Die Freiburger setzen vor allem große Photovoltaikprojekte um. / Quelle. S.A.G.

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Gemischte Zwischenbilanz der S.A.G. Solarstrom AG

Trotz eines deutlich verbesserten Umsatzes ist das operative Ergebnis der S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg im 1. Halbjahr 2013 eingebrochen. Dennoch sieht sich das Unternehmen auf einem guten Weg und bekräftigt seine Prognose für das Gesamtjahr. Das teilte Dr. Karl Kuhlmann, Vorstandsvorsitzender der S.A.G. Solarstrom AG, heute auf einer Telefonkonferenz mit Journalisten mit.

Nach seinen Angaben kletterte der Umsatz der ersten sechs Monate gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 64,6 Prozent auf 62,9 Millionen Euro. Dazu habe der Geschäftsbereich „Projektierung und Anlagenbau“, der jetzt in „Anlagenbau“ umbenannt werde, mit 51,4 Millionen Euro den Löwenanteil beigetragen. In diesem Segment hätten sich die Erlöse mehr als verdoppelt. Das Installationsvolumen habe sich auf insgesamt 44,4 Megawatt (MW) fast verdreifacht. Dabei habe der Schwerpunkt eindeutig auf Großbritannien gelegen. Dort habe die S.A.G. 67,5 Prozent des gesamten Halbjahresumsatzes erwirtschaftet. Weitere Projekte wurden in Deutschland und Rumänien umgesetzt.

Allerdings haben laut Kuhlmann hohe  Vorlaufkosten insbesondere für das britische Großprojekt Wymeswold und das die Ergebnisbeiträge daraus erst im 2. Halbjahr anfallen dazu geführt, dass die S.A.G. einen operativen Verlust verbuchen musste. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern sei zwar im 2. Quartal mit 0,5 Millionen Euro schon leicht positiv ausgefallen. Für das 1. Halbjahr müsse man aber dennoch einen Fehlbetrag von 2,1 Millionen Euro ausweisen. Das Minus lag damit über dem EBIT-Verlust in Höhe von 1,7 Millionen Euro aus dem 1. Halbjahr 2012. Im Gesamtjahr 2012 hatten die Freiburger nach einem starken 2. Halbjahr letztlich den  EBIT-Gewinn gegenüber dem Vorjahr von 3,8 auf 8,9 Millionen Euro verbessert. Für 2013 rechnet Kuhlmann mit einem erneut positiven operativen Ergebnis und bekräftigte damit die bisherige Prognose, ohne sie zu konkretisieren. Der Gewinn werde nicht zuletzt von den Geschäftserfolgen in neuen Märkten abhängen, die er sich für die zweite Jahreshälfte erhoffe.

Mit seinem Deutschlandgeschäft hat das Solarunternehmen im 1. Halbjahr insgesamt nur noch knapp 24 Prozent der Erlöse erwirtschaftet. Kuhlmann wies darauf hin, dass die Solarinstallationen in der Bundesrepublik aufgrund der Einschnitte bei den Solarstromtarifen stark zurückgegangen sind. Sie seien im Vergleich zum 1. Halbjahr 2012 um etwa 60 Prozent auf unter zwei Gigawatt (GW) gesunken. Der Vorstandsvorsitzende sieht für den deutschen Solarmarkt „kein Licht am Ende des Tunnels“, der deutsche Markt für große Freiflächenprojekt sei jetzt „so gut wie tot“ und in Zukunft gebe es hier nur noch ein neues Marktvolumen von zwei bis drei GW pro Jahr. Die S.A.G. werde weiter in Deutschland aktiv bleiben, aber ihren Schwerpunkt noch stärker ins Ausland verlegen und dabei vor allem ins außereuropäische Ausland.

Als für sein Unternehmen aussichtreiche Auslandsmärkte führte Kuhlmann neben der Türkei und Südafrika insbesondere Lateinamerika an. In diesen Märkten können man als Solarprojektierer unabhängig von festen Einspeisetarifen und damit unabhängig „von dummen politischen Entscheidungen“ agieren. Denn dank einer starken Sonneneinstrahlung sei es dort möglich, Solarstrom so günstig zu erzeugen, dass es sich lohne, ihn direkt an Großverbraucher zu verkaufen. Damit sammle die S.A.G. derzeit in Großbritannien wertvolle Erfahrungen. In den angesprochenen neuen Märkten gebe es viele Unternehmen mit großem Energiebedarf, für die es attraktiv sei, sich mit Solarstrom zu versorgen. Hier könne das Solarunternehmen wohl schon bald erste Vertriebserfolge melden und Einnahmen erzielen. Diese guten Aussichten seien ein wesentlicher Grund dafür, warum man an der positiven Prognose für das Gesamtjahr festhalte.

Ferner haben sich die Freiburger entschieden, Ballast abzuwerfen. So wird der defizitäre Geschäftsbereich Partnervertrieb nicht fortgeführt. Nach zwei defizitären Geschäftsjahren 2011 und 2012 und einem ebenfalls defizitären Geschäftsverlauf im 1. Halbjahr 2013 habe man sich entschlossen, den Handel mit kleinen Photovoltaik-Anlagen über Partner zu beenden, so Kuhlmann. Der anhaltende Wettbewerbsdruck auf dem deutschen Markt, auf dem der überwiegende Anteil der Partner tätig sei, die „massiven regulatorischen Änderungen und nicht zuletzt die Diskussion über Strafzölle auf chinesische Modulimporte“ hätten diesem Marktsegment die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Das zeige etwa der Umstand, dass im gesamten 1. Halbjahr 2013 von den S.A.G.-Partnern nur noch rund drei MW installiert worden seien nach 17,5 MW im 1. Halbjahr 2012. Der Halbjahresumsatz in diesem nun aufgegebenen Geschäftsbereich sei im Jahresvergleich von 15,1 Millionen auf 1,8 Millionen Euro abgestürzt, dessen EBIT-Verlust von 0,2 auf 0,9 Millionen Euro gewachsen.

In Folge des langen und sonnenarmen Winters lag der Umsatz des Geschäftsbereichs Stromproduktion der S.A.G. mit 2,9 Millionen Euro im 1. Halbjahr um 24,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das EBIT sank hier von 0,7 auf 0,3 Millionen Euro. Im Geschäftsbereich Anlagenbetrieb und Services sanken die Erlöse im 1. Halbjahr 2013 von 9,4 Millionen auf 8,5 Millionen Euro, das EBIT verringerte sich von 1,6 Millionen auf 1,4 Mio. Millionen Euro. Laut Kuhlmann hatte der Geschäftsbereich in der Vorjahresperiode noch von Vorzieheffekten in Erwartung von Einspeisevergütungsänderungen profitiert. Zudem habe die meteocontrol GmbH in die weitere internationale Expansion investiert und „damit wichtige Weichen gestellt für weiteres Umsatz- und Ergebniswachstum“.

Die Aktie der S.A.G. gab im Xetra bis heute Mittag um 3,3 Prozent auf 2,75 Euro nach. Damit hat sie sich auf Jahressicht um über 50 Prozent verteuert.

S.A.G. Solarstrom AG: ISIN DE0007021008 / WKN 702100
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