Ein Einblick in die Medikamentenproduktion von Fresenius Kabi zeigt, wie der Konzern Ampullen abfüllt. / Foto: Unternehmen

22.09.15 Aktientipps

Fresenius SE: Noch ein Dividenden-Aristrokrat – aber eignet sich die Aktie auch für nachhaltige Anleger?

Im Jahr 1462 wurde sie in Frankfurt am Main gegründet, die Hirsch-Apotheke. Im 18. Jahrhundert übernahm die Familie Fresenius sie – und das war der Ausgangspunkt für das heute achtgrößte Familienunternehmen Deutschlands. Denn 1912 gründete der Apotheker Eduard Fresenius das Pharmazieunternehmen Dr. E. Fresenius. Heute ist die Fresenius SE ein weltweit tätiger Medizintechnik- und Gesundheitskonzern und einer der größten privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands, mit Produkten und Dienstleistungen für die Dialyse, das Krankenhaus und die ambulante medizinische Versorgung von Patienten. Der Hauptsitz ist in Bad Homburg.

Die Fresenius SE erzielte 2014 einen Umsatz von knapp 23,2 Milliarden Euro (2013: 20,3 Milliarden Euro) und beschäftigt über 216.000 Menschen in etwa 100 Ländern. Zum Fresenius-Konzern gehören vier Unternehmen, die weltweit eigenverantwortlich wirtschaften und handeln: Fresenius Medical Care, Fresenius Kabi, Fresenius Helios und Fresenius Vamed. Nicht zum Konzern gehören das Institut Fresenius und die Hochschule Fresenius. An dem weltweit führenden Dialysespezialisten Fresenius Medical Care ist Fresenius ist mit einem Anteil von 31,1 Prozent beteiligt. Fresenius Kabi ist Marktführer in der Infusionstherapie und in der klinischen Ernährung in Europa. Die Helios Kliniken Gruppe ist eines der größten und medizinisch führenden Klinikunternehmen Europas und auf den Betrieb und das operative Management von Krankenhäusern spezialisiert. Fresenius Vamed ist weltweit im Projekt- und Managementgeschäft von Gesundheitseinrichtungen tätig. Dazu zählen Krankenhäuser, Gesundheitszentren sowie Thermen- und Wellnesscenter. Darüber hinaus werden über die Fresenius NetCare Dienstleistungen im Bereich Informationstechnologie angeboten.

Fresenius hat 2008 den US-Pharmakonzerns APP übernommen, zu einem Kaufpreis von immerhin 5,6 Milliarden US Dollar. APP ist ein auf Infusionsmedikamente spezialisierter Generikahersteller. Das war ein immenser Preis für eine gerade der Start-Up-Phase entwachsene Firma mit 650 Millionen US Dollar Umsatz und 250 Millionen US Dollar Gewinn. Für den Fresenius-Chef war diese Akquisition so etwas wie ein persönlicher Durchbruch. Nicht nur, weil er Fresenius so die weit über 100 APP-eigenen Präparate und die Vertriebstruppe des US-Unternehmens sicherte. Mit der Übernahme emanzipierte er sich auch von seinem Vorgänger und heutigen Aufsichtsratschef Dr. Gerd Krick, der das Unternehmen mit anderen Übernahmen erst auf die oberste Ebene der deutschen Konzerne gehoben hatte.

Der Kauf von APP war das vorerst letzte Kapitel einer beeindruckenden Wachstumsgeschichte: Innerhalb von eineinhalb Jahrzehnten formten Konzernchef Schneider und Aufsichtsratschef Krick aus einem Mittelständler einen Gesundheitskonzern von Weltformat. Weitere Akquisitionen sollen vor allem in Asien folgen, vorzugsweise in dem stark wachsenden Gesundheitsmarkt Chinas.  Es gibt allerdings für Fresenius einige Risiken: So ist das Unternehmen abhängig vom US-Markt und vom US Dollar-Kurs; Baxter Int. aus den USA und die Schweizer Roche sind starke Konkurrenten im wichtigen Dialyse-Geschäft. Patente laufen aus, die Schuldenlast durch frühere teure Übernahmen ist weiterhin nicht gering.

Bild: Herzoperation in einer Helios-Klinik. Die Klinik-Gruppe gehört zum Fresenius-Konzern. / Foto: Unternehmen


Dividende:

Fresenius gehört, trotz der im Vergleich zu anderen DAX-Unternehmen niedrigeren Dividendenrendite, zu den deutschen Dividenden-Aristokraten. Die geringe Rendite ist zum einen der wachstumsstarken und kapitalintensiven Branche Medizintechnik und Gesundheitswesen geschuldet. Gewinne fließen zurück in das Unternehmen und werden, anders als beispielsweise bei Öl- oder Telekommunikations-Unternehmen, nicht in entsprechender Höhe an die Aktionäre ausgeschüttet. Mit dem Geld werden Schulden beglichen oder eigene Aktien zurückgekauft. So wird innerhalb des Konzerns ein Mehrwert geschaffen – ein organisches Wachstum.


2014 wurde die Dividende das 22. Jahr in Folge angehoben. Einer Fortführung der jährlichen Dividendenerhöhung im einstelligen Prozentbereich sollte, aufgrund der geringen Ausschüttungsquote von 20,23 Prozent in 2014 und der sehr guten Wachstums- und Gewinnmargen, nichts im Wege stehen. Die als ‘Payout Ratio‘ bekannte Bezeichnung für das für Ausschüttungen zur Verfügung stehende Kapital liegt hier bei beachtlichen 36,37 Prozent. Der Gewinn je Aktie steigt seit Jahren; lag er 2008 noch bei 0,60 Euro pro Aktie waren es 2014 schon 2,0 Euro pro Aktie. Der Umsatz kletterte von 25,88 Euro je Anteilsschein in 2008 auf 42,68 Euro in 2014. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24,1 lässt die Aktie zwar nicht als günstig erscheinen, aber immerhin schlug die Aktie den DAX in den vergangenen fünf Jahren um über 190 Prozent (Stand: 18.9.2015). Kursrückgänge können Anleger zum Kauf nutzen.
Bild: Dialysegeräte sind ein zentrales Geschäftsfeld von Fresenius. / Foto: Unternehmen

  Nachhaltigkeit:

  Die Fresenius-Aktie ist in mehreren Nachhaltigkeitsindizes enthalten, unter anderem im DAXglobal Sarasin Sustainability Index Germany. Bei den Nachhaltigkeitsfonds ist es beispielsweise der Hauck & Auffhäuser, die aktuell in Fresenius-Aktien investieren. Die Analysten der Schweizer Nachhaltigkeitsrating-Agentur Inrate loben Fresenius unter anderem dafür, dass das Unternehmen dem Deutschen Corporate Gouvernance Kodex folgt und ein Umweltmanagement-System etabliert hat – was allerdings heutzutage Selbstverständlichkeiten sind. Die Leitlinien für den Umgang mit Lieferanten, Kunden, Parteien, Behörden, Aktionären und der Öffentlichkeit seien „ethisch motiviert“, so Inrate. Positiv bewerten die Analysten das soziale Engagement der Else Kröner-Fresenius-Stiftung, die medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte in den armen Regionen der Welt unterstützt. Die Stiftung ist Großaktionärin von Fresenius und finanziert ihre Arbeit nach eigenen Angaben ausschließlich aus Dividenden des Konzerns. Die Produkte von Fresenius stufen die Nachhaltigkeitsanalysten der Nachhaltigkeitsfonds von Hauck & Auffhäuser Schweiz als „ökologisch neutral“ ein.  Beim Schutz natürlicher Ressourcen und in bei der Berichterstattung zu sozialen und ökologischen Themen sehen die Analysten Verbesserungspotenzial. 2013 und 2014 war Fresenius gezwungen, verunreinigte Medikamentenchargen zurückzurufen, einmal wegen Glassplittern in Präparaten, einmal wegen Bakterien in Dialysemedikamenten. Probleme hatte Fresenius auch wegen der Nebenwirkungen von Dialysemedikamenten, die zu zahlreichen Klagen vor US-Gerichten führten. Hintergrund: Die Medikamente „GranuFlo“ und  „Naturalyte“ stehen nach Untersuchungen der US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) im Verdacht, massive Herzprobleme auslösen zu können. Erste Prozesse sollen Medienberichten zufolge Anfang 2016 starten.


 K.O.-Kriterien:  Fresenius lässt Tierversuche durchführen und arbeitet auch im Bereich Gentechnik. Allerdings hat das Unternehmen 2012 sowohl das therapeutische Klonen als auch die Stammzellenforschung aufgegeben. Erst 2012 hatte Fresenius begonnen, den Vertrieb des Narkosemittels Propofol in den USA strenger zu überwachen, um zu verhindern, dass das Mittel zur Vollstreckung der Todesstrafe eingesetzt wird. Damit hatte der Konzern auf die Kritik von Nichtregierungsorganisationen reagiert.

Basisdaten

Fresenius SE (Kürzel: FREG.DE)
ISIN: DE0005785604 / WKN: 578560
Gründung: 1912
Mitarbeiter: 216.000
EBIT 2014: 820 Millionen Euro
Umsatz 2014: 23,2 Milliarden Euro
Kurs: 64,00 Euro (22.09.2015, 13:15 Uhr, Xetra)
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