Ein Arzt im Gespräch mit einer Patientin. Zahlreiche Mediziner setzen auf Medikamente von Nobartis. Und viele nachhaltige Fonds investieren in Aktien des Unternehmens / Foto: Unternehmen

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Ethisch fragwürdige Pharma-Aktien in Nachhaltigkeitsfonds zum Beispiel von der Postbank, SEB, Candriam und anderen

Gesundheit scheint als Geldanlagethema geradezu prädestiniert zu sein für Nachhaltigkeitsfonds. Doch die öffentliche Kritik am Geschäftsgebaren führender Pharmakonzerne wie Novartis oder Roche zeigt die dunkle Seite dieser Branche. Nachhaltigkeitsfonds setzen dennoch weiter stark auf Aktien dieser Unternehmen, die ethisch und ökologisch fragwürdig agieren.

Betrug, Fälschung, unlauterer Wettbewerb: Der schweizerische Pharmariese Novartis sieht sich aktuell mit schweren Vorwürfen von Nichtregierungsorganisationen, Medien und Verbänden konfrontiert. Mitte Juni 2014 akzeptierte eine Reihe von Medikamentenproduzenten eine EU-Strafe im Umfang von 427 Millionen Euro, weil es diverse Abmachungen gab, um die Marktposition des Blutdruck senkenden Mittels Perindopril zu schützen. Novartis war über seine Tochterfirma Sandoz in den Fall verwickelt. Vergleichbare Strafen oder Klagen, in denen es mal um deutlich höhere und mal um deutlich niedrigere Millionenbeträge ging, haben in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Sei es im Zusammenhang mit Schweinegrippe-Medikamenten oder wegen des fragwürdigen Umgangs mit Medikamentenstudien, um so den Absatz eigener Produkte zu verbessern. Im April 2014 schasste Novartis deshalb Top-Manager einer Japan-Tochter, die im Zusammenhang mit einer extern untersuchten Leukämie-Studie Beweise vernichtet und sich Patientendaten verschafft haben sollen. Außerdem werfen italienische Behörden Novartis laut eines Berichts des Wall Street Journal von Juli 2014 Marktmanipulation und Betrug im Zusammenhang mit Schweinegrippe-Medikamenten vor. Das zeigt die Datenbank des Züricher Informationsdienstleisters RepRisk, der auf die Analyse von Reputationsrisiken von Unternehmen spezialisiert ist. In dieser Datenbank wird die weltweite Kritik von Verbänden, Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und Medien gesammelt, um von den Analysten des Hauses für einen speziellen Index – den RepRisk-Index RRI ausgewertet zu werden. Einige aktuelle Fälle, die die RepRisk-Datenbank über die Novartis AG führt, zeigen direkte Überschneidungen zu Machenschaften des ebenfalls schweizerischen Pharmariesen Roche AG. Dieses Unternehmen steht schon seit Jahren immer wieder in der Kritik von Menschenrechtlern und Umweltschützern und erhielt dafür bereits 2010 den Schmähpreis Public Eye Award. Fraglos hat Roche seine Nachhaltigkeitsleistung seither verbessert. Dennoch wird dem schweizerischen Pharmariesen immer wieder vorgeworfen, ähnlich unethisch am Markt zu agieren wie die Novartis AG.

Erdöl- und Pharmaaktien - „grüne“ Fonds mit erstaunlichem Portfolio

Für zahlreiche Nachhaltigkeitsfonds sind die Aktien beider Konzerne dennoch weiter ein wichtiger Bestandteil des jeweiligen Portfolios. Legt man die neuesten verfügbaren Fondsinformationen zu Grunde (Stand Juli 2014), gibt es nach wie vor viele nachhaltige Aktienfonds, in denen die beiden Aktien zu den größten Positionen gehören. Dazu zählt beispielsweise die Fonds Aberdeen Global - Responsible World Equity und der Postbank Dynamik Vision. Was den Fonds Postbank Dynamik Vision aus der Sicht vieler nachhaltig orientierter Anleger zusätzlich disqualifizieren dürfte: Unter den am stärksten gewichteten Aktien im Fondsportfolio findet sich auch der Ölkonzern Shell. Ein weiterer Fonds, der neben Novartis-Aktien auch stark auf Ölwerte setzt ist der SEB Ethical Europe Fund. In diesem Fall geht es um Aktien des französischen Erdölriesen Total. Ein Nachhaltigkeitsfonds der gleich mehrere ethisch-ökologisch problematische Unternehmen zu den wichtigsten im Portfolio zählt, ist der Candriam Sustainable Europe. Neben den Aktien von Roche und Novartis hält der Fonds laut dem offiziellen Faktenblatt für Juli 2014 auch Anteile des Lebensmittelherstellers Unilever, der wegen der massiven Umweltschäden im Zusammenhang mit Palmöl kritisiert wird. Und mit ENI aus Italien und Statoil aus Norwegen standen im Juli gleich zwei Ölaktien unter den zehn größten Beteiligungen des Fonds.
Bild: Eine Petrochemische Fabrk von Shell. / Foto: Unternehmen
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