11.07.08 ECOanlagecheck

Geschlossener Fonds LB-Solar-Betriebs KG plant Zehn-Megawatt-Solarprojekt in Spanien – Ein profitables Angebot für Investoren?

Das neue Angebot basiere „auf einem geplanten und genehmigten 120 MW Projekt in den spanischen Provinzen Valencia und Castilla la Mancha und den dazugehörigen Gutachten“, so LB Solar. Nähere Informationen dazu, wo der Solarpark genau liegt, bietet der Emissionsprospekt nicht. Im Kapitel 'Risikohinweise' des Prospekt findet sich allerdings der Vermerk, dass „auf Grund der hier vorliegenden Beteiligungskonzeption die PV-Anlagen erst nach Erreichen der Eigenkapitalquote errichtet würden“. Da nicht konkret festliegt, was und wann gebaut wird oder gebaut wurde, handelt es sich bei der LB-Solar-Betriebs KG um ein Blind-Pool-Angebot.

Zusätzlich zum Eigenkapital soll der Fonds 40,7 Millionen Euro Fremdkapital aufnehmen.

Rechtliche Konstruktion
Der Anleger wird im ersten Schritt Kommanditist der LB-Solar-Betriebs KG. Nach Erreichen von zirka jeweils 1,272 Millionen Euro Eigenkapital soll eine spanische GmbH&Co.KG gegründet werden. Insgesamt sind zehn GmbH&Co.KG geplant. Die Kommanditanteile aus der LB-Solar-Betriebs KG werden anschließend in die jeweilige GmbH&Co.KG überführt und im örtlichen spanischen Handelsregister eingetragen.
Die Einlage des Anlegers muss im ersten Schritt auf ein Treuhandkonto eingezahlt werden. Treuhänder ist der Buchprüfer und Kaufmann Hans-Peter Hehn, Berlin.

Zum ursprünglichen Verkaufsprospekt für den Fonds vom 4. Januar 2008 haben die Initiatoren zum 1. April 2008 einen Nachtrag veröffentlicht. Dieser enthält in mehr als 60 Einzelpunkten Änderungen des ursprünglichen Angebots. Alfred Lorenz, Geschäftsführer von LB-Solar, verweist gegenüber ECOreporter.de allerdings darauf, dass es letztlich um Änderungen in elf Punkten gehe. „Aufgrund von Auflagen des BaFin sind die Änderungen an zirka 60 Stellen nachzulesen“, so Lorenz.

Eigenkapitalhöhe, Platzierungsgarantie und Mittelverwendungskontrolle
Für das Eigenkapital in Höhe von 12,72 Millionen Euro gibt es keine Platzierungsgarantie. Laut Prospekt wird der Gesamtbetrag zurückerstattet, wenn die zur Finanzierung einer PV-Anlage erforderliche Eigenkapitalquote in Höhe von 1,272 Millionen Euro nach zwölf Monaten nicht erreicht wurde. Bei einer Zahlungsunfähigkeit der Emittentin würden lediglich 80 Prozent Beteiligungsbetrages plus der Anlagezinsen in Höhe von zirka drei Prozent zurückerstattet.

Die Mittelverwendungskontrolle übt der Treuhänder Hehn aus.

Fondsnebenkosten
Die Weichkosten belaufen sich auf insgesamt 3.505.000 Euro. Darin sind enthalten:

-    Gründungs- und Platzierungskosten für die LB-Solar-Betriebs KG in Höhe von 2.555.000 Euro.
-    Gründungs- und Vorlaufkosten für die zehn GmbH&Co.KG in Höhe von je 95.000 Euro. Davon entfallen laut Lorenz 50.000 Euro auf die Kosten für die Zwischenfinanzierung.

Bezogen auf die Gesamtinvestition von 53,445 Millionen Euro errechnet sich eine Weichkostenquote von 6,56 Prozent. Bezogen auf das Eigenkapital in Höhe 12,735 Millionen Euro beträgt die Weichkostenquote 27,52 Prozent. Bei vollständiger Platzierung des Fonds kommen Kosten für das fünfprozentige Agio in Höhe von 636.000 Euro hinzu.

Laufzeit und Ausschüttung
Die Laufzeit des Fonds beträgt 25 Jahre. Die prognostizierte Ausschüttung beläuft sich auf 364 bis 392 Prozent. Darin sind die zu Beginn des Fonds einbezahlten 100 Prozent Einlage enthalten. Der prognostizierte Gewinn des Anlegers beläuft sich demnach auf 264 bis 292 Prozent. Laut Emissionsprospekt entspricht dies einer effektiven Verzinsung über 25 Jahre in Höhe von 9,71 bis 11,71 Prozent.

Zum Verlauf der Ausschüttungen trifft der Emissionsprospekt die Aussage: „Die Zinskonditionen (Ausschüttungen) werden zukünftig an den zu erwartenden spezifischen Jahresertragswert angepasst und jährlich mit dem Geschäftsbericht veröffentlicht.“ Und an anderer Stelle: „Rückzahlung der Beteiligung: 167 Prozent nach Beendigung der Gesamtlaufzeit, falls keine Teilentnahmen in Anspruch genommen wurden.“

Technik und Erträge
Die Hardware, die zum Einsatz kommen soll, ist im Emissionsprospekt nicht bezeichnet. Auch Komponentenlieferanten für Solarmodule oder Wechselrichter für Anlagen und Garantiegeber sind im Prospekt nicht benannt. Wie Lorenz im Gespräch mit ECOreporter.de berichtet, ist Teil der erforderlichen Komponenten mittlerweile entweder vertraglich geregelt oder unterschriftsreif. Die Module sollen demnach von der US-amerikanischen First Solar kommen (First Solar CTS-272). Die Wechselrichter werde die deutsche SMA Solar Technology AG liefern.

Offen lassen die Initiatoren, wer den Solarpark baut, ob beispielsweise ein Unternehmen als Generalübernehmer (GÜ) für den Bau der Anlagen verpflichtet wurde. Auf Nachfrage erklärt Lorenz, es würden Vorgespräche mit der Beck Energie als GÜ geführt.

Hinsichtlich der Ertragsgutachten heißt es im Emissionsprospekt unter §9 Abs. 2 Nr. 6-7 VermVerkProspV: „Die Einstrahlungsdaten wurden den örtlichen Datenbanken des Spanischen Wetterdienstes entnommen und mit der mittleren Globalstrahlung der Jahre 1981 bis 2000 verrechnet.“ Für die Finanzierung werde ein zusätzlicher Sicherheitsabschlag von drei Prozent empfohlen. Weiter heißt es, die vorgenannten Kriterien zur Ertragskalkulation basierten auf Referenzen von Ertragsgutachten bereits am Netz befindlicher PV-Anlagen (z.B. Algoroba Costa, östlich von Malaga).


Ökologische Wirkung
Da es sich um ein Blind Pool-Angebot handelt, kann zur ökologischen Wirkung keine Aussage getroffen werden.

Risiko
Dem Emissionsprospekt ist nicht zu entnehmen, ob die Initiatoren bereits Beteiligungsprojekte im Bereich der Erneuerbaren Energien aufgelegt haben. Der Prospekt enthält keine Leistungsbilanz.

Aus den Unterlagen geht nicht hervor, ob eine Netzeinspeisezusage vorliegt und wer die Gutachten für den Fonds erstellt hat. Nach Angaben von Lorenz gegenüber ECOreporter.de wurde die Smile Energie s.l. aus Madrid mit dem Ertragsgutachten beauftragt

Zur Finanzierung des Fremdkapitals enthält der Prospekt keine genaueren Angaben, also auch nicht zu einer Finanzierungszusage einer Bank.

Für die Solarkraftwerke sollen den Angaben zufolge „verschiedene Versicherungen“ abgeschlossen werden, darunter eine All-Gefahren-Versicherung gegen z.B. Sturm, Hagel und Vandalismus (incl. Betriebsunterbrechung). Bei welchem Versicherungsunternehmen dies geschehen soll, geht nicht aus dem Prospekt hervor. Lorenz gibt auf Nachfrage an, dass die Versicherungen mit der Gothaer abgeschlossen würden.

Fazit:

Finanziell
Das Angebot der LB-Solar-Betriebs KG weist zahlreiche Schwachpunkte auf: Es handelt sich um eine Blind-Pool-Konstruktion. Der Anleger wird Kommanditist einer spanischen GmbH&Co.KG, das könnte die Durchsetzung etwaiger Ansprüche an die Gesellschaft erschweren oder zumindest verkomplizieren. Durch den umfangreichen Nachtrag fällt es schwer, sich ein genaues Bild des Angebotes zu machen. Weder der Emissionsprospekt noch der Nachtrag enthalten eine Sensitivitätsanalyse. Mehr als die Hälfte des prognostizierten Gewinns sollen erst zum Ende der Laufzeit des Fonds ausgeschüttet werden. Das erhöht das Risiko des Anlegers. Die Initiatoren legen keine Leistungsbilanz vor, sie weisen auch keine einschlägige Kompetenz im Bereich von Solarstromprojekten im Ausland nach. Es wurde nur ein Ertragsgutachten in Auftrag gegeben, bei Projekten dieser Größenordnung gelten zwei Gutachten als Standard. Der Anbieter nennt keine Details zur Sicherung und den Konditionen der Fremdfinanzierung.


Nachhaltigkeit
Da es sich um ein Blind Pool-Angebot handelt, kann hierzu keine Aussage getroffen werden.

ECOreporter.de-Empfehlung
Aufgrund der Blind-Pool-Konstruktion und anderer Mankos wird von einer Zeichnung abgeraten.


Wichtige Mitteilung der Initiatorin:

Wie LB-Solar aus aktuellem Anlass mitteilt, wird der Vertrieb des Fonds kurzfristig auf Eis gelegt. Die bereits eingereichten Zeichnungsscheine würden auf Grund der derzeitigen politischen Gegebenheiten in Spanien nicht angenommen, heißt es in einem Schreiben von LB-Solar an seine Vertriebspartner. Eingezahlte Beträge verblieben komplett auf dem Treuhandkonto. Nach endgültiger Klärung der neuen Daten und Fakten werde man entweder einen weiteren Nachtrag zum bestehenden Prospekt oder einen komplett neuen Prospekt auflegen, so LB-Solar.

Über die neuen Pläne der spanischen Regierung für die Vergütung von Solarstrom berichteten wir unter anderem heute in einem Beitrag, zu dem Sie per Mausklick gelangen.

Basisdaten
Anbieter: Lorenz-Brauckmüller-Solar-Betriebs KG (LB-Solar-Betriebs KG)
Fondsname: LB-Solar-Betriebs KG
Firma der Fondsgesellschaft: LB-Solar-Betriebs KG
Rechtsform: GmbH & Co. KG
Treuhänder: Vereidigter Buchprüfer und Dipl.-Kaufmann Hans-Peter Hehn, Berlin
Fondswährung: Euro

Gesamtinvestitionsvolumen (ohne Agio) : 53,445 Millionen Euro
Eigenkapitalvolumen (ohne Agio) : 12,72 Millionen Euro
Mindestzeichnungssumme : 2.500 Euro
Gesamtinvestitionsvolumen (inklusive Agio) : 54,08 Millionen Euro
Agio: 5 Prozent
Agio: 636.000 Euro

BaFin Gestattung: Ja
Leistungsbilanz des Anbieters: k.A.
IDW-Prospektprüfungsbericht:
Mittelverwendungskontrolle: Vereidigter Buchprüfer und Dipl.-Kaufmann Hans-Peter Hehn, Berlin

Generalübernehmer: offen
Kaufmännische und technische Betriebsführung: k.A.

Investition je KWp: durchschnittlich 5.408 Euro (Prognose)
Ertragsgarantie: Nein
Degradation der Module: 0,5 Prozent p.a.
Sensitivitätsanalyse: Nein

Anteile handelbar: Ja
Prüfung der künftigen Jahresabschlüsse durch Wirtschaftsprüfer: Nein
Versicherungen: k.A.
Sicherungssysteme: k.A.



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