09.11.07

Feinkost oder Investment mit unkalkulierbaren Nebenwirkungen? – Das S-Box Bionahrung Index Zertifikat

Die Nachfrage für Biolebensmittel steigt, weltweit. Immer mehr Konsumenten interessieren sich für Speisen und Getränke, die auf nachhaltige und umweltfreundliche Weise erzeugt werden. In Deutschland interessieren sich laut einer Umfrage zwei von drei Bundesbürgern für Bio-Lebensmittel, auch wenn der Marktanteil der Branche trotz starker Zuwachsraten in den letzten Jahren noch im einstelligen Bereich liegt. Auch in den USA ist das Potential groß. Wie der Branchenverband Organic Trade Association (OTA) mitteilte, hat sich dort der Umsatz in diesem Segment in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Von diesem Boom der Branche können Anleger zum Beispiel profitieren, in dem sie in Aktien von Biolebensmittelhändlern wie der US-amerikanischen Whole Foods Markets setzen. Das Unternehmen aus dem texanischen Austin ist die größte Bio-Supermarktkette in den Vereinigten Staaten. Es hatte von 2002 bis 2006 Umsatz die Investoren mit einem durchschnittlichen Wachstum von 20 Prozent verwöhnt. Der Aktienkurs war in diesem Zeitraum um den Faktor Vier gestiegen. Allerdings hatte die Biolebensmittelkette die Aktionäre im November letzten Jahres mit einer vergleichsweise niedrigen Prognose für 2007 geschockt, worauf der Aktienkurs bis zum Sommer um über 50 Prozent einbrach. Trotz zwischenzeitlicher Erholung liegt der Anteilsschein auf Jahressicht noch immer über 13 Prozent im Minus. Wer als Anleger solche Rückschläge abmildern und das Investmentrisiko streuen möchte, kann zum Beispiel das S-Box Bionahrung Index Zertifikat erwerben. Es ist im Oktober 2006 von der Deutsche Bank AG emittiert worden, seine Laufzeit ist unbegrenzt. Bei einem aktuellen Geldkurs von 66,37 Euro und einem Briefkurs von 67,03 Euro kann über die Börsen in Frankfurt und in Stuttgart erworben werden. Der Spread beträgt 0,98 Prozent.

Es handelt sich bei diesem Angebot um ein Index-Zertifikat. Die Stuttgarter Börse hat den zu Grunde liegenden S-Box Organic Food Performance-Index installiert. In diesem sind aktuell sieben Werte von Unternehmen aus der Biolebensmittelbranche enthalten. Wie Mathias Schölzel von X-Markets, der für Zertifikate zuständigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bank gegenüber ECOreporter.de erläuterte, wird der Index halbjährlich aktualisiert. Eine Nachhaltigkeitsanalyse finde nicht statt. Von den Unternehmen werde für den Index lediglich verlangt, dass sie Biolebensmittel herstellen, bearbeiten, vermarkten oder damit handeln und eine Marktkapitalisierung von mindestens 250 Millionen US-Dollar aufweisen. Ferner müssen sie aus einem der Länder stammen, die in den Emissionsunterlagen in einer umfangreichen Liste aufgeführt worden sind. Dazu zählen neben den EU-Staaten, Kanada und der USA sowie aus Asien Japan mit Hong Kong auch eine Region Chinas. Referenzwährung für die internationale Titelauswahl ist der US-Dollar. Anleger tragen das Währungsrisiko bei der Umwandlung in Euro.

Über das S-Box Bionahrung Index Zertifikat werden die Anleger im Bezugsverhältnis 1:1 an der Wertentwicklung des zu Grunde liegenden Indexes beteiligt. Abgezogen wird dabei monatlich eine Managementgebühr von 0,125 Prozent. Pro Jahr summiert sich dies auf 1,5 Prozent, die die Emittentin für das simple Konstrukt einstreicht. Dafür werden die von den Unternehmen im Index ausgeschütteten Nettodividenden reinvestiert. Die Perfomance des Wertpapiers kann bislang nicht überzeugen. Auf Jahressicht liegt es über 13 Prozent im Minus. Zwar notierte es bis zum April über dem Ausgabepreis, doch dann folgte ein mehrmonatiges Tief. Nach einer Phase deutlicher Erholung brachten dann die letzten beiden Wochen über 10 Prozent Verlust. Diese Schwankungsanfälligkeit fällt umso mehr ins Gewicht, als es keinen Kapitalschutz für den Anleger gibt.

Nach zwei Aktualisierungen ist erst eines der sieben Unternehmen im S-Box Organic Food Performance-Index ausgetauscht worden. Der Getränkehersteller Hansen Natural hat Wild Oats Markets ersetzt. Der Biolebensmittelhändler wurde von Whole Foods Markets übernommen. Neben dieser und Hansen sind weitere US-Titel im Index enthalten: Dean Foods, Hain Celestial Group und United Natural Foods. Auch die kanadische Naturlebensmittelhersteller Sunopta ist auf den nordamerikanischen Markt ausgerichtet. Mit der niederländischen Wessanen kommt nu rein Unternehmen im Index aus Europa. Angesichts der von vielen Experten geäußerten Sorge, die Immobilienkrise könne insbesondere in den USA das Konsumklima belasten, ist diese Unausgewogenheit kein kleines Manko der Titelauswahl. Zumal die Gewichtung der Aktien sehr verschieden ist. Whole Foods Markets ist ebenso wie Hansen zu 25 Prozent gewichtet, so dass diese beiden Werte allein die Hälfte der Indexperformance tragen. Der Lebensmittelhersteller Dean Foods, der im Oktober seine Prognose für das Geschäftsjahr nach unten schrauben musste, ist mit knapp 22 Prozent gewichtet. Die übrigen vier Unternehmen tragen jeweils nur 5 bis 8 Prozent zum Index bei.

Fazit:
ECOreporter.de rät vom Einstieg in das S-Box Bionahrung Index Zertifikat ab. Das Investment birgt für ein Zertifikat zu viele Risiken, die der Anleger voll tragen muss. Diese reichen vom Währungsrisiko bis zur kleinen Titelauswahl, die zudem regional noch sehr einseitig ist. Dabei ist die Biolebensmittelbranche an sich durchaus vielversprechend und auch aus Nachhaltigkeitssicht eine Anlage in diesem Bereich sinnvoll. Sicherheitsbewusste Anleger sollten sich jedoch nach anderen Investmentmöglichkeiten umschauen.


S-Box Bionahrung Index Zertifikat
WKN: DB6GQB
ISIN: DE000DB6GQB1
Laufzeit: unbegrenzt
Börsennotiz: Stuttgart, Frankfurt

Bildhinweis: Firmenschild von Whole Foods Market in New York / Quelle: ECOreporter.de; Biolebensmittel von Wessanen, das S-Box Bionahrung Index Zertifikat setzt unter anderem auf die Aktie der Niederländer. / Quelle: Unternehmen
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