27.07.11 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Gewinneinbruch, Aktienrückkäufe, ein Investor auf der Lauer - was tut sich beim Bahntechnikkonzern Vossloh?

Die Meldung kommt recht unscheinbar daher. In einer Pflichtmitteilung gab der Bahntechnikonzern Vossloh AG bekannt, dass er bereits erworbene eigene Aktien einziehen und zudem eigene Aktien zurückkaufen will. Das Rückkaufsvolumen entspreche rund 1,5 Millionen Aktien des Konzerns und damit etwa zehn Prozent der nach Einziehung ausstehenden Vossloh-Aktien. Den Rückkauf will das Unternehmen aus Werdohl bis spätestens zum 30. Juni 2012 abschließen.

In der Tat wehrt sich das Unternehmen damit gegen den Versuch von Heinz Hermann Thiele, Eigentümer des Münchner Schienenfahrzeugtechnologie-Zulieferers Knorr-Bremse, seinen Einfluss auf Vossloh zu verstärken. Den der hatte zuletzt seine Beteiligung an der Bahntechnikspezialistin innerhalb kurzer Zeit um knapp elf Prozent auf 15,29 Prozent gesteigert. Dafür konnte er einen zwischenzeitlichen Kurssturz der Vossloh-Aktie ausnutzen, nachdem Vossloh Anfang Juli eine Gewinnwarnung herausgegeben hatte. Thiele hat angekündigt, in den kommenden zwölf Monaten weitere Anteile zu erwerben. Er strebe ein „langfristiges strategisches Engagement“ an.

Die aktuellen Maßnahmen von Vossloh dürften es ihm nun deutlich erschweren, auf dem Markt weitere Anteilsscheine zu erwerben. Denn sie verteuern die Aktien. Vor allem aber wird eine mögliche feindliche Übernahme des Unternehmens unwahrscheinlicher. Weil sich durch den Einzug der Anteilsscheine der Streubesitz verringert und der Anteil der Vossloh-Familie auf 34 Prozent anwächst.

Heute früh hat Vossloh schwache Halbjahreszahlen veröffentlicht. Nach der Gewinnwarnung vor einigen Wochen konnten sie jedoch nicht negativ überraschen, so dass die Aktie nur geringfügig nachgab. Laut den offiziellen Zahlen hat sich der Konzerngewinn im ersten Halbjahr auf 27,1 Millionen Euro nahezu halbiert. Das operative Ergebnis (EBIT) sank um 44,7 Prozent auf 44,5 Millionen Euro, der Umsatz um rund 18 Prozent auf 561,5 Millionen Euro.

Schon bei der Gewinnwarnung hatte der Bahntechnikkonzern erklärt, dass Wechsel an der Spitze des chinesischen Eisenbahnministeriums eine Reihe von Projekten zu Verschiebungen geführt haben, für die bei Vossloh Ausrüstung geordert worden sei. Zudem hätten sich auch in Russland die Bestellungen von Schienenbefestigungen verzögert - aufgrund von „technischen Problemen anderer Projektbeteiligter“.

„Unsere Geschäftsperspektive ist kurzzeitig beeinträchtigt“, sagte Werner  Andree, Vorstandssprecher der Vossloh AG, heute dazu. Er sei „sehr  zuversichtlich, dass Vossloh bereits im kommenden Jahr wieder deutliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen erzielen kann, denn unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt. Der Auftragsbestand im Konzern liegt mit 1,4 Milliarden Euro  auf einem sehr hohen Niveau.“

Der Bahntechnikkonzern erwartet für das Geschäftsjahr 2011 Umsätze von bis zu 1,25 Milliarden Euro sowie ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) zwischen 120 und 130 Millionen Euro.

Hermann Reith ist Analyst der BHF Bank und rät zum Kauf der Vossloh-Aktie. Als Kursziel nennt er 95 Euro. Um 10 Uhr notierte der Anteilsschein heute im Xetra bei knapp 89 Euro und damit rund 17 Prozent über dem Vorjahreskurs. Reith verweist darauf, dass der Auftragsbestand schon jetzt höher sei der Vossloh-Umsatz eines ganzen Jahres. Er rechnet mit einer schnellen Erholung der Aktie, die im Frühjahr sogar an der Marke von 100 Euro gekratzt hatte. Der Analyst geht davon aus, dass Vossloh die reduzierte Prognose für das Geschäftsjahr 2011 erfüllen wird. Für 2012 und 2013 erwartet er dann ein deutliches Wachstum, auf 1,46 Milliarden Euro Umsatz und 160 Millionen Euro EBIT in kommenden Jahr und auf 1,49 Milliarden Euro Umsatz und 170 Millionen Euro EBIT in 2013.

Auch Michael Gorny, Analyst der West LB, rechnet ab 2012 mit starkem Wachstum des Unternehmens. Er sieht den fairen Wert der Aktie bei 98 Euro und empfiehlt, die Beteiligung auszubauen.

Vossloh AG: ISIN DE0007667107 / WKN 766710
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