20.04.10 Erneuerbare Energie

Geht's jetzt erst richtig los? - Studie zur deutschen Windkraft prognostiziert starkes Wachstum und benennt Hindernisse




Der Bundesverband WindEnergie e.V. (BWE) hat die Kurzstudie "Internationalen Marktchancen der deutschen Windindustrie" heute auf der Hannover Messe präsentiert. Sie wurde von der VDI / VDE Innovation + Technik GmbH erstellt und basiert unter anderem auf der Befragung von Unternehmen der deutschen Windindustrie. "Weltweit steigt das Interesse an Windenergie und damit auch die Nachfrage nach Systemen, Komponenten und Service für Windenergieanlagen. Hier ist die deutsche Windindustrie im weltweiten Wettbewerb sehr gut aufgestellt“, stellte bei der Präsentation Hermann Albers fest, Präsident des Bundesverbands WindEnergie.

Der Studie zufolge waren in Deutschland Ende 2009 insgesamt 25.777 Megawatt (MW) Windenergieleistung installiert. Es wurden Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 1.917 MW neu installiert. Das bedeutete einen erheblichen Zuwachs, nachdem 2007 und 2008 jeweils etwa 1.700 MW neu aufgestellt worden waren. Die Autoren der Studie erklären dies insbesondere mit der für die Windenergie positiven Novellierung des EEG Anfang 2009. Zudem habe sich die Situation der deutschen Windindustrie trotz der schwierigen Wirtschaftslage verbessert. Der BWE rechnet bis zum Jahr 2020 an Land mit insgesamt 45.000 MW Windleistung. Hinzu kommen nach seiner Prognose noch einmal 10.000 MW durch die Offshore Windenergie. Bis 2030 könne auf hoher See eine Windleistung von bis zu 25.000 MW installiert werden und damit etwa 15 Prozent des deutschen Strombedarfs decken.

Der Verband verweist darauf, dass die Nachfrage nach Offshore Windenergieanlagen auch international rapide wächst. Noch seien fast alle der weltweit ca. 2.000 MW Offshore Windenergieanlagen in Europa installiert, hauptsächlich in Dänemark und Großbritannien. Der europäische Windenergieverband EWEA rechne bis 2020 mit einer Offshore-Leistung von 40 Gigawatt in ganz Europa. Die EWEA Studie "Oceans of Opportunity" zeige auf, dass zurzeit auf dem Markt angebotenen Offshore Anlagen fast ausschließlich aus Deutschland und Dänemark kommen. Deutsche Anbieter, wie beispielsweise AREVA Multibrid, Bard Enegineering, Nordex, REpower und Siemens, hätten daher im Bereich Offshore Windenergie eine sehr gute Ausgangsposition.

Doch China und die USA planten bereits erste Testfelder vor ihren Küsten, stellt der Windkraftverband fest. In der Nähe von Shanghai sei 2009 bereits der erste chinesische Offshore Windpark errichtet worden. Insgesamt verfüge die Volksrepublik vor ihren Küsten über ein Potenzial von 100 bis 200 GW Offshore-Windenergie. In den USA können laut dem BWE die im Binnenland liegenden "Great Lakes" eine bedeutende Rolle bei der Offshore-Windkraft spielen. Große Städte wie z.B. Chicago, Cleveland, Detroit oder Milwaukee planten, so einen großen Teil ihres Energiebedarfs durch Windenergie zu decken. Internationale Wettbewerber aus China, Japan oder den USA seien bereits dabei, Anlagen für den Offshore Markt zu entwickeln.

Wie der BWE fststellt, kommt es für den weiteren Erfolg der Windenergie in Deutschland in den nächsten Jahren darauf an, den Ausbau der Stromnetze konsequent voranzutreiben. Anderenfalls könne es immer häufiger zu Engpässen im Netz und damit zu vermehrten Abschaltungen von einzelnen Anlagen oder ganzen Windparks kommen. Zudem gewinne das Thema Netzintegration zunehmend an Bedeutung. Der schleppende Ausbau der Stromnetze führt zu wachsenden Problemen beim Netzanschluss von Windparks. Wenn in den nächsten Jahren zusätzlich noch mehrere Gigawatt Offshore Windstrom dazukommen, werde der Ausbau der Stromnetze immer dringender. Engpässe im Stromnetz könnten dazu führen, dass zukünftige Projekte nicht realisiert werden können oder dass bestehende Windenergieanlagen durch die Netzbetreiber bei Überlastung des Stromnetzes gedrosselt oder ganz abgeschaltet werden.

Zudem stehen der effizienten Nutzung der Windenergie dem Verband zufolge häufig noch Länderverordnungen im Wege, die etwa mit Höhenbegrenzungen die größten Potenziale verhindern. Der BWE sieht die einzelnen Bundesländer in der Pflicht, ihre Landesentwicklungsprogramme den Klimaschutzzielen der Bundesregierung anzupassen. Vor allem im Süden Deutschlands müssten neue Windvorrangflächen ausgewiesen werden.

Für die vorgelegte Studie wurden im Zeitraum von Mitte März bis Mitte April 2010 Unternehmen der Windindustrie auch danach gefragt. Schwerpunkt dabei war die Frage, welche Märkte aktuell und in Zukunft gute Chancen für die deutsche Windindustrie bieten. Nach deren Einschätzung sind die internationalen Marktchancen für die deutsche Windindustrie sehr gut. Ausnahmslos seien die Unternehmen der Ansicht, dass das Auslandsgeschäft in einigen Jahren einen Großteil ihres Umsatzes ausmachen wird, sofern das nicht schon längst der Fall ist. Die Windenergiebranche wachse international sehr viel schneller als der Heimatmarkt in  Deutschland. Daher ist es für einen langfristigen Erfolg der deutschen Windindustrie unabdingbar, auch internationale Märkte zu erschließen.
 
In Zukunft erwartet die deutsche Windindustrie vor allem in Osteuropa gute Marktchancen. Dort gebe es bei der Installation von Windenergieanlagen einen erheblichen Nachholbedarf. Da diese Länder die EU-Vorgaben zur Nutzung von Erneuerbarer Energie erfüllen müssen, seien sie gezwungen, die Rahmenbedingungen für ein starkes Wachstum in der Windenergie zu schaffen. Ein Hauptargument für ein Engagement deutscher Windkraftfirmen in Osteuropa sei die räumliche Nähe zum Heimatmarkt Deutschland. Die bestehenden Kapazitäten in Deutschland könnten dadurch effizienter und damit kostengünstiger genutzt werden. Für den Aufbau von lokalen Produktionsstätten seien die einzelnen Märkte oft zu klein. Es lohne sich aber für die Zulieferer großer und schwerer Komponenten, lokal zu produzieren, um einerseits lokale Wertschöpfung zu erzielen und andererseits die hohen Transportkosten zu reduzieren.  

In Asien setzt die deutsche Windkraftbranche der Studie zufolge neben China vor allem auf Südkorea. Dort habe die Regierung hat beschlossen, den Ausbau der Windenergie zu forcieren, um Arbeitsplätze zu schaffen und um unabhängiger von Energieimporten zu werden. Ende 2009 seien in Südkorea insgesamt 364 MW Windleistung am Netz gewesen. Sowohl die Regierung als auch die Industrie rechneten in den nächsten Jahren mit Wachstumsraten von ca. 30 Prozent pro Jahr.

In Südamerika seien wegen ihres vergleichsweise hohen Energiebedarfs besonders die Länder Argentinien, Brasilien und Chile am Einsatz der Windenergie interessiert. Alle drei Länder verfügten über ausreichend Windpotenzial, um einen Großteil des Strombedarfs durch Windenergie zu decken. Ein Hindernis seien in den infrastrukturell unterentwickelten ländlichen Regionen die schwachen Stromnetze, die nicht besonders viel Windstrom verkraften.

Gute Rahmenbedingungen sieht der BWE für deutsche Unternehmen vor allem in Nordamerika.  Dort habe die Politik ehrgeizige Ziele für den Anteil der erneuerbaren Energien beschlossen, zudem seien kulturelle und sprachliche Barrieren für die deutschen Unternehmen deutlich niedriger als etwa in Asien.
 
Bildhinweis: Aufbau einer Windkraftanlage von REpower Systems. / Quelle: Unternehmen
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