24.10.11 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Experten sehen Umsatzeinbrüche für Solarausrüster voraus - Solarhersteller im Clinch



Die Untersuchung wurde von dem US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen Solarbuzz veröffentlicht wurde.  Demnach investierten die Solarhersteller in 2011 eine Rekordsumme von über 13 Milliarden Euro in ihre Fertigung. Aufgrund der aufgebauten Überkapazitäten im Markt werde dieses Investitionsvolumen in 2012 um 45 Prozent niedriger liegen, so Solarbuzz. Das wiederum habe einen Umsatzeinbruch bei den Solarausrüstern zufolge, der 30 bis 70 Prozent erreichen werde. Auch für 2013 sei ein Rückgang zu erwarten.

Gegen diesen Negativtrend können sich laut der Untersuchung nur Solarausrüster stemmen, die langfristige Lieferverträge abgeschlossen haben. Dies sofern diese nicht mit Herstellern abgeschlossen wurde, die der aktuellen Marktbereinigung zum Opfer fallen. Die Serie mit Konkursen von Solarherstellern wie etwa Evergreen Solar aus den USA werde sich fortsetzen.

Unterdessen liegen bei einigen westlichen Herstellern offenbar bereits die Nerven blank. Denn in den USA hat eine Vereinigung von ihnen beim US-Handelsministerium und bei der Internationalen Handelskommission eine Klage gegen chinesische Solarhersteller eingereicht. Ihnen wirft diese Coalition for American Solar Manufacturing unlautere Wettbewerbspraktiken vor. Sie würden mit Dumping-Angebote ihre Solarkomponenten in den Markt drücken und dabei von massiver staatlicher Unterstützung in China profitieren. Diese Klage gegen unlautere Handelspraktiken ist eines der bisher größten Verfahren gegen China in den USA und einmalig im Bereich der Erneuerbaren Energien weltweit.

Die US- Tochter der SolarWorld AG aus Bonn, SolarWorld Industries America Inc., zählt zu den größten Solarherstellern in den Vereinigten Staaten und zu den Initiatoren dieser Vereinigung.  Ihr Chef Gordon Brinser verteidigt die Klage: „China hat keine realen Kostenvorteile - auch nicht durch sehr niedrige Löhne. Bei einem Hightech-Produkt wie Solarstrommodulen und Solarzellen ist der Anteil der Arbeitskosten nur gering, bei uns etwa liegt er bei unter zehn Prozent.“ Vermeintliche Lohnkostenvorteile Chinas würden daher durch höhere Overhead- und Transportkosten wieder kompensiert. „Wenn chinesische Wettbewerber dennoch zu Dumpingpreisen anbieten, so liegt dies allein an der massiven Subventionierung durch chinesische Staatsbanken und die chinesische Regierung“, so der Präsident von SolarWorld Industries America.

Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG ergänzt: „Mit unseren deutschen und unseren amerikanischen Fabriken sind wir international voll wettbewerbsfähig - hier haben wir es aber mit unlauterem Wettbewerb zu tun, und dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen.“  Die chinesische Regierung und ihre staatlich gelenkten Behörden hätten mit einer Vielzahl von Vergünstigungen ihre Solarindustrie in die Lage versetzt, über ihre eigene Leistungsfähigkeit hinaus Preissenkungen vorzunehmen und den Export chinesischer Solarprodukte massiv auszubauen. Dabei sei es zudem in vielen dokumentierten Fällen zur Verletzung von Sozial-, Qualitäts- und Umweltstandards gekommen, wie sie an Produktionsstätten in den USA oder in Deutschland gelten.

Bildhinweis: Frank Asbeck. / Quelle : SolarWorld AG


China müsse sich auch in der Solarbranche an die Regeln des fairen Wettbewerbs halten, stellte dazu Rhone Resch fest, Präsident und CEO des US-amerikanischen Solarverbandes SEIA (Solar Energy Industries Association). Dem gehören aber US-amerikanische Solarprojektierer ebenfalls an, die sich von der Initiative gegen chinesische Solarhersteller wenig begeistert zeigen.
Arno Harris leitet den kalifornischen Projektierer Recurrent Energy, eine Tochter der ebenfalls Solarkomponenten produzierenden Sharp Corp. aus Japan. Nach seiner Einschätzung wollen die westlichen Solarhersteller mit dieser Initiative nur ihre eigenen Interessen schützen. Dagegen sei es für die Solarprojektierer von Vorteil, sich bei chinesischen Herstellern mit kostengünstigen Solarmodulen eindecken zu können. Das lasse auch Solarstrom insgesamt billiger und damit wettbewerbsfähiger werden, wovon letztlich auch der Klimaschutz profitiere.

SEIA-Chef Resch lehnt es ab, Partei zu ergreifen. Er verweist darauf, dass etwa die Solarbranche der USA im vergangenen Jahr mehr Solarprodukte exportiert als importiert hat. Während US-Kunden für 2,4 Milliarden Dollar Solarmodule aus chinesischer Fertigung eingekauft hätten, sei etwa in den USA hergestelltes Silizium im Wert von 5,6 Milliarden Dollar exportiert worden. Und von diesem exportierten wichtigsten Rohstoff für Solarprodukt hätten wiederum chinesische Kunden den größten Anteil erworben.

Angelo Zino ist Solar-Analyst bei Standard&Poor's Equity Research. Nach seiner Einschätzung wird die Luft für die westlichen Solarhersteller immer dünner. Weltweit werde die Produktion von Solarkomonenten im laufenden Jahr voraussichtlich um 70 Prozent höher ausfallen als im Vorjahr. Sie liege damit weit über dem erwarteteten Nachfrageanstieg um 20 Prozent. Eine Marktbereinigung sei da unausweichlich. Sie werde im kommenden jahr erst ihre ganze Kraft entfalten. Laut Zino werden Solarhersteller aus China dabei noch stärker an der Preisschraube drehen. Sie hätten keine Scheu davor, kurzfristig auf Profite zu verzichten, solange sie mit preisgünstigen Produkten einen größeren Marktanteil erobern und Wettbewerber vom Markt verdrängen können.
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