Geothermische Kraftwerke produzieren Strom und Wärme. Die Geokraftwerke.de GmbH hat eine Anleihe zum Bau solcher Anlagen in Deutschland auf den Markt gebracht. / Foto: Fotolia

04.03.15 Anleihen / AIF , Wachhund

Geothermie-Anleihe der FG.de-Gruppe wird zum Wachhund-Fall – Eingedampfte Pläne und rote Zahlen

30 Millionen Euro für den Bau geothermischer Kraftwerke hat die Geokraftwerke.de GmbH 2011 bei Anleihezeichnern eingeworben. Knapp fünf Jahre später erscheinen die Projektfortschritte eher überschaubar und einige Pläne sind deutlich geschrumpft. Dennoch sieht die Geschäftsführung „alle Zeiger auf Erfolg“. Die Anleger haben ihre Zinsausschüttungen stets pünktlich erhalten. Allerdings bleiben Fragezeichen, denn das Unternehmen schreibt bislang rote Zahlen.


Die Geokraftwerke.de GmbH gehört zum Firmengeflecht der Forever Green Holding GmbH von Wolfgang Hageleit. 30 Millionen Euro haben 3.000 Geokraftwerke.de-Anleger der FG.de-Gruppe nach eigenen Angaben anvertraut. Das Regensburger Unternehmen sammelte das Kapital über die im März 2011 gestartete Anleihe „Kraftwerke Portfolio 1“ ein. Das Wertpapier verspricht 7,25 Prozent Zinsen.

Als die Anleihe 2011 auf den Markt kam, firmierte das Unternehmen noch als Fröschl Geokraftwerke GmbH. Bis heute können Anleger investieren. So wirbt die Geokraftwerke.de GmbH auf ihren Internetseiten. Insgesamt will die Firma demnach 50 Millionen Euro zum Bau von geothermischen Kraftwerken in Bayern einwerben. Doch einige Pläne sind mit der Zeit deutlich geschrumpft und vieles steckt noch in mehr oder weniger frühen Planungsphasen.

Die FG-Gruppe arbeitet an fünf Bauvorhaben, allesamt im ländlichen Oberbayern. Das älteste und am weitesten fortgeschrittene Vorhaben befindet sich in Kirchweidach. Hier war ursprünglich ein geothermisches Kraftwerk mit rund 6,7 Megawatt elektrischer Leistungskapazität geplant, das bis 2012 gebaut werden sollte. Die FG-Gruppe geriet Anfang 2015 im Zusammenhang mit dem Vorhaben in Kirchweidach in die Schlagzeilen, weil die Pläne für die zuvor als Pionierarbeit und Vorzeige-Kraftwerk angepriesene Anlage in Sachen Stromkapazität auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe reduziert wurde.

Stromkapazität: 500 Kilowatt für Gewächshäuser statt 6,7 Megawatt für eine ganze Gemeinde

Das Erdwärme-Kraftwerk soll neben einem Fernwärmenetz auch Strom liefern. Allerdings soll die so genannte Verstromungsanlage voll ausgebaut lediglich noch über 500 KW Leistungskapazität anstatt 6,7 Megawatt verfügen – das ist rund 92,5 Prozent weniger als eigentlich gedacht. Auf Nachfrage von ECOreporter.de erklärt Geokraftwerke.de GmbH: „2011 begannen die Bohrarbeiten. Diese konnten plangerecht und ohne ungewöhnliche Vorkommnisse abgeschlossen werden. Leider stellte sich die zweite Bohrung zunächst als etwas förderschwächer heraus.“ Allerdings habe eine zusätzliche Bohrung „eine durchweg akzeptable und wirtschaftlich tragfähige Fündigkeit“ gebracht.

Regionalen Medien gegenüber hatte die Geokraftwerke.de-Geschäftsführung hierzu zuvor erklärt, die Pumpen, die für Geothermie-Kraftwerke größeren Ausmaßes nötig seien, seien noch zu störanfällig. Gegenüber ECOreporter.de verweist das Unternehmen im Zusammenhang mit dem Projekt in Kirchweidach auf die bisherigen Fortschritte: Seit Dezember 2013 werde ein großes Gewächshaus mit 12 Hektar Anbaufläche für Tomaten und Paprika mit Wärme versorgt. Der Landwirtschaftsbetrieb habe die Genehmigung, die Nutzfläche des Gewächshauses auf 9,5 Hektar zu erweitern. „Hier verschiebt sich der Fokus des Projekts in Richtung Wärmeauskopplung“, erklärt die Geschäftsführung.

Der Gemüsebauer habe Bauanträge für sieben Hektar Gewächshausanlagen gestellt. „In Abhängigkeit zur Abnahmemenge“ dieses Großkunden werde die Verstromungsanlage geplant und „voraussichtlich noch 2015“ Strom einspeisen, so das Unternehmen. „Insgesamt kann festgehalten werden, dass trotz manchmal auch widriger Umstände in der Entwicklung eines Projekts dieser Größenordnung alle Zeiger ‚auf Erfolg‘ stehen“, resümiert die Geschäftsführung den Zwischenstand in Kirchweidach.

Standortsuche läuft

Die übrigen Geothermie-Projekte der FG.de-Gruppe sind von diesem Entwicklungsstadium noch entfernt. Für ein Vorhaben in Schnaitsee, wo eine Anlage mit 4 bis 8 MW Leistungskapazität entstehen soll, erwarb sie im Dezember 2014 Grundstücke. Zwei weitere Projekte, eines das ursprünglich in Amerang geplant war und ein anderes, das in Seebruck realisiert werden soll, sind noch im Stadium der Standortsuche. In Gras am Inn plant die FG.de-Gruppe den Fokus in Richtung Wärme zu verschieben. Angedacht sei es, Gewächshäuser und Aquakulturen mit Fernwärme zu versorgen. Und in Seebruck, wo das fünfte geothermische Kraftwerk errichtet werden soll, gehe es bislang noch darum, „die geologischen Zielkorridore noch zu definieren“, erläutert die Geschäftsführung.

Trotz roter Zahlen: „Anleihezinsen in voller Höhe bezahlt“

Obwohl die Pläne mittlerweile teils deutlich verändert sind und es auch Verzögerungen gab, haben die Anleihezeichner ihre Ausschüttungen für die Jahre 2011 bis 2013 erhalten. Und das, obwohl die Geothermiewerke.de GmbH als Emittentin der Anleihe in dieser Zeit durchweg rote Zahlen schrieb. Das Unternehmen verzeichnete laut der veröffentlichten Bilanzen 2013 rund 1,14 Millionen Euro Jahresfehlbetrag. 2012 belief sich der Fehlbetrag demnach auf 1,7 Millionen Euro, und 2011 wies die Geothermie.de GmbH einen Fehlbetrag 1,6 Millionen Euro aus. „Durch die langfristige Investitionsplanung sind Jahresüberschüsse in den ersten Jahren naturgemäß ausgeschlossen“, so die Geschäftsführung.

Eigentlich werden Anleihezinsen aus den Jahresüberschüssen bezahlt. Die Geokraftwerke.de GmbH zahlte ihren Anlegern bisher ihre Zinsen in voller Höhe aus – trotz der roten Zahlen. Die Geschäftsführung habe sich „bislang bewusst zu dieser Zahlung zugunsten der Anleger entschieden“, erklärt das Unternehmen. Auf die Frage, woher das Geld komme, das den Anlegern ausgezahlt wurde, erklärt die Geschäftsführung lediglich: „Die Zinsen werden mit Mitteln des Emittenten gezahlt.“ Eine Aussage, die Raum für Spekulationen lässt. Dennoch hat die Geokraftwerke.de GmbH sich dazu auf Nachfrage bislang nicht weiter geäußert.


Die Anleihe hat keine feste Fälligkeitsfrist. Allerdings könnten die ersten Anleger bereits 2018 aussteigen, denn dann endet die siebenjährige Mindestlaufzeit für diejenigen Investoren, die 2011 eingestiegen sind. Allerdings beträgt die Kündigungsfrist ein Jahr. Zinsausschüttungen werden jeweils zum Jahresende fällig. ECOreporter.de hat das Anleiheangebot in diesem  ECOanlagecheck von April 2014 durchleuchtet und mit Blick auf die Projektrealisierungsrisiken von dem Investment abgeraten.

Derzeit erscheint unklar, wann die Geothermiekraftwerke.de GmbH Gewinne erzielt, um Zinsen aus Jahresüberschüssen zu zahlen. Auf weitere Fragen reagierte das Unternehmen mit dem Versprechen, bis zu einem bestimmten Termin zu antworten. Dieser Termin verstrich ohne Antwort. ECOreporter.de führt die Geokraftwerke.de GmbH bis auf Weiteres in der Wachhund-Rubrik.
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