Fertigung von Solarmodulen bei Centrosolar. das Unternehmen leidet wie alle Hersteller darunter, dass die Nachfrage im Weltmarkt deutlich höher ist als das Angebot. Dafür machen viele die chinesischen Hersteller verantwortlich, die mit staatlicher Unterstützung ihre Produktion massiv ausgebaut haben. / Quelle: Unternehmen

19.06.13 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Experten beleuchten Trends im weltweiten Solarmarkt

Am heutigen 19. Juni beginnt in der Messe München die Intersolar Europe, die weltweit größte Fachmesse für die Solarwirtschaft. Aus diesem Anlass haben etliche Experten die Marktaussichten für Solarunternehmen untersucht.

So geht die US-amerikanischen Unternehmensberatung Mercom Capital Group davon aus, dass der weltweiten Photovoltaik-Markt in 2013 um 23 wachsen und ein Volumen von 38 Gigawatt (GW) erreichen wird. Davon sollen auf Deutschland, die einstige Lokomotive des Weltmarktes, nur noch 4,2 GW entfallen. In den Jahren zuvor waren in der Bundesrepublik jeweils über sieben GW Solarstromkapazität neu ans Netz gebracht worden. Laut Mercom Capital dürften die starken Kürzungen der festen Einspeisetarife für Solarstrom den Ausbau in diesem Jahr deutlich bremsen.

Auch in Italien wird nach Einschätzung der US-Marktforscher der Solarboom der letzten Jahre nicht anhalten. Diesem Solarmarkt trauen sie aufgrund des im Sommer auslaufenden  Förderprogramms Conto Energia V für 2013 nur noch einen Zubau von zwei GW zu. Damit würde sich das sonnenverwöhnte Land laut Mercom Capital auf dem Niveau des weitaus kühleren Großbritannien bewegen. Hier steige die Nachfrage für Solarprodukte aufgrund des starken Zubaus von Großkraftwerken und drittfinanzierter privater und gewerblicher Solarstromanlagen weiter an.

In Großbritannien erhalten solare Großkraftwerke keine staatliche Einspeisevergütung. Aber Energieversorger sowie energieintensive Unternehmen benötigen nach Regierungsvorgaben einen bestimmten Anteil an regenerativen Strom und damit sogenannte „Renewable Obligation Certificates“ (ROCs). Solche „grüne Zertifikate“ erlangen sie zum Beispiel mit Solarparks. Für jede Megawattstunde Erneuerbare Energie erhalten Solaranlagenbetreiber zwei ROCs, die sie ebenso wie den erzeugten Sonnenstrom über Stromabnahmeverträge, „Power Purchase Agreements“ (PPAs), zu einem festgelegten Preis an den lokalen Energieversorger verkaufen können.

Mercom Capital rechnet damit, dass in diesem Jahr vor allem Asien das weltweite Wachstum des Photovoltaikmarktes tragen wird. So werde der Zubau in Japan dank der weiter attraktiven festen Einspeisetarife für Solarstrom in 2012 voraussichtlich mindestens sieben GW betragen. In China befördern die Zentralregierung in Peking und lokale Behörden die einheimische Nachfrage für Photovoltaikprodukte, damit die Solarhersteller des Landes ihre Produktionskapazitäten besser auslasten können. Die US-Marktforscher trauen dem Land zu, mit einem Zubau von weit über acht GW zum wachstumsstärksten Solarmarkt dieses Jahres zu werden. Dies trotz bürokratischer Hindernisse und starken Engpässen beim Netzanschluss, da der Ausbau der Netzkapazitäten in dem riesigen Land kaum mithalten kann mit dem Ausbau der Solarstromleistung.

Ein anhaltend hohes Wachstum trauen die Experten von Mercom Capital dem Solarmarkt der Vereinigten Staaten zu. Ihm sagen sie für 2013 ein Plus von 4,5 GW voraus. Damit bestätigen sie im Wesentlichen die Prognose der US-Solarverbandes SEIA, über die ECOreporter.de gestern berichtet hat.
Eindringlich warnt Mercom Capital vor einem Handelsstreit zwischen China und Europa. Die EU hat kürzlich Strafzölle auf chinesische Solartechnik eingeführt, weil die EU-Kommission ihnen unfaire Wettbewerbsvorteile infolge staatlicher Unterstützung vorhält (per Mausklick gelangen Sie zu einem Bericht darüber). China hat gedroht, mit eigenen Strafzöllen zu reagieren, was etwa deutsche Solarzulieferer treffen könnte.

Das Marktforschungsinstitut IHS aus Englewood aus dem US-Bundesstaat Colorado geht davon aus, dass bereits die eingeführten moderaten Antidumpingzölle der EU das Wachstum der Photovoltaik in Europa bremsen werden. Der Zubau werde sich nach 17,7 GW in 2012 in diesem Jahr wohl nur noch auf 11,6 GW belaufen. Etwa ein Fünftel dieses Rückgangs sei dann eine Folge der Strafzölle. Der Zubau in Deutschland wird nach Einschätzung von IHS um drei GW auf rund vier GW geringer ausfallen als noch im Vorjahr.

Weltweit sagen die Experten von IHS ein Wachstum des Solarmarktes um elf Prozent auf 35 GW voraus, sind also skeptischer als Mercom Capital. Davon sollen allein 15 GW auf Asien entfallen, mit China und Japan an der Spitze. Die USA auf Platz 3 beim Zubau in 2013 verdrängen laut IHS die einstmals führenden Märkte aus Europa auf die Plätze.

Milan Nitzschke vertritt mit EU ProSun die Hersteller-Initiative, auf deren Initiative hin die EU Strafzölle auf Solartechnik aus Europa eingeführt hat. Er widerspricht der Annahme, dass diese Maßnahme zu einem wesentlich schwächen Ausbau der europäischen Photovoltaikleistung führen wird. Es würden lediglich weniger Solarkomponenten aus chinesischer Produktion verbaut und dafür mehr aus westlicher Produktion. Nitzschke hält den chinesischen Solarherstellern vor, mit Dumpingpreisen zu arbeiten. Mit Dumping aber erreiche man kein Marktwachstum. Der Vertreter von EU ProSun verweist auf das Beispiel der USA, die bereits in 2012 Antidumpingzölle auf Solartechnik aus China eingeführt haben. Dort setze sich der Solarboom dennoch fort und gewinne sogar noch an Dynamik.

„Diese Zölle werden den deutschen Modulproduzenten nichts nutzen, denn die Zölle werden zu einem deutlichen Marktrückgang führen“, meint dagegen Dr. Karl Kuhlmann, der Vorstandsvorsitzende der Freiburger S.A.G. Solarstrom AG. Denn die Zölle würden zu steigenden Modulpreisen führen und damit die Nachfrage dämpfen. Sein auf die Entwicklung von Solarprojekten spezialisiertes Unternehmen halte bereits Ausschau nach Möglichkeiten, in China Solartechnik einzukaufen.

Ein weiterer Mausklick führt Sie zu einem Audio-Interview mit ECOreporter.de-Chefredakteur Jörg Weber, in dem er Trends und Entwicklungen im Solarmarkt analysiert.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x