Solarthermische Dachanlage: in der EU und in Deutschland wird noch immer zu wenig regenerative Energie für das Heizen genutzt. / Quelle: BSW Solar

23.06.15 Erneuerbare Energie

EU beim Ausbau erneuerbarer Energie auf Kurs?

Die EU-Kommission sieht Deutschland und die EU beim Ausbau der erneuerbaren Energien auf einem „gutem Weg“. Die Bundesrepublik, eine große Mehrheit der EU-Staaten sowie die EU insgesamt seien „auf Kurs, ihre Ziele zum Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2020 zu erreichen“, heißt es in einem offiziellen Fortschrittsbericht der Kommission. Demnach erwartet die Kommission, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch EU-weit in 2014 15,3 Prozent erreicht hat. Bis 2020 soll er auf 20 Prozent ansteigen.  

Miguel Arias Cañete, EU-Kommissar für Klimapolitik und Energie, erläutert: "Der Bericht zeigt erneut, dass Europa bei den erneuerbaren Energien gut abschneidet und dass erneuerbare Energien gut für Europa sind. Die Pro-Kopf-Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen ist in Europa dreimal so hoch wie in der restlichen Welt. Bei uns arbeiten mehr als eine Million Menschen in der Erneuerbare-Energien-Branche, in der ein Umsatz von über 130 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaftet wird. Wir exportieren jährlich erneuerbare Energien im Wert von 35 Milliarden Euro.“

26 Mitgliedstaaten der EU haben laut dem Fortschrittsbericht der Kommission ihre Ziele für 2011/2012 erreicht und voraussichtlich würden 25 Mitgliedstaaten die Erneuerbare-Energien-Ziele für 2013/2014 schaffen. Problemfälle sind demnach Luxemburg, die Niederlande und Großbritannien, die ihren Vorgaben leicht hinterher hinken. Für Deutschland sieht die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU für das Jahr 2013/2014 einen Anteil von 9,5 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen am Bruttoendenergieverbrauch vor. Mit prognostizierten 12,4 Prozent liege Deutschland klar darüber und könne das nationale Ziel von 18 Prozent bis 2020 erreichen, so der Report.

Ein weitaus pessimistischeres Bild zeichnen dagegen Keep on Track!, ein von der Europäischen Kommission finanziertes Marktforschungsprojekt. Demnach dürfte Deutschland das Ausbauziel bei den regenerativen Energien für 2020 deutlich verfehlen und deren Anteil am Endenergieverbrauch lediglich auf 17,3 Prozent steigern. Der Beitrag der erneuerbaren Energien werde sich im deutschen Stromsektor zwar weiterhin stark entwickeln. Diese Zuwächse könnten jedoch nicht das zu schwache Wachstum im Wärme- und Mobilitätssektor ausgleichen. „Eine weitere Begrenzung der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien würde deswegen zu einer noch größeren Verletzung unserer internationalen Verpflichtungen führen. Deutschland erreicht dann weder die 18 Prozent Erneuerbaren-Anteil noch die Reduktion der Klimagase um 40 Prozent im Vergleich zu 1990“, sagt dazu Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE).

Die Berechnungen von Keep on Track! fallen auch für Gesamteuropa weniger zuversichtlich aus als die Prognosen der EU-Kommission. Demnach wird die EU als Ganzes den Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch bis 2020 nur auf höchstens 18,4 Prozent erhöhen anstelle der angestrebten 20 Prozent.
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