflexibel, starr und intransparent sind. Murphy&Spitz investiert vornehmlich direkt in Unternehmen in Form von Anleihen und Aktien. Ein Großteil unserer Vermögensverwaltungskunden wünscht eine hohe Flexibilität in ihrer Geldanlage. Da sind  Anlagehorizonte von 12 oder 15 Jahren mit nicht handelbaren Vermögenswerten meist ungeeignet. Sicherlich hat jedes Finanzinstitut seine Besonderheiten. Unsere ist, dass wir unseren Anlegern eine hohe Flexibilität anbieten.

ECOreporter.de: Folgen Sie bei der Vermögensverwaltung einer bestimmten Auffassung von nachhaltiger Geldanlage? Was verstehen Sie für Ihre Arbeit darunter?

Andrew Murphy:  Murphy&Spitz steht für ein stringentes Nachhaltigkeitskonzept. Das  Best-In-Class-Prinzip (Link entfernt), nach dem man in jeder Branche in das jeweils nachhaltigste Unternehmen investiert, wenden wir nicht bzw. nur auf expliziten Wunsch unserer Mandanten an. Wir verfolgen klare Ausschlusskriterien wie Atomenergie, Rüstung, Missachtung der Menschenrechte etc. Wir investieren in der Regel nach dem Best-Of-Class-Prinzip ausschließlich in nachhaltige Unternehmen, Branchen, Themen und Körperschaften und im Rahmen der Risikodiversifizierung in neutrale Branchen. So wird eine Lufthansa oder eine BMW - trotz ihrer umfangreichen Bemühungen, nachhaltiger zu werden - in unseren Portfolios niemals zu finden sein. Im Anlagehorizont befinden sich vielmehr Zukunftsbranchen, die einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Umwelt und Gesellschaft leisten, wie die Gesundheitsbranche, Nachhaltige Mobilität, Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Naturkost, ökologisches Bauen und Wasser.

ECOreporter.de: Wie nachhaltig kann aus Ihrer Sicht eine Vermögensverwaltung sein? Inwiefern kann sie wirklich mehr Nachhaltigkeit anstoßen und wo liegen dafür die Grenzen?

Andrew Murphy:  Unser Ansatz ist es immer gewesen, unsere Welt ein wenig besser zu machen. Für uns ist und wird dieser Ansatz immer Antrieb sein. Aus diesen Gründen investieren wir auch gezielt in nachhaltige Branchen. Wir sind nicht der Transformator, der RWE grüner machen will. Wir investieren – so wie unsere Anleger das wünschen – nur in nachhaltige Unternehmen. Als wir Ende der 1990er Jahren angefangen haben, da gab es keine Unternehmen aus nachhaltigen Branchen in Deutschland an der Börse. Schauen Sie sich an, was seitdem schon alles erreicht wurde.  Aus diesen Gründen gehen wir immer auch ein Stück weit in die Diskussion mit unseren Anlegern und unseren Investments. Wir wollen Vermögensverwaltung für jeden zugänglich machen, denn jeder hat das Recht, sein Geld sinnvoll mit einer guten Rendite anzulegen. Und das ist mit unserem Konzept möglich und machbar.

ECOreporter.de: Manche befürchten, dass der starke Verfall des Ölpreises die Rahmenbedingungen für nachhaltiges Investment erschwert und argumentieren, dass es sich deshalb Klimaschutzaktivitäten weniger lohnen. Was sagen Sie dazu?

Andrew Murphy:  Murphy&Spitz schaut sich jedes Jahr zwischen 200 und 300 Projekte und Unternehmen an. Ja, die Erneuerbaren Energien sind ein wichtiger Teil des nachhaltigen Investments, aber nicht die Mehrheit der Investitionen. Nachhaltigkeit hat viele Facetten und es gibt nachhaltige Anlagemöglichkeiten fernab von Sonne, Wind und Wasser. Gesundheit, ökologisches Bauen und Naturkost sind Beispiele für boomende Branchen, die sich den Schwankungen der Erneuerbaren entziehen. Das Portfolio eines nachhaltigen Vermögensverwaltungsmandates bei Murphy&Spitz baut auf ökologisches Bauen, Wind & Sonne, Gesundheit, nachwachsende Rohstoffe wie Wald, aber auch auf Pellets oder Energieeffizienz auf. Risikominimierung erreicht mach durch eine breite Streuung, das ist ein wesentlicher Vorteil einer Vermögensverwaltung.

ECOreporter.de: Herr Murphy, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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