31.08.05 Anleihen / AIF

Feste, attraktive Zinsen mit Erneuerbarer Energie und Mikrofinanzierung - wo sind die Risiken? Der ECOreporter.de-Überblick über Anleihen nachhaltiger Unternehmen

Zwischen fünf und acht Prozent liegen die Renditen der meisten nachhaltigen oder ethisch-ökologischen Unternehmensanleihen, die nicht öffentlich gehandelt werden. Besonders Firmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien nutzen Anleihen für ihre Finanzierung. Die Zinssätze liegen zwar deutlich über denen festverzinslicher Wertpapiere des Staates, aber Investoren gehen ein höheres Risiko ein. Welche Angebote sind empfehlenswert?


1. Energiekontor AG

Der börsennotierte Bremer Windprojektierer Energiekontor AG hat eine Anleihe zum fünfzehnjährigen Firmenjubiläum emittiert. Die Laufzeit des Wertpapiers beträgt vier Jahre; die Verzinsung liegt bei sieben Prozent jährlich. Zwei Millionen Euro habe die Bremer aus der Emission erlöst, mit dem Geld sollen neue Projekte vorfinanziert werden. Die Stückelung der Energiekontor-Anleihe war 1000 Euro, die Mindestzeichnungssumme lag bei 3000 Euro. Die Papiere werden über die Girosammelverwahrung verwaltet. Laut Cerstin A. Lange, Pressesprecherin der Energiekontor AG, wurden die Papiere sofort nach Erscheinen innerhalb von zwei Wochen platziert. Zum Jahresende plane die Energiekontor AG jedoch eine weitere Anleihenemission, so Lange. Das Bremer Windenergieunternehmen will seine Anleihe nicht zum börslichen Handel anmelden, man werde aber eine interne Vermittlung anbieten, hießes. Im Geschäftsjahr 2004 erzielte Energiekontor einen Bilanzgewinn in Höhe von 1,25 Millionen Euro.


2. Enertrag AG

Die Enertrag Windfeld Nadrensee GmbH & Co KG, ein Tochterunternehmen des Windenergieprojektierers Enertrag aus Dauerthal in der Uckermark, hat mehrere Inhaberschuldverschreibungen (IHS) platziert. Bereits 2003 wurde die IHS "Windfeld Randowhöhe I" vollständig verkauft. Die Anleihe hat eine Laufzeit von 15 Jahren, der Zinssatz beträgt 8,5 Prozent, das Emissionsvolumen liegt bei 2,65 Mio. Euro. Im Geschäftsjahr 2004 nahm das Unternehmen vier Millionen Euro aus der Platzierung der Anleihe "Enertrag Energiezins 2008" ein. Die Laufzeit des Papiers endet 2008, der Zins liegt bei 6,5 Prozent. Eine Plattform für den öffentlichen Handel mit den Anleihen des Windenergieprojektierers gibt es laut Enertrag nicht.
Wer sich für eine Investition bei der Gesellschaft interessiert, kann derzeit aber noch Anteile der IHS "Windfeld Nadrensee" erwerben. Diese Anleihe wird in zwei Varianten angeboten: Der kleinere Teil des Emissionsvolumens (0,5 Millionen Euro) hat 8 Jahre Laufzeit und eine Verzinsung von 7,25 Prozent. Der größere Teil der Emission (1,5 Millionen Euro) hat eine Laufzeit von 15 Jahren und ist mit einem sogenannten "Staffelzins" ausgestattet. Der Zinssatz wächst von Jahr zu Jahr von anfänglich 3 bis auf 16 Prozent. Diese spezielle Variante werde in Verbindung mit einer Lebensversicherung angeboten, so Enertrag.

Für September 2005 hat die Enertrag AG die Emission einer weiteren Anleihe angekündigt. Das Wertpapier mit der Bezeichnung "Enertrag Energiezins - Die Energieanleihe" solle im September 2005 in drei Tranchen auf den Markt kommen, so Enertrag. Eine erste Tranche im Volumen von 3 Millionen Euro, 6 Prozent Zinsen und 5 Jahren Laufzeit. Ein zweite Tranche im Volumen von 4 Millionen Euro, 6,5 Prozent Zinsen und 7 Jahren Laufzeit. Und schließlich eine dritte Tranche im Volumen von 4 Millionen Euro, 8,5 Prozent Zins und 12 Jahren Laufzeit.


3. Solar Millennium AG

Seit April 2005 bietet die Solar Millennium AG aus Erlangen eine Solar-Anleihe an. Es ist die zweite Tranche; die erste wurde laut der Gesellschaft seit Sommer 2004 von über 3.000 Privatinvestoren gezeichnet. Die zweite Anleihe, eine sogenannte " Inhaber-Teilschuldverschreibung" hat ein Volumen von insgesamt 20 Millionen Euro. Sie soll mit 6,75 Prozent verzinst werden und läuft vom 20.4.2005 bis 19.4.2010. Die Auszahlung der Zinsen erfolgt jährlich. Die Anleihe ist eingeteilt in 20.000 Anleihepapiere im Nennbetrag von je 1000 Euro. Ein Ausgabeaufschlag wird nicht verlangt. Die Wertpapiere sind frei übertragbar, die Solar Millennium AG strebt jedoch keinen öffentlichen Handel für die Anleihe an.

ECOreporter.de riet im April, die Anleihe des Erlanger Unternehmens nicht zu zeichnen. Hauptgründe für die Empfehlung: Die inzwischen börsennotierte Gesellschaft betreibt eine wenig transparente Informationspolitik. Die Solar Millennium AG hat bisher wenig laufende Projekte vorzuweisen; bei der Anleihe handelt es sich deshalb um eine Risiko-Investition. Angesichts der Verlustgefahren ist die Verzinsung von 6,75 Prozent pro Jahr nicht überwältigend.


4. Salzburg AG

Eine Wasser-Anleihe im Volumen von insgesamt 35 Millionen hat der Salzburger Energie- und Infrastruktur-Dienstleister Salzburg AG aufgelegt. Bei garantiertem Zinsniveau und vierteljährlichem Rückgaberecht richtete sich die Anleihe nach Angaben des Unternehmens vorrangig an Kleinanleger. Den Erlös wollte die Gesellschaft in den Ausbau der heimischen Wasserkraft investieren.
Die Salzburger Wasserkraft-Anleihe garantiert einen Basiszinssatz von mindestens 2,5 Prozent und maximal 6 Prozent jährlich. Zusätzlich schüttet die Salzburg AG - abhängig von der Wasserführung - einen Bonus aus. Obwohl es keinen Handel mit den Papieren gibt, ist die Wasser-Anleihe recht liquide: Anleger können die Papiere vor Ablauf der Laufzeit von 10,5 Jahren vierteljährlich zum Kaufpreis plus Zinsen an die Salzburg AG zurück veräußern.
Die Anleihe wurde in einer Stückelung von 350.000 Stück mit einem Nennwert von je 100 Euro emittiert. Die Mindesteinlage betrug 1000 Euro, die Höchstsumme 30000 Euro je Investor. Die Anleihe konnte vom 4. bis 15. Oktober 2004 gezeichnet werden, sie läuft am 29. April 2015 aus und wird dann zum Nennwert zurück gezahlt.


5. Internationale Projekt Consult GmbH

Die Frankfurter IPC, Internationale Projekt Consult GmbH, hat zwei Inhaber-Teilschuldverschreibungen aufgelegt. Das Mikrofinanzunternehmen bietet eine Anleihe über drei Jahre zu einem Zinssatz von 5 Prozent pro Jahr sowie eine Anleihe über sechs Jahre zu einem Zinssatz von 6,5 Prozent an. Das Emissionsvolumen beider Papiere beläuft sich auf je drei Millionen Euro, die Laufzeit hat am 1. Oktober 2004 begonnen. Die Mindestanlagesumme für die Anleihen beträgt 10.000 Euro, ausgegeben werden also je 300 effektive Stücke.

"Wir suchen vor allem private Interessenten, die unsere ethischen Vorstellungen und Maßstäbe teilen - Maßstäbe, die eine permanente Abwägung zwischen Profit und sozialer Auswirkung erfordern", berichtete Dr. Claus-Peter Zeitinger; Gründer und Geschäftsführer der IPC GmbH. Die Anleihen werden nicht gehandelt, die IPC geht vielmehr davon aus, dass sie bis zum Ende Laufzeit gehalten werden.


6. SolarWorld AG

25 Millionen Euro will die börsennotierte Bonner SolarWorld AG aus der Emission ihrer Unternehmensanleihe erlösen. Der Solarkonzern startete das Angebot im Mai 2004. Eine beschränkte Zeichnungsfrist für die Papiere wurde nicht festgelegt, im Emissionsprospekt heißt es lediglich: Die Inhaber-Teilschuldverschreibungen können ab dem 30. April 2004 bis Ende der Laufzeit erworben werden. Der Zinssatz für die Anleihe beträgt sieben Prozent fest. Das Emissionsvolumen wurde in 25.000 Stücke mit einem Nennwert von 1.000 Euro eingeteilt.
Die SolarWorld AG gilt als eines der am besten positionierten Photovoltaikunternehmen in Deutschland. Das Bonner Unternehmen steigerte den Nettogewinn im ersten Halbjahr 2005 von 5,0 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 18,5 Millionen Euro.


7. SEG AG

Gleich ein ganzes Bündel von Anleihen und Genussscheinen bietet die Salzkottener Energie Gesellschaft AG (SEG AG) an. Laut dem nicht börsennotierten Unternehmen gehört es zum selbst entwickelten "innovativen Beteiligungskonzept", dass keine "branchenüblichen Beteiligungsmodelle" angeboten würden. Die Aktiengesellschaft verkauft keine Unternehmensteile, sie gründet auch keine Kommanditgesellschaften für die Projektfinanzierung, sondern begibt ausschließlich Wertpapiere in Form von Genussrechten und Schuldverschreibungen. Das Emissionsvolumen beläuft sich auf stattliche 42 Millionen Euro, aufgeteilt in 32 Millionen Euro Anleihen und 10 Millionen Euro Genussscheine. Für den Anleger bedeutet das: Die SEG AG umgeht auf diese Weise die Notwendigkeit, ihr Geschäftsmodell wirklich transparent und nachvollziehbar darzustellen.

Der Eigendarstellung der SEG auf ihrer Firmenhomepage zufolge sollen Vorhaben im Bereich der Windkraft, Wasserkraft und Geothermie realisiert werden. Für 2005 sei der Bau der ersten Windparks vorgesehen. Die zu den Projekten angebotenen Informationen sind jedoch dürftig, die kurzen Texte schließen einheitlich mit der wenig befriedigenden Auskunft, Informationen würden "nach Abschluss des Projekts eingestellt". Also hat die Gesellschaft bisher keines ihrer Vorhaben umsetzen können? Dazu passt der Eintrag in der Rubrik Pressemeldungen, der im August 2005 zu lesen ist: "Der Service Pressemeldungen startet im Mai 2004. Ihre SEG AG."

Fazit: Trotz der verlockenden Zinssätze - die Salzkottener versprechen Anlegern bis zu vierzehn Prozent effektive Rendite - sollten Sie die Anleihen und Genussscheine des Unternehmens links liegen lassen. Die Gesellschaft hat bisher viel versprochen, aber wo sind die Ergebnisse, wo sind die Sicherheiten?

Bild: Verladen eines Turmsegments für einen Windpark der Energiekontor AG / Quelle: Unternehmen; Windfeld Nechlin der Enertrag AG / Quelle: Unternehmen; Solar-Rinnenkraftwerk / Quelle: Solar Millennium AG; Claus-Peter Zeitinger / Quelle: IPC GmbH
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x