24.11.07 Wachhund

Giftig und teuer - der feinste Biolebensmittel-Hersteller offenbart gesundheitsgefährdende Mängel in der Analyse der eigenen Produkte

Krebserregender Stoff in der Bio-Schokolade - aber immerhin, der Verkauf ist gestoppt: Die Bitterschokolade Bio Negro der Rapunzel Naturkost AG wird nicht mehr gehandelt. Kunden können - und sollten - ihre bisher gekauften giftigen Schokoladen wieder zurückgeben. Die Stiftung Warentest hatte bei einer Untersuchung von 25 Sorten dunkler Schokolade in der fair gehandelten Rapunzel-Marke den krebserregenden Stoff Benzpyren entdeckt. Als einzige Marke im Test, die Biokriterien mit fairem Handel vereint, schnitt Bio Negro mit mangelhaft ab. Die Schokolade habe eine extrem hohen Belastung von Benzpyren aufgewiesen und hätte erst gar nicht in den Handel kommen dürfen, sagte die Stiftung Warentest. Mit 1,99 Euro je 100 Gramm war Bio Negro zudem die teuerste Schokolade im Test.

Benzpyren gehört zur Gruppe der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) und gilt als eines der stärksten Karzinogene (Krebserreger). Außerdem beeinträchtigt Benzpyren die Fortpflanzungsfähigkeit und kann ungeborene Kinder schädigen.

"Wir haben eine umfassende Analyse in Auftrag gegeben, die die Ursachen untersuchen soll", erklärte Rapunzel-Sprecherin Heike Kirsten in Legau im Unterallgäu laut Medienberichten. Bisher gebe es lediglich Spekulationen darüber, wie der Stoff in die Schokolade gelangt sei. Unter Umständen seien die Kakaobohnen nicht adäquat geröstet worden. Möglich sei auch, dass der Fehler beim Anbau in Lateinamerika passiert sei. Dort arbeiten Kirsten zufolge viele konventionelle Landwirte mit Brandrodungen und bringen gefährliche Stoffe in Umlauf. "Wir leben nicht unter einer Käseglocke", verteidigte sie das Unternehmen.

Hergestellt werde Bio Negro in einer sehr renommierten Schweizer Schokoladenfabrik, sagte die Sprecherin. Die Schokolade sei mit dem EU-Siegel ausgezeichnet. Den finanziellen Schaden aufgrund des Verkaufsstopps könne sie noch nicht beziffern. "Wir müssen auf große Mengen an Ware verzichten. Das ist im Weihnachtsgeschäft sehr bitter." Rapunzel (300 Beschäftigte und 60 Millionen Jahresumsatz in Deutschland) vertreibt ihre Produkte - vornehmlich Nussmus, Trockenfrüchte und Nüsse - ausschließlich über den Bio-Fachhandel.

Bitterschokolade hat in der Regel mindestens 60 Prozent Kakaoanteil. Der Umsatz dieser Sorten ist den Angaben zufolge im vergangenen Jahr um rund 23 Prozent gestiegen.

Derzeit verstärkt unter anderem Ritter Schokolade die Bemühungen, Bio-Schokolade großflächig anzubieten.

Rapunzel Naturkost-Aktien (WKN 700220) wurden bei Volara zuletzt am 13. November gehandelt, Kurs: 15,90 Euro. Geldkurs am 23.November: 14,40 Euro, Briefkurs 18,90 Euro. ECOreporter.de-Empfehlung: Nicht kaufen. Was wäre geschehen, wenn es nicht gerade Vor-Weihnachtszeit wäre und Warentest das als Anlass genommen hätte, zu testen? Ein Unding, dass Rapunzel diese Stoffe nicht selbst in der Schokolade festgestellt hat. Wer weiß, dass er nicht unter einer Käseglocke lebt, sollte zumindest den eigenen produzierten Käse gründlichst untersuchen.
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