Streitigkeiten um ein Geothermiekraftwerk belasten den Aktienkurs. / Foto: Unternehmen

23.09.17 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Geothermieaktie Daldrup & Söhne AG: Der Streit um das Geothermiekraftwerk Landau und die Auswirkungen auf den Kurs

Erdbeben, Bürgerinitiative, Staatsanwaltschaft – dass es in Wirklichkeit um Erneuerbare Energie geht, ist schwierig zu erkennen, sobald die Rede ist vom Geothermiekraftwerk Landau. Das Geothermiekraftwerk Landau ist ein Erdwärmekraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 3 Megawatt im pfälzischen Landau. 2007 war Betriebsstart auf dem Gelände einer ehemals französischen Kaserne. Das fast 160 Grad heiße Wasser in der 3.000 Meter unter der Erde liegenden Muschelkalkschicht soll eine Turbine antreiben, die von der Firma Ormat Technologies geliefert wurde – eine Umweltaktie. Die Turbine sorgt für Stromerzeugung, die restliche Energie geht in die Fernwärme – ein umweltfreundliches Verfahren, sollte man vermuten. Die Investitionskosten betrugen laut Wikipedia rund 21 Millionen Euro, den größten Teil verschlangen demnach die beiden Bohrungen, die für das Kraftwerk nötig waren.

Nun verkündet die geox GmbH, ein Tochterunternehmen des Bohrtechnik- und Geothermiespezialisten Daldrup & Söhne AG (ISIN DE0007830572), es plane im Rahmen des Sonderbetriebsplans für die Errichtung, Überarbeitung und die Wiederinbetriebnahme der Anlagen des Primärkreislaufsystems des Geothermiekraftwerkes Landau zur Erdwärmegewinnung in der 39. Kalenderwoche weitere, teilweise abschließende Sachverständigenprüfungen durchzuführen. Für diese und weitere Prüfungen werde die Anlage in Gesamtbetrieb bzw. Probebetrieb genommen. Das alles erfolge in Abstimmung mit den Behörden. Der Probebetrieb sei bis Ende November vorgesehen. Anschließend stehe - mit der Genehmigung durch die Behörden – der Übergang in den Regelbetrieb an. Insbesondere die neu installierten Sicherheitssysteme, die Kraftwerkssteuerung und einzelne sicherheitsrelevante Bauteile würden auf ihre Funktion im Betriebszustand (Livetest) hin geprüft. Ein TÜV-Sachverständiger begleite den Prozess, so die Daldrup- & Söhne Tochter. Eine richtig gute Nachricht also, die das Unternehmen, schließlich eine Umweltaktie, da verbreitet? Und am 26. September um 19 Uhr im Alten Kaufhaus in Landau zusammen mit dem Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz öffentlich näher erläutern wird? Wer die Hintergründe kennt, wird die Sache anders einordnen.

Geothermie macht Strom, Wärme – und vor allem Angst

Denn das Geothermiekraftwerk Landau hat zu kämpfen. Beispielsweise mit der Bürgerinitiative Geothermie Landau-Südpfalz e.V.. Sie hat sich 2009 nach Erderschütterungen gegründet. Und die soll das Geothermiekraftwerk Landau ausgelöst haben. Die Folge: Beispielsweise Gebäudeschäden. Die Schadensregulierungen seien bis heute noch nicht abgeschlossen, so die Bürgerinitiative. Im März 2014 wurde das Kraftwerk nach großflächigen Hebungen und Senkungen der Erdoberfläche abgeschaltet.

Lösen Geothermiekraftwerke tatsächlich Erdbeben aus? Und wenn ja, wie stark bebt die Erde? So, als wenn ein Lastwagen am Haus vorbeifährt – oder schwankt der Boden? In Poing hat die Bayernwerk AG erst kürzlich wegen eines Mikrobebens die dortige Geothermieanlage, die seit 2012 läuft, abgeschaltet. Auch dort soll nun ein Institut untersuchen, ob die Geothermie schuld an dem Mikrobeben in Poing war. Mitte Oktober wisse man mehr, schreibt die unabhängige Bayerische Staatszeitung.

Diverse Bürgerbewegungen kämpfen am Oberrheingraben, das ist die Region, in der Landau liegt, gegen Geothermie. Sollte die Angst vor Erdbeben durch Geothermie nun auch in Bayern stärker werden, wird es schwierig für die Geothermie in Deutschland. Und darunter würden auch Umweltaktien wie die von Daldrup & Söhne zu leiden haben. Der Präsident des Geothermie-Verbandes, Knapek, bewertet die Situation an einem Beispiel so: „Heidelberg ist die ökologischste Stadt Deutschlands und bestens geeignet für Geothermie. Doch die Fernwärme der Stadt wird dort zu 80 Prozent aus Steinkohle erzeugt und zu 20 Prozent aus Biomasse.“ Und für diese 20 Prozent habe Heidelberg eine Auszeichnung bekommen, erläuterte Knapek gegenüber der Bayerischen Staatszeitung. Dabei könnte man die Fernwärme Heidelbergs zu 100 Prozent aus geothermischer Energie erzeugen.

Fazit: Geothermie-Unternehmen wie Daldrup & Söhne haben es in Deutschland schwer. Typische Situation: Riesiger Beifall für das Pariser Klimaabkommen, aber schon gegen jedes mittelgroße Vorhaben, mit dem umweltfreundlich Strom oder Fernwärme erzeugt wird, gibt es Proteste. Teilweise berechtigt – teilweise auch nach dem Prinzip: Alles sinnvoll, aber bitte nicht in meiner Nachbarschaft. Eine Stimmung, die selbst den Aktienkurs beeinflussen kann – auch den von Daldrup & Söhne.
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