27.06.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Fair Trade? – ECOreporter.de-Interview mit Rapunzel-Chef Joseph Wilhelm zum Rückkauf-Angebot für die Rapunzel-Aktien

Der Naturkosthersteller Rapunzel AG bietet seinen Aktionären den Rückkauf von Aktien an. Das Unternehmen plant in Kürze die Umwandlung in eine GmbH. ECOreporter.de sprach mit Vorstand Joseph Wilhelm unter anderem über den Vorwurf, die freien Aktionäre würden unter Preis aus dem Unternehmen gedrängt.

ECOreporter.de: Herr Wilhelm, Ihr Unternehmen hat ein Kaufangebot an die freien Aktionäre der Rapunzel Naturkost AG unterbreitet. Der Kaufpreis liegt deutlich unter den zuletzt in außerbörslichen Handel erzielten Kursen. Der Börsenbrief Öko-Invest hält sogar einen Preis von 26 Euro je Aktie für angemessen, 140 Prozent mehr als Sie anbieten (Lesen Sie dazu unsere Meldung vom 4. Juni). Wie begründen Sie Ihr Angebot?
Joseph Wilhelm: Das Rückkaufangebot der AG lag bei 10,65 Euro Dieser Preis ist angemessen und entspricht der Marktlage. Einzelne Transaktionen von wenigen Stück zu 12 oder 13 Euro spiegeln nicht die tatsächliche Marktlage. Die Einschätzung von Öko-Invest kann ich nicht nachvollziehen. Wenn dies Realität wäre, hätten nicht so viele Aktionäre die Möglichkeit des Rückkaufangebots der AG genutzt.


ECOreporter.de: Ohne das Kapital der freien Aktionäre wäre es für Ihr Unternehmen vermutlich viel schwerer gewesen, seine heutige Marktposition zu erreichen. Zudem haben die Aktionäre in schwierigen Zeiten das Risiko des Unternehmens mitgetragen. Ist es da nicht unfair, die langjährigen Mitgesellschafter auszubooten?
Wilhelm: Der Anteil der freien Aktionäre liegt bei zirka zwölf Prozent am Eigenkapital, zum Gesamtkapitalbedarf steuern die freien Aktionäre zirka vier Prozent bei. Dies war zu keiner Zeit wesentlich anders. Ein Risiko für die freien Aktionäre war zu keinem Zeitpunkt gegeben.

Wir "booten die freien Aktionäre nicht aus", sondern bieten mit dem aktuellen Rückkaufpreis eine Wertsteigerung von 132 Prozent über die gesamt Zeit, denn viele sind ja seit langem dabei. Dies entspricht einer Verzinsung von durchschnittlich 7,7 Prozent ohne Dividende. Dies sind korrekte Werte, die mit wenigen anderen Werten erzielt werden können. Zumindest nicht mit Biolebensmitteln.


ECOreporter.de: An der Börse gibt es zahlreiche eigentümergeführte mittelständische Unternehmen. Oft liegt die Leitung traditionell in der Hand der Gründerfamilien. Was spricht dagegen, ein solches Modell für die Rapunzel Naturkost umzusetzen?
Wilhelm: Vor allem im nachhinein sind wir froh, dass wir rechtzeitig die Risiken eines Börsengangs erkannt haben und dass wir uns frühzeitig öffentlich dagegen ausgesprochen haben. Es gibt wesentlich mehr Negativbeispiele wo ähnlich kleine Firmen wie wir an einem going public gescheitert sind, u.a. wegen des nicht zu unterschätzenden Aufwandes seitens des Managements, ebenso wegen der finanziellen "Nebenwirkungen". Ein "basic"-Fall zeigt nochmals die Unwägbarkeiten dieser Rechtsform in dramatischer Form.

Der eingeschlagene Weg in die Rechtsformänderung ist nachhaltig sinnvoll und wird konsequent zu Ende gegangen.

Wir bedanken uns bei allen Aktionären, die uns begleitet haben.

ECOreporter.de: Herr Wilhelm, wir bedanken uns für das Gespräch!



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