02.07.09 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

Geschlossener Fonds will in Photovoltaik, Umwelttechnologien und Klimaschutz investieren – sonnige Aussichten für Anleger?

Ein neuer geschlossener Fonds sammelt aktuell Kapital für Investitionen in Photovoltaik, Umwelttechnologien und Klimaschutz: Der „Klima Rendite Fonds 1“ will sich an jungen und innovativen Unternehmen beteiligen. Anleger können sich ab 15.000 Euro an dem Projekt beteiligen, plus 5 Prozent Agio. Verspricht das Konzept sonnige Ergebnisse? ECOreporter.de hat den Fonds geprüft und gibt eine Empfehlung.

Initiatorin des Klima Rendite Fonds ist die Dresdner Picard Solar GmbH. Sie ist auch geschäftsführende Komplementärin der Fondsgesellschaft und übernimmt das Management. Die Idee der Dresdner: Den meist mittelständisch strukturierten Firmen der europäischen Umwelttechnologiebranchen fehle der Zugang zu ausreichend Kapital. Der Klima Rendite Fonds werde gezielt in Unternehmen der Branche investieren, die sich durch ein hohes Zukunfts- und Wachstumspotential auszeichnen. Welche Unternehmen das sein werden, steht nicht fest. Es handelt sich somit um ein Blind-Pool-Angebot. Man werde insbesondere Venture-Capital-Beteiligungen eingehen, heißt es, also Direktbeteiligungen an Unternehmen, die sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden.

Das geplante Emissionsvolumen beträgt 60 Millionen Euro. Der Klima Rendite Fonds ist ein reiner Eigenkapitalfonds. Ab einem Mindestkapital von einer Million Euro können laut Picard Solar einzelne Bausteine des Anlagekonzeptes umgesetzt werden. Die Platzierung soll bis zum 30. Juni 2010 erfolgen, kann aber um maximal ein Jahr verlängert werden. Dabei sollen erstmalig ab dem Geschäftsjahr 2011 Ausschüttungen geleistet werden. 
Die Gewinne für den Fonds sollen durch Gewinne der Unternehmen entstehen, an denen er sich beteiligt, zusätzlich aus dem Verkauf von Beteiligungen.


Rechtliche Konstruktion

Anleger beteiligen sich an der Klima Rendite GmbH & Co. Fonds 1 KG. Möglich ist die direkte Beteiligung als Kommanditist oder die indirekte Beteiligung als Treuhandkommanditist. Als Treuhandkommanditistin wurde die a.con Steuerberatungsgesellschaft mbH, Dresden, beauftragt.


Fondsnebenkosten

Die Fondsnebenkosten oder Weichkosten addieren sich laut dem Emissionsprospekt zum Klima Rendite Fonds bei Vollplatzierung auf insgesamt 11,9 Millionen Euro, das entspricht 18,89 des Gesamtinvestitionsvolumens inklusive Agio (63 Millionen Euro). Für die Investments in Unternehmen sind bis zu 50,62 Millionen Euro eingeplant. Bei kompletter Zeichung des Fonds beträgt die Substanzquote somit 80,35 Prozent., 

Die größten Positionen bei den Weichkosten entfallen auf das Agio (3,0 Millionen Euro; 4,76 Prozent) und die Provision für die Eigenkapitalvermittlung (6,0 Millionen Euro; 9,52 Prozent). Die Komplementärin Picard Solar vereinnahmt laut der Planung insgesamt 10,8 Millionen Euro für verschiedene Leistungen, darunter die Eigenkapitalvermittlung.


Platzierungsgarantie und Mittelverwendungskontrolle

Es gibt keine Platzierungsgarantie. Wenn es den Initiatoren nicht gelingt, bis zum Ende der geplanten Zeichnungsfrist mindestens eine Millionen Euro Kapital einzuwerben, kann die Gesellschaft durch den Mittelverwendungskontrolleur rückabgewickelt werden. Dabei gehen die Fondsnebenkosten für die Anleger verloren. Bei einer Mindestzeichnungssumme in Höhe von 15.000 Euro plus 750 Euro Agio, würde ein Investor in diesem Fall fast 3.000 Euro verlieren.

Als Mittelverwendungskontrolleur wurde der Dresdener Wirtschaftsprüfer Thomas Michael beauftragt.


Risiko

Der Komplementärin Picard Solar kommt eine Schlüsselfunktion im Konzept des Fonds zu. Inwiefern das Unternehmen über einschlägige Erfahrungen im Bereich der Solarenergie oder im Geschäft mit Venture Capital Investments verfügt, ist nicht ersichtlich. Eine Leistungsbilanz findet sich weder im Emissionsprospekt des Klima Rendite Fonds noch auf der zugehörigen Opens external link in new windowInternetseite.

Auch die im Prospekt skizzierten Berufsbiographien der beiden führenden Personen der Fondsgesellschaft lassen nicht erkennen, inwiefern sie über ausreichende Kompetenz im schwierigen Geschäftsfeld Venture Capital verfügen. Ulrich Vollmers, Geschäftsführer der Picard Solar, hat demnach Pädagogik, Kunstgeschichte und Romanistik studiert. Später sei er im Bereich Finanzdienstleistungen und Immobilienverkauf sowie Kunstberatung und -vermittlung tätig gewesen. Seit 2007 lägen seine Schwerpunkte im Bereich Beratung und Projektentwicklung Erneuerbarer Energien und Umwelttechnologien. Konkrete Projekte, an denen Vollmers erfolgreich mitgearbeitet habe, werden nicht genannt. 

Reiner Dietze, geschäftsführender Kommanditist des Klima Rendite Fonds, ist den Angaben zufolge Dr. Ing. mit Studienschwerpunkt Energietechnik. Ab 2002 habe er sich mit einem eigenen Beratungsunternehmen auf den Gebieten Photovoltaik, Windenergie, Wärme-Kraft-Koppelung und Wasseraufbereitung spezialisiert. Konkrete Projekte Dietzes werden nicht genannt.

Das Management des Fonds soll bei seinen Investitionsentscheidungen durch einen Anlageausschuss unterstützt werden. Laut Geschäftsordnung des Anlageausschusses trifft dieser sich „mindestens einmal jährlich“ und „bei Bedarf“. Mitglieder sind drei Hochschulprofessoren aus Dresden, Leipzig und Berlin. Gemeinsam mit dem Anlageausschuss habe man zehn Investitionskriterien entwickelt, heißt es im Emissionsprospekt. Diese sind jedoch allgemein formuliert: So wird beispielsweise ein „erfolgversprechendes und schlüssiges Unternehmenskonzept“ verlangt. Konkrete Projekte, an denen die Professoren in der Vergangenheit mitgearbeitet haben, werden nicht genannt.

Im Vergleich zu Anbietern vergleichbarer Beteiligungen wird der Qualitätsunterschied zum Klima Rendite Fonds deutlich: So arbeitet die Hildener Ökorenta AG, die selbst über einschlägige Erfahrungen im Bereich der Erneuerbaren Energien verfügt, für ihren Fonds Ökorenta Zukunftsenergien I mit den Schweizer Investmentberatern Bank Sarasin & Cie AG und Remaco Merger AG zusammen. Die Wölbern Invest AG aus Hamburg investiert zwischen 50 und 75 Prozent des Kapitals ihres Fonds Wölbern 03 ProKlima in so genannte „Zielfonds“. Diese professionellen Beteiligungsgesellschaften, engagieren sich wiederum bei jeweils 10 bis 15 Unternehmen. Insgesamt streut der Anleger auf diese Weise seinen Einsatz. Der Chorus Clean Tech Equity 2 der Münchener Chorus Gruppe schließlich setzt ganz auf die Beteiligung an Zielfonds von Beteiligungsgesellschaften mit einem guten Track Record (Nachweis von Erfolgen und Erfahrungen im jeweiligen Marktsegment). 


Fazit: 

Finanziell


Der fokussierte Investmentschwerpunkt des Klima Rendite Fonds erfordert gute Branchenkenntnisse und große Management-Erfahrung. Diese weisen die Initiatoren nach Einschätzung von ECOreporter.de nicht im notwendigen Umfang nach. 

Negativ fällt zudem die geringe Diversifikation des Fonds ins Gewicht. Durch die Beschränkungen auf Einzelengagements, deren Anzahl naturgemäß beschränkt bleibt, steigt das Risiko.


ECOreporter.de-Empfehlung

Die Risiken des Klima Rendite Fonds stehen in einem Missverhältnis zu den Chancen des Fonds. Anleger, die in dieses aussichtsreiche Geschäftsfeld investieren wollen, sollten eher die Fonds Chorus CleanTech Equity 2 KG, Ökorenta Zukunftsenergien I und Wölbern 03 ProKlima ins Auge fassen.

Lesen Sie auch die ECOreporter.de-Anlagechecks zu diesen Beteiligungsangeboten:

Opens external link in new windowChorus CleanTech Equity 2 KG


Opens external link in new windowÖkorenta Zukunftsenergien I


Opens external link in new windowWölbern 03 ProKlima



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