Der Sitz der Singulus Technologies AG befindet sich in Kahl am Main. / Foto: Unternehmen

08.10.15 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Gewinnwarnung von Singulus Technologies - greifen Anleihe-Investoren dem Solarausrüster unter die Arme?

Eine Gewinnwarnung hat der Solarausrüster Singulus Technologies herausgegeben. Das Solargeschäft entwickle sich zwar weiter planmäßig, nicht aber die Sparte für Blue-Ray-Speichermedien, teilte das Unternehmen mit. Die Singulus-Aktie geriet weiter unter Druck und verlor heute bis 10:45 Uhr in Frankfurt zwei Prozent auf 0,65 Euro. Damit hat der Anteilsschein seit der  Verkaufsempfehlung von ECOreporter.de  von Ende April 15 Prozent an Wert verloren, auf Jahressicht gar 26 Prozent. Der Tag bleibt spannend, denn heute ab 12 Uhr versammeln sich die Gläubiger der 2017 fälligen Anleihe von Singulus, um richtungsweisende Entscheidungen zu treffen.

Der Singulus-Vorstand veröffentlichte heute die Gewinnwarnung ohne Zahlen zu nennen. Problem ist das weiter schwächelnde Blue-Ray-Geschäft. Hier hat die Unternehmensführung die Hoffnung auf neue Aufträge für Blue-Ray-Produktionstechnik, die bis Jahresende bilanzwirksam werden, nahezu aufgegeben. Allerdings, so das Management, seien Gespräche dazu noch im Gange. „Das Ausbleiben der erwarteten Aufträge für Blu-ray beeinflusst die Umsatz- und vor allem auch die Ergebniserwartung erheblich“, heißt es.

Immerhin liege das Solarsegment „weitgehend im Plan“, hieß es weiter. Es sei hier sogar möglich, den Umsatz dieser Sparte im Vergleich zum Vorjahr zu verdoppeln. 2014 hatte das Solarsegment bei rund 12,6 Millionen Euro Umsatz 32,9 Millionen Euro Verlust vor Steuern und Zinsen (EBIT) erwirtschaftet. Der EBIT-Verlust im Segment „Optical Disc“ (das ist die Blue-Ray-Sparte) lag 2014 hingegen bei 11,7 Millionen Euro.  Im ersten Halbjahr 2015 verbuchte die Singulus-Solarsparte 4,9 Millionen Euro EBIT-Verlust, während der Bereich „Optical Disc“ auf 2,9 Millionen Euro EBIT-Verlust kam.

Liquidität in Gefahr?

Schon in der Halbjahresbilanz 2015, die im August öffentlich wurde, hatte die Singulus-Führung in der Prognose keine Zahlen genannt. Allerdings wies die Singulus-Führung im Halbjahresbericht darauf hin, dass es mit der Liquidität zum Jahresende eng werden könnte, weil „ein hohes Maß liquider Mittel als Sicherheit für Avalbürgschaften im Zusammenhang mit Anzahlungen unserer Kunden hinterlegt“, worden sei. Auf dem Weg zur Sanierung von Singulus Technologies sollen die Gläubiger einer Anleihe (ISIN DE000A1MASJ4) dem Unternehmen unter die Arme greifen. Sie sollen auf  Kündigungsrechte verzichten und die ausstehende Zinszahlung verschieben (ECOreporter.de  berichtete)   Singulus Technologies hatte die Anleihe im Gegenwert von 60 Millionen Euro 2012 auf den Markt gebracht. Über ein Rückkaufprogram, das noch bis zum Jahresende läuft hat Singulus rund Anleihen im Gegenwert von rund 5,2 Millionen Euro zurückgekauft.

Vorstand bringt Kandidaten für Gläubigervertretung ins Spiel
 
Die Gläubigerversammlung  findet heute ab 12 Uhr im Hotel Maritim in Frankfurt statt. Dort soll zunächst ein gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger gewählt werden. Singulus Technologies hat dabei kein Stimmrecht. Folgen die Gläubiger dem Vorschlag der Unternehmensführung, wird das Münchner Beratungsunternehmen One Square Advisors GmbH die Vertretung übernehmen. Diese trat schon häufig in dieser Funktion auf, unter anderem bei der Insolvenz des Fahrradherstellers MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke GmbH.  Jüngst bemühte sich One Square Advisors auch um ein Mandat bei der Windkraftanleihe von eno energy. Dieses Unternehmen ringt derzeit um die Verlängerung der Unternehmensfinanzierung (mehr lesen Sie  hier).
Um beschlussfähig zu sein müssen mindestens 50 Prozent des Anleihekapitals entweder persönlich oder über einen bevollmächtigten Vertreter an der Versammlung teilnehmen. Stimmen zu wenig Gläubiger ab, muss eine neue Versammlung einberufen werden. Dann würde sich die Hängepartie fortsetzen. Es ist durchaus fraglich, ob sich die Anleihegläubiger sich darauf einlassen, die Schuldverschreibungen in Aktien umzutauschen. Zwar müssten auch sie bei einer Pleite den größten Teil ihres Investments abschreiben. Doch ein Totalverlust wie er bei einer Aktienbeteiligung droht, ist eher unwahrscheinlich, auch wenn vorrangige Gläubiger wie Banken sich zuerst aus der Insolvenzmasse bedienen können. Und selbst wenn die Anleihe-Investoren grünes Licht geben, ist Singulus noch weit entfernt von einer Trendwende zum Guten. Wir bekräftigen daher unsere Verkaufsempfehlung.

Singulus Technologies AG: ISIN DE0007238909 / WKN 723890
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x