Hackschnitzel aus der Pelletsproduktion von Gemran Pellets. / Foto: Unternehmen

10.02.16 Anleihen / AIF

German Pellets stellt Insolvenzantrag – was Anleger beachten müssen

German Pellets hat einen Insolvenzantrag gestellt. Der Hersteller und Händler von Pellets und Hackschnitzeln strebt eine Insolvenz in Eigenregie an. Dazu ist Frank Günther von der Münchner Beratungsgesellschaft One Square Advisors als verantwortlicher Sanierungsexperte eingestiegen. Ein Ziel sei es, den Geschäftsbetrieb während des gesamten Verfahrens aufrecht zu erhalten, teilt German Pellets mit. Eigentlich sollten heute in Wismar die Anleger der German-Pellets-Anleihe von 2011 zusammenkommen, um über die Verlängerung der Laufzeit der Anleihe zu schlechteren Konditionen abzustimmen (Worum es im Detail ging und welche Probleme German Pellets hat lesen Sie  hier). Stattdessen hatte German Pellets die Veranstaltung gestern kurzfristig abgesegt und meldete heute am Amtsgericht Insolvenz an.

Ob German Pellets den anvisierten Weg mit der One Square Advisors GmbH als Berater an ihrer Seite so gehen kann, entscheidet das zuständige Insolvenzgericht. Diese Entscheidung werde in Kürze erwartet, teilt German Pellets mit. Frank Günther ist unter anderem auch Gläubigervertreter im Insolvenzverfahren der Windreich GmbH (lesen Sie dazu dieses  Interview).  German Pellets sei „ein im Kern zukunftsfähiges Unternehmen“, erklärt der Sanierungsexperte.  Die Anlegerschützer der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sehen das anders. Sie kritisierten German Pellets in den vergangenen Wochen schwer und forderten unter anderem den Rücktritt der Geschäftsführung (mehr lesen Sie  hier). Zusätzlich gab es Berichte über  Probleme am US-Kapitalmarkt. Der Insolvenzantrag ist der vorläufige Höhepunkt einer Krise die im Januar 2016 mit dem rasanten Fall der Börsenkurse von drei der vier German-Pellets-Wertpapieren begonnen hatte. Lange erklärte German Pellets, es gäbe „keine nachvollziehbaren Gründe“ für die Negativspirale. Heute nun nannte das Unternehmen den Ölpreisverfall und dessen Wirkung auf die Pelletpreise als maßgeblichen Grund.

Düstere Aussichten für Anleger


Von der Insolvenz sind zahlreiche institutionelle Investoren und Kleinanleger betroffen. Über zwei Genussrechtstranchen und drei Anleihen hat German Pellets zwischen 2010 und 2014 rund 242 Millionen Euro bei Anlegern eingeworben.  Die Situation aller dieser Anleger ist schwierig.  Die Chancen der Genussrechte-Anleger auf Geldrückflüsse aus der Insolvenz stehen dabei schlechter als die der Anleihegläubiger. Denn die Schulden von German Pellets gegenüber den Genussrechteinhabern sind nicht besichert. Zudem werden sie gegenüber denen anderer Gläubiger nachrangig behandelt. Darauf wies German Pellets in den Verkaufsprospekten der Geldanlagen hin.

Die Situation der Anleihe-Anleger sieht besser aus. Sie zählen im Fall von German Pellets zu einer der größten Gläubigergruppen. Die Fachanwälte der Kanzlei Göddecke empfehlen den Anleihegläubigern zu kündigen: „Die Anleger kommen so in die rechtliche Position eines Gläubigers und können Ihre Forderung beim Insolvenzverwalter anmelden.“ Innerhalb des Insolvenzverfahrens müssen Anleihegläubigerversammlungen stattfinden, so die Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte weiter. Zunächst werde es unter anderem darum gehen, einen Gläubigerausschuss beziehungsweise einen „Gemeinsamen Vertreter“ der Interessen der Anleihegläubiger einzusetzen.

Wie hoch die Verluste sind, mit denen die Anleger rechnen müssen, ist noch völlig offen. Aus Anlegersicht problematisch: German Pellets hat eine sehr komplexe Unternehmensstruktur mit 27 Tochterunternehmen. Einige Werke, insbesondere zwei große Pellet-Fabriken in den US-Bundesstaaten Texas und Louisiana, gehören aber nicht zu der Unternehmensgruppe, damit werden sie nicht Teil der Insolvenzmasse.
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