06.07.12 Anleihen / AIF

Geschlossener Italien-Solarfonds vor dem Aus - Rückabwicklung vorgeschlagen



Der geschlossene Solarfonds Enrexa Azzurro Uno UG & Co. KG sollte Photovoltaikanlagen in Mittel und Süditalien erwerben. Geplant war, von Anlegern 15 Millionen Euro Eigenkapital einzuwerben und diese Eigenkapitalquote bei Bedarf gar auf 25 Millionen Euro zu erweitern. Weiteres Kapital wollte die Emittentin bei Großinvestoren als Fremdkapital einsammeln.

Aber diese Pläne haben sich zerschlagen. Wie ECOreporter.de heute auf Nachfrage erfuhr, soll hat die Geschäftsführung den Investoren die Rückabwicklung des Solarfonds vorgeschlagen. Im Umlaufverfahren seien sie informiert und um Zustimmung gebeten worden, erläuterte Enrexa-Geschäftsführer André Werth. Bis Ende Juli werde die Entscheidung darüber fallen. Auf Nachfrage räumte er ein, dass es nicht gelungen sei, genügend Kapital für den Fonds einzusammeln, um die angestrebten Investitionen in Photovoltaikprojekte zu tätigen.

Der Azzurro Uno stand fast von Anfang an unter keinem guten Stern. Zum Emissionsstart galt Italien aufgrund hervorragender natürlicher Bedingungen und einer attraktiven Einspeisevergütung mit langfristig festen Tarifen als sehr aussichtsreicher Standort für Photovoltaikprojekte. Sie hatten dazu geführt, dass das Land in Kürze zu einem der wachstumsstärksten Solarmärkte aufstieg. Enrexa Capital Investors beteiligt sich nach eigenen Angaben auch selbst mit 250.000 Euro an dem Fonds.

Bereits im März 2011 musste Enrexa den Vertrieb des Italien-Solarfonds auf Eis legen. Das Emissionshaus begründete dies mit der Ankündigung der italienischen Regierung, ab Sommer 2011 ein neues Tarifsystem zur Vergütung von Solarstrom einzuführen. Damit seien wesentliche Aussagen im Prospekt zum Beteiligungsangebot die Grundlagen entzogen, hieß es dazu. André Wreth damals gegenüber ECOreporter.de: „Wir können kein Produkt anbieten, dessen neue Konditionen wir selbst noch nicht kennen.“

Erst im Juni konnte Enrexa Capital Investors den Vertrieb des Azzurro Uno wieder aufnehmen. Denn erst nach einem Monate währendem Hin und Her erreichte die italienische Politik eine Verständigung für die neuen Solarstromtarife. Erst nachdem Klarheit über das neue Vergütungssystem hergestellt war, konnte die Initiatorin einen Prospektnachtrag erstellen und wieder den Vertrieb aufnehmen.

Doch weil die Debatte über die Umgestaltung des italienischen Vergütungssystems für Solarstrom sehr chaotisch verlaufen war, zum Beispiel von der Regierung ausgerufene Fristen für eine Einigung bzw. Erklärungen von ihr über eine Einigung desöfteren widerrufen wurden, ging viel Vertrauen in den Standort Italien verloren. Hinzu kam, dass dann die Euro-Krise immer bedrohlicher wurde und das hoch verschuldete Italien in den Ruf geriet, womöglich aus der Euro-Zone ausscheiden zu müssen. Noch heute ist die wirtschaftliche Zukunft des Landes ungewiss und ist es für Investoren schwierig, für Projekte in dem Land von Banken Fremdkapital zu erhalten. Für viele Finanzinstitute sind Darlehen in Krisenländern wie Italien derzeit tabu.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht wirklich, dass ein auf Italien ausgerichteter Solarfonds scheitert. Doch was bedeutet es, wenn der Azzurro Uno rückabgewickelt wird? Und was konkret zu diesem Scheitern geführt? Die Antworten auf diese Fragen von ECOreporter.de blieb Wreth schuldig. Er erklärte dies damit, dass er nicht in den Prozess des Umlaufverfahren, also die Abstimmung der Anteilseigner über den Antrag auf Rückabwicklung, eingreifen könne. Erst wenn die Entscheidung gefallen sei, könne er sich dazu äußern.

Bildhinweis: André Wreth. / Quelle: Enrexa Capital Investors


Bei einer Fondslaufzeit von rund 20 Jahren hatte Enrexa den Investoren 265,24 Prozent Gesamtausschüttung in Aussicht gestellt. Sie konnten ab 10.000 Euro zuzüglich 3 Prozent Agio einsteigen. Grundsätzlich müssten sie bei einer Rückabwicklung das eingesetzte Kapital zurück erhalten. Aber zuweilen sind bei einem geschlossenen Fonds vor der Rückabwicklung Kosten angefallen, auch wenn das angestrebte Investitionsziel nicht erreicht wurde und eine Rückabwicklung stattfindet. Faktoren wie Aufwendungen für den Verkaufsprospekt und Nachträge dazu, die Suche nach Investitionsobjekten, die Beauftragung von Gutachtern und anderen Experten für die Prüfung möglicher Investitionsobjekte und weiterer Verwaltungsaufwand oder Kreditzinsen für aufgenommene Darlehen können dazu führen, dass bereits größere Mengen des eingeworbenen Eigenkapitals verbraucht wurden und nicht mehr an die Investoren zurückgegeben werden können. Im Fall des Azzurro Uno muss es nicht dazu kommen. Aber derzeit gibt Enrexa hierzu laut Wreth keine Informationen heraus.
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