26.06.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Gastbeitrag: Neue Studie zeigt: Nachhaltige Kapitalanlagen sind für Stiftungen empfehlenswert

Nachhaltige Kapitalanlagen sind Anlageobjekte, die nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Sie stellen ein interessantes Anlagesegment für Stiftungen dar und können im Idealfall helfen, die satzungsmäßigen Ziele der Stiftungen zu erfüllen und mögliche Zielkonflikte zwischen den Aufgaben der Stiftung und der Vermögensanlage zu vermeiden.

Ein Zielkonflikt kann beispielsweise auftreten, wenn sich eine Stiftung für Umweltschutz einsetzt, aber in Aktien von Unternehmen investiert, die durch hohe Umweltverschmutzung auffallen. Eine entsprechende Auswahl der Investments, die der ökologischen Nachhaltigkeit genügen, kann diesen Zielkonflikt lösen helfen. Obwohl die Frage nach den Folgen des Investments für Mensch und Umwelt im Mittelpunkt der Anlageentscheidung steht, können nachhaltige Kapitalanlagen auch aus finanzwirtschaftlicher Sicht eine sinnvolle Investition für Stiftungen sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Kooperation mit der Universität Stuttgart für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt durchgeführt hat.
Die Studie zeigt, dass Aktienanlagen, die nach ökologischen und sozialen Kriterien (Socially Responsible Investments (SRI)) ausgewählt werden, insgesamt gesehen keine signifikanten Unterschiede in der Performance zu konventionellen Aktienanlagen aufweisen. Demnach muss Rentabilität nicht im Widerspruch zu sozialer und ökologischer Verantwortung stehen. Die Performance nachhaltiger Kapitalanlagen scheint sogar besser zu werden, je stärker die Nachhaltigkeit bei der Aktien- und der Portfoliozusammenstellung berücksichtigt wird. So entwickeln sich Portfolios, die beispielsweise nur die 10 Prozent der unter Nachhaltigkeitskriterien am besten abschneidenden Unternehmen enthalten, merklich besser als breiter gestreute SRI-Portfolios. Sie können sogar im Einzelfall die Performance konventioneller Aktienanlagen signifikant übertreffen. Diese Ergebnisse werden dadurch bestätigt, dass sich spezialisierte Nachhaltigkeitsindizes wie etwa der Naturaktienindex risikoadjustiert deutlich besser entwickelt haben als breit diversifizierte SRI-Indizes wie beispielsweise die Dow Jones Sustainability- oder die FTSE4Good-Indizes. Allerdings ist das Risiko, gemessen als Volatilität, umso höher, je weniger gestreut und je spezieller damit die Aktienanlagen ausgerichtet sind.

Anlagestrategische Zielsetzungen
In Deutschland verfügen allein die 30 größten Stiftungen über ein Gesamtvermögen von rund 26 Milliarden Euro. Daneben gibt es Hunderte von weiteren Stiftungen, was deutlich macht, welche enormen Summen im Stiftungsbereich sinnvoll und verantwortungsbewusst angelegt werden müssen. Vor diesem Hintergrund geht die Studie auf allgemeine anlagestrategische Zielsetzungen von Stiftungen ein.

So sollten Aktienanlagen für Stiftungen je nach Zielsetzung der Vermögensanlage unterschiedlich ausgeprägt sein. Für das Ziel „nominale Vermögenserhaltung“, also für den Erhalt des Stiftungsanfangsvermögens ohne den Ausgleich etwa von Inflationsverlusten, sollte die Aktienquote relativ niedrig sein – das heißt etwa zwischen 10 und 20 Prozent liegen. Für das Ziel „reale Vermögenserhaltung“, hierbei werden die Inflationsverluste ausgeglichen, sollte die Aktienquote dagegen relativ hoch sein, das heißt etwa zwischen 80 und 100 Prozent liegen.

Wie kommt dieses Ergebnis zustande? Zunächst ist es wichtig, wie die risikoadjustierte Performance der Vermögensanlagen gemessen wird. In der Studie werden dazu Kennzahlen verwendet, die Risiko als die Unterschreitung eines gewünschten Mindestvermögens messen. Der Ertrag wird hingegen als die Überschreitung dieses Mindestvermögens bestimmt. Wenn die Stiftung das Ziel „nominale Vermögenserhaltung“ verfolgt, dann entspricht das Mindestvermögen dem Anfangsvermögen der Stiftung. Je höher die Aktienquote ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, das Anfangsvermögen zu unterschreiten. Die Beimischung von Aktien erhöht allerdings die durchschnittliche Rendite des Portfolios. Für einen Anlagehorizont von einem Jahr ergibt sich daraus empirisch im Optimum die relativ geringe Aktienquote von 10 bis 20 Prozent.

Beimischung von Aktien
Anders sieht dagegen das Ergebnis für die Zielsetzung „Erhaltung des realen Anfangsvermögens“ aus. In der Vergangenheit waren Anlagen in Anleihen kaum in der Lage, den Realwert des Vermögens zu erhalten. Erst die Beimischung von Aktien erhöht den durchschnittlichen Ertrag soweit, dass die Wahrscheinlichkeit einer Unterschreitung des realen Anfangsvermögens spürbar sinkt. Obwohl Aktien, gemessen an der Schwankungsbreite der Renditen, deutlich riskanter sind als Anleihen, kann das Ziel der realen Vermögenserhaltung umso besser erreicht werden, je höher der Aktienanteil ist. Dabei sollte nicht übersehen werden, dass die Höhe möglicher Verluste mit steigender Aktienquote zunimmt.

ECOreporter.de veröffentlicht diesen Text mit freundlicher Erlaubnis von Dr. Michael Schröder, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW), Mannheim. Die Studie wird nach Angaben des Autors zum Ende des Jahres im Nomos Verlag als Buch erscheinen.

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