13.10.09 Fonds / ETF

Fondsriesen setzen auf nachhaltige Investments – Spielwiese oder ernsthaftes Anliegen?



Die Frankfurter DekaBank ist mit einem verwalteten Fondsvermögen von über 160 Milliarden Euro einer der größten Asset Manager in Deutschland. Mit dem Deka-UmweltInvest CF hatte die Fondsspezialistin der Sparkassen-Finanzgruppe zwar schon 2006 einen Aktienfonds auf den Markt gebracht, der in Unternehmen aus den Bereichen Klima- und Umweltschutz investiert. Da er aber bei der Titelauswahl keine Nachhaltigkeitskriterien anwendet, firmiert er nicht als Nachhaltigkeitsfonds. Im Gegensatz zu dem Anfang dieses Jahres lancierten DekaSelect: Nachhaltigkeit. Als Dachfonds investiert er insbesondere in nachhaltige Fonds.

„Mit diesem eigenen Produkt wollen wir uns im Bereich Nachhaltige Investments eigenständig positionieren“, erläutert Christian Gallwitz aus dem Fondsreserach der Dekabank. Neben der Zusammenarbeit mit Swisscanto, einem auf Nachhaltigkeitsfonds spezialisierten Anbieter, wolle sie das Feld nun auch selbst besetzen. Als für jeden Kunden geeignetes Basisinvestment sieht sie einen Dachfonds als geeignetes Vehikel dafür. „Das Thema wird bei der DekaBank an Bedeutung gewinnen“, glaubt Gallwitz. Ob und wann sie Nachhaltigkeitsfonds mit eigenem Research auf den Markt bringe, hänge auch von der Resonanz auf den DekaSelect ab.

Während die Dekabank Produkte für die die deutschen Sparkassenkunden entwickelt, vertreibt die Union Investment ihre über die 1200 Volks- und Raiffeisenbanken. Im Bereich der nachhaltigen Anlagen zählt sie nach eigenen Angaben mit 2,5 Milliarden Euro Anlagevolumen zu den größten Asset Managern. Nachhaltiges Investieren werde für Unternehmen und Anleger immer wichtiger, stellt Ingo Speich fest. Er ist Fondsmanager des Anfang Oktober von Union Investment aufgelegten UniBachhaltig Aktien Global. Mit der imug aus Hannover schränkt ein auf Nachhaltigkeitsanalysen spezialisierter Partner hier das Anlageuniversum ein, bevor das Fondsmanagement daraus eine eigene Auswahl trifft.

Dieses Modell hat Union Investment bei den KCD-Nachhaltigkeitsfonds erprobt, einer Linie aus nachhaltigen Aktien-, Misch und Rentenfonds, die 2001 gestartet wurde. KCD steht für Kirche, Caritas und Diakonie. Kirchenbanken hatten Union Investment früh dazu gedrängt, nachhaltige Produkte zu entwickeln, erklärt Helge Wulsdorf von der Bank für Kirche und Caritas eG aus Paderborn. Für Bistümer und Klöster oder Mitarbeiter karitativer Einrichtungen seien Beteiligungen zum Beispiel an Rüstungsunternehmen problematisch Kunden der genossenschaftlich organisierten Kirchenbanken und diesen selbst sei es wichtig, ihre Gelder nach christlichen Wertmaßstäben anlegen zu können. Mit den KCD-Nachhaltigkeitsfonds sei dies möglich.

Auch die größte deutsche Fondsgesellschaft, DWS Investment, hat inzwischen nachhaltige Fonds im Angebot. “Wir sind von dem langfristigen Erfolg eines nachhaltigen Geschäftsmodells überzeugt“, sagt DWS-Sprecherin Sabina Díaz Duque. Bei der Titelauswahl ihrer Fonds treffen ebenfalls Nachhaltigkeitsexperten eine Vorauswahl, aus der das DWS-Fondsmanagement weiter selektiert.

Ganz auf eigenes Nachhaltigkeitsresearch baut dagegen die Allianz Global Investors. Deren Tochtergesellschaft RCM beschäftigt eine große Gruppe von Experten zu verschiedenen Themengebieten wie alternative Energien oder Umweltverschmutzung. Deren Analysen sind die Grundlage für Produkte wie die Aktienfonds Allianz RCM Global Sustainability und Allianz-dit Global EcoTrends, die 2003 bzw. 2006 aufgelegt wurden. Durch die Übernahme der cominvest sind der Allianz Global Investors weitere Nachhaltigkeitsfonds zugefallen. Gunnar Miller vom Global Research bei RCM sieht ein wachsendes Interesse der Anleger an solchen Angeboten. Das spiegele sich im „stetig steigendem Fondsvolumen wider."

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) kooperiert bei ihren nachhaltigen Fonds und Zertifikaten mit der auf Nachhaltigkeitsresearch spezialisierten oekom Research AG. Wie Nachhaltigkeitsmanagerin Sabine Pex ausführt, legen neben Institutionellen Kunden vor allem vermögende Investoren Wert auf nachhaltige Angebote. Die Konzernmutter UniCredit wolle das nachhaltige Investment zu einer tragenden Säule im Konzern aufbauen. Das umzusetzen benötige jedoch Zeit. Insbesondere bei der Schulung der Kundenberater sei noch viel zu leisten.

Auf spezielle Beraterschulungen setzt auch die Union Investment. Laut Vorstandsmitglied Alexander Schindler sollte der Aspekt der Nachhaltigkeit grundsätzlich einen festen Platz in den Kundengesprächen bekommen. Für nachhaltige Produkte sieht er „bei der Beratungsqualität noch erheblichen Verbesserungsbedarf“. Weniger selbstkritisch zeigt sich die DWS: „Grundsätzlich verfügen wir für jedes unserer Produkte über Experten, die speziell für die verschiedenen Anlagethemen und -konzepte ausgebildet sind“, meint deren Sprecherin Díaz Duque.


Bildhinweis: Helge Wulsdorf. / Quelle: Bank für Kirche und Caritas.
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