Holzpellets und Hackschnitzel zur Energiegewinnung waren Kerngeschäft der insolventen German Pellets GmbH. Auf die rund 15.000 betroffenen Anleger kommen wichtige Termine zu. / Foto: Unternehmen

18.05.16 Anleihen / AIF

German-Pellets-Anleger sollen im Juli Vertreter wählen

In das Insolvenzverfahren der German Pellets GmbH kommt Bewegung: Die Anleger der Anleihen und des Genussrechts des Pelletherstellers aus Wismar sollen sehr bald gemeinsame Interessenvertreter wählen. Erste Kandidaten bringen sich in Stellung. Zudem gibt es weitere Klagen gegen den Unternehmensgründer und ehemaligen Geschäftsführer Peter Leibold.

Das zuständige Gericht in Schwerin hat vier Termine für Gläubigerversammlungen festgelegt. Anfang Juli 2016 sind die Anleger der German Pellets GmbH dazu aufgerufen, einen gemeinsamen Vertreter im Insolvenzverfahren zu wählen. Investoren, die teilnehmen möchten, können sich noch bis Ende Juni 2016 anmelden, so das Gericht. Die Anleger können entweder persönlich teilnehmen, oder einen bevollmächtigten Vertreter schicken.

Die German Pellets GmbH hat zwischen 2011 und 2015 drei Anleihen und ein Genussrecht auf den Markt gebracht. Allein über die Anleihen sammelte German Pellets mehr als 240 Millionen Euro Anlegerkapital ein, welches das rasante Wachstum von German Pellets bis zur Insolvenz 2016 finanzieren sollte. Die Insolvenzverwaltung schätzt gegenwärtig, dass rund 15.000 Anleger von der Pleite der German Pellets GmbH betroffen sind. Das erfuhr ECOreporter.de auf Nachfrage.

Insolvenzgericht: Vier Versammlungen – Anmeldungen bis Ende Juni 2016

Zwischen dem 5. und 8. Juli 2016 sollen diese Anleger nun in vier einzelnen Versammlungen zu den jeweiligen Anleihe- und Genussrechttranchen einen gemeinsamen Vertreter wählen. Dieser soll dann im gesamten Verfahren die Interessen der Anleger im Verfahren vertreten. Ein erster wichtiger Schritt in diesem Amt wird es sein, die Forderungen der Anleger gebündelt an der Insolvenztabelle anzumelden. Weil es mehrere verschiedene Kapitalanlagen gibt, sind vier einzelne Sitzungen an aufeinander folgenden Tagen im Juli angesetzt. Deshalb ist es auch möglich, dass mehrere gemeinsame Vertreter gewählt werden, die dann die Interessen „ihrer“ jeweiligen Anlagetranche vertreten.
Die erste Versammlung ist für Dienstag, 5. Juli 2016, um 10:30 Uhr angesetzt. Dort sollen die Investoren der Anleihe von 2011 zusammenkommen (ISIN DE000A1H3J67 / WKN A1H3J6). Das ist die Anleihe mit 7,25 Prozent Verzinsung, die ursprünglich Anfang April 2016 zur Rückzahlung fällig gewesen wäre. Am Mittwoch, 6. Juli 2016, ebenfalls um 10:30 Uhr folgt die Versammlung der Gläubiger der Anleihe von 2013 (DE000A1TNAP7 / WKN A1TNAP) Auch dieses Wertpapier ist mit 7,25 Prozent verzinst. Es wäre 2018 zur Rückzahlung fällig. Tags drauf am  Donnerstag, 7. Juli 2016, um 10:30 Uhr ist die Versammlung der Anleihe 2014/2019 (ISIN DE000A13R5N7 / WKN A13R5N) anberaumt. Auch für diese Anleihe war ein Zinsatz von 7,25 Prozent festgelegt. Am Freitag, 8. Juli 2016 ebenfalls um 10.30 treffen sich schließlich die Gläubiger des Genussscheins von 2015 (ISIN DE000A141BE2 WKN A141BE).

German-Pellets-Insolvenz: Kandidaten bewerben sich um Amt des Gläubigervertreters

Alle vier Versammlungen finden laut Gerichtsbeschluss in der Sport- und Kongresshalle Schwerin, Wittenburger Str. 118, 19059 Schwerin statt. Weil die Anleger nachweisen müssen, dass sie stimmberechtigt sind, ist jeweils bereits um 8.30 Uhr Einlass. Vorab zur Teilnahme anmelden können sich die Gläubiger schriftlich bei der STP Solution GmbH, Lorenzstraße 29, 76135 Karlsruhe, Fax: +49 (0)721 / 82815-209, Betreff: "German Pellets Gläubigerversammlungen".  Für die Wahlen bringen sich bereits erste Kandidaten in Stellung. So kündigte beispielsweise der Jurist Christian H. Gloeckner von der Kanzlei G&P Gloeckner Fuhrmann Nentwich Rechtsanwaltsgesellschaft mbH aus Nürnberg seine Kandidatur als gemeinsamer Vertreter für alle drei Anleihen an.
Obwohl die Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde bereits Käufer für drei Werke von German Pellets gefunden hat, gelten die Aussichten der Anleger auf Rückflüsse aus dem Insolvenzverfahren als schlecht (ECOreporter.de  berichtete). Das gilt auch weil die Insolvenzverwalterin Masseunzulänglichkeit angezeigt hat. Das heißt, es ist zu wenig Kapital bei German Pellets vorhanden um den Aufwand des Verfahrens zu stemmen.

Prospekthaftung: German-Pellets-Gründer Peter Leibold verklagt

Unterdessen wurde bekannt, das Anwälte inzwischen auch wegen möglichen Prospektfehlern gegen den Gründer und ehemaligen Geschäftsführer Peter Leibold klagen. Das hat die Kanzlei CLLB Rechtsanwälte gemeldet. Die Juristen sind demnach der Auffassung, dass in den Prospekten zu den Anleihen „wesentliche Risiken nicht oder fehlerhaft dargestellt“ seien und dass Peter Leibod direkt verantwortlich für den Inhalt der Geldanlageprospekte sei. Zuvor schon hatte es Anzeigen gegen den ehemaligen Geschäftsführer wegen des mutmaßlichen Anlagebetrugs gegeben. Das hatte die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen.
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