Rotoren von Gamesa-Windkraftanlagen vor dem Abtransport. Durch die Fusion mit Siemens Wind Power erhält der Windkraftkonzern deutlich mehr Schlagkraft. Können Konkurrenten wie Vestas und Nordex der standhalten? / Foto: Gamesa

04.04.17 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Fusion von Gamesa und Siemens Wind Power perfekt: was bedeutet das für die Wind-Aktien Gamesa, Nordex und Vestas?

Aus der nun abgeschlossenen Verschmelzung von Gamesa mit Siemens Wind Power ist einer der weltweit größten Windkraftkonzerne entstanden. Was bedeutet das für Wind-Aktien wie Vestas und Nordex? Stehen diese Windkraftanlegen-Hersteller nun einer gestärkten Konkurrentin gegenüber? Wie sollten deren Aktionäre reagieren?

Nach dem nun erfolgten Eintrag in ein spanisches Handelsregister kommt am heutigen Dienstag erstmals das neue Führungsgremium der neu aufgestellten Siemens Gamesa Renewable Energy zusammen. Das Geschäft mit Windkraft an Land wird künftig von Gamesa geführt, und zwar vom Firmensitz im baskischen Zamudio aus, wo die auch neue Gamesa ihren Firmensitz hat. Verantwortliche von Siemens leiten von den Standorten Hamburg and Vejle (Dänemark) aus das Geschäft mit Windkraft auf See.

Zusammen haben die alte Gamesa und die Windsparte von Siemens in 2016 Windkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von rund sechs Gigawatt (GW) errichtet. Zwei erreichten im vergangenen Jahr nur wenig mehr: die chinesische Goldwind und die Windsparte von General Electric (GE) aus den USA mit jeweils deutlich über sechs GW. Die neue Gamesa könnte diese beiden bald übertrumpfen. Noch unangefochten an der Spitze liegt Vestas Wind Systems aus Dänemark, die 2016 auf 8,7 GW installierter Windkraftleistung kam (lesen Sie hier über das aktuelle Ranking der größten Windradhersteller).

Bei der insgesamt installierten Windkraftkapazität liegt die neue Gamesa mit 75 GW bereits in Reichweite der 82 GW von Vestas. Zusammen hatten Gamesa und Siemens Wind Power Ende 2016 einen Auftragsbestand von rund 21 Milliarden Euro. Hier lagen sie damit bereits in etwa gleichauf mit Vestas. Zusammen gerechnet belief sich der geimensame Jahresumsatz zuletzt auf rund elf Milliarden Euro und das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 1,1 Milliarden Euro. Vestas wirtschaftete profitabler, erreichte ein EBIT von 1,4 Milliarden Euro bei 10,2 Milliarden Euro Jahresumsatz. Allerdings soll die Fusion von Gamesa mit Siemens Wind Power erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen. Siemens erhofft sich von dem Zusammenschluss Synergien, die mittelfristig 230 Millionen Euro zum Betriebsergebnis beitragen.

Es wird dauern, bis der Zusammenschluss sich auszahlt

Siemens hat die Aktienmehrheit an Gamesa erworben und wird künftig 59 Prozent der Anteile halten. Das haben sich die Deutschen rund eine Milliarde Euro kosten lassen. Mit acht Prozent der Aktien bleibt der spanische Energiekonzern Iberdrola erhalten, der seit vielen Jahren mit Gamesa verbunden ist. Gamesa hat für Iberdrola in vielen Ländern Windparks umgesetzt und betreibt sie seither. Etwa ein Drittel der Aktien befindet sich nun im Streubesitz.

Für den Aktienkurs von Gamesa dürfte sich der Zusammenschluss vorerst kaum auswirken. Anleger sollten hier zunächst die weitere Entwicklung abwarten. Es wird eine Weile dauern, ehe man abschätzen kann, ob die Fusion gelingt und die angstrebten Kosteneinsparungen wirklich zu Ergebnisverbesserungen führen.

Wind-Aktie Vestas weiter aussichstreich

Für den Konkurrenten Vestas ist das Geschäft durch die Verschmelzung von Gamesa mit Siemens Wind Power gewiss nicht leichter geworden. Vestas ist bei den Kosten aber schon da, wo die Konkurrenz erst hin will. Nur kann sich das dänische Unternehmen nicht auf dem bislang Erreichten ausruhen und muss versuchen, noch profitabler zu werden. Dies gilt vor allem für das Geschäft mit Offshore-Windrädern, wo Siemens Wind Power und damit die neue Gamesa unangefochtener Weltmarktführer ist. Allerdings bleibt die Windkraft an Land weiterhin das Hauptgeschäft von Vestas. Für Marge und weiteres Wachstum ist das Service-Geschäft, also die Betreuung von bereits bestehenden Windparks im Auftrag von Kunden, viel wichtiger. Und hier ging es für Vestas zuletzt stark bergauf. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Vestas diesen Aufwärtstrend fortsetzen kann, trotz der stärkeren Konkurrenz durch die neue Gamesa als Siemens-Tochter. Wir empfehlen die Wind-Aktie weiterhin zum Kauf.

Bei der ECOreporter-Favoriten-Aktie Nordex brauchen Anleger Geduld

Auch an unserer langfristig positiven Einschätzung der Aktie von Nordex ändert sich nichts. Durch die Übernahme der spanischen Acciona Windpower hat der Hamburger Windradbauer Siemens schon vor einem Jahr gezeigt, wie man durch eine Fusion an Größe und Schlagkraft zulegen kann. Mit Siemens Wind Power konkurrierte Nordex bislang kaum, weil diese vor allem im Bereich der Windkraft auf See erfolgreich ist, von dem Nordex sich schon vor geraumer Zeit verabschiedet hat. Der Wettbewerb mit Gamesa war dagegen in wachstumsträchtigen Märkten Lateinamerikas schon vorher hart, wo die Spanier auch durch die Verbindung mit Iberdrola viele Vorteile auf ihrer Seite haben. Weiterhin muss Nordex darauf setzten, Nischen in anderen Auslandsmärkten zu besetzen und den erhöhten Preisdruck durch Kosteneinsparungen aufzufangen. Das ist Nordex in den vergangenen Jahren gut gelungen. Vieles spricht dafür, dass Nordex dies auch in Zukunft gelingt. Es dürfte aber noch eine Weile dauern, bis Nordex dem Aktienkurs mit besseren Zahlen neue Impulse gibt. Daher empfehlen wir derzeit lediglich, diese Wind-Aktie zu halten. Nordex bleibt eine  ECOreporter-Favoriten-Aktie (Link entfernt)  aus dem  Topf der aussichtsreichen Mittelklasse-Aktien (Link entfernt).

Gamesa Corp. Tecnologica SA: ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8
Nordex SE: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D655
Vestas Wind Systems: ISIN DK0010268606 / WKN 913769
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