Dii konzentriert sich derzeit vor allem auf Nordafrika. Dort sollen neben Photovoltaikanlagen und Windrädern auch Parabolrinnenkraftwerke - sogenannte solarthermische Großkraftwerke oder auch CSP-Anlagen - entstehen. Im Bild: Das Kraftwerk Andasol I in Spanien. / Quelle: Schott Solar

  Erneuerbare Energie

Fällt die Wüstenstrom-Initiative Dii auseinander?

Das Industriekonsortium Dii zeigt Auflösungserscheinungen. Der Essener Energieriese E.on und der Baukonzern Bilfinger Berger kündigten nun an, ihre in diesem Jahr auslaufenden Gesellschafterverträge nicht mehr zu verlängern. Das bestätigten Sprecher beider Unternehmen gegenüber Medienvertretern.

Tatsächlich laufen einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge 20 Gesellschafterverträge aus, wobei einige wichtige Dii-Mitglieder wie die UniCredit Bank wohl noch nicht entschieden haben, ob sie ihr Engagement fortführen. Ein Sprecher von Bilfinger & Berger monierte, dass die Initiative kaum noch konkrete Projekte umsetze. Stattdessen habe sie sich zu einer verbandsähnlichen Organisation verwandelt.


Das Konsortium war 2009 ursprünglich zusammen mit der Desertec-Stiftung gestartet, um bis 2050 rund 15 Prozent von Europas Strombedarf aus Erneuerbare-Energie-Kraftwerken in Afrika zu decken.  Allerdings geriet dieses Ziel in immer weitere Ferne, da auch die Umsetzung von Etappenzielen wie etwa 50.000 Megawatt Grünstromanlagen in Nordafrika bis 2020 aufgrund von Verzögerungen immer weniger realistisch erschienen. Im Sommer 2013 war schließlich ein interner Machtkampf eskaliert, der zum Bruch zwischen der Stiftung und dem Konsortium führte (ECOreporter.de  berichtete). Zudem ging die Krise in der Solarbranche nicht spurlos an Dii vorbei. Mit Bosch, Siemens und der HSH Nordbank kehrten bereits zum Jahreswechsel 2012/ 2013 drei namhafte Gesellschafter dem Konsortium Dii den Rücken. Siemens und Bosch verabschiedeten sich damals zugleich komplett aus dem Solargeschäft.

Bildnachweis: Dii setzt große Hoffnungen in solarthermische Großkraftwerke, wie dieses von Schott Solar in der Wüste von Nevada. / Quelle: Unternehmen


RWE, Münchner Rück und andere wollen weitermachen


Das Ende von Dii scheint dennoch ausgeschlossen – zumindest bislang. Andere wichtige Dii-Mitglieder wie RWE, die Deutsche Bank oder der Versicherer Münchner Rück kündigten an, ihr Engagement fortzuführen. Auch der DII-Chef Paul van Son erklärte, die Mehrzahl der verbliebenen Gesellschafter habe erklärt, die Mitgliedschaft fortführen zu wollen. Dii sei im Laufe der Zeit internationaler geworden. Für Aufsehen hatte in diesem Zusammenhang auch der Einstieg des größten chinesischen Stromnetzbetreibers State Grid Corporation of China (SGCC) bei Dii gesorgt, der zum Jahreswechsel 2013/2014 zu der Initiative stieß (mehr dazu lesen Sie  hier). Kritiker der Austritte befürchten, dass Europas Industrie mit der sich abzeichnenden Entwicklung die Einfluss- und Zugriffsmöglichkeiten auf das Wüstenstromprojekt verlieren könnte.
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