Kühe sind von Natur aus neugierig. Dieses Tier lebt auf dem nach Demeter-Kriterien geführten Hellweghof in Werl. / Alle Fotos: Stefan Mays

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GLS Bank finanziert Bio-Landwirtschaft: der Hellweghof

Es war eine lange Suche: Fünf Jahre haben Gregor Scholz und Helene Scholz-von Bonin nach einem geeigneten Bauernhof gesucht, auf dem sie biologische Landwirtschaft betreiben und mit ihren drei Kindern leben können. Fündig wurden sie schließlich in der Soester Börde - durch „Zufälle und glückliche Umstände“, wie Gregor Scholz erklärt.

Seit 2012 baut das Ehepaar den Hellweghof in Welver-Hündlingsen nach biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise neu auf. Es ist nun ein Demeter-Hof, bewirtschaftet nach strengen Kriterien. „Wir haben einen leeren Hof übernommen, ohne Inventar, ohne Werkzeug. Das war nicht einfach, hat es aber erleichtert, unsere Vorstellungen sofort umzusetzen“, sagt Scholz. 50 Hektar Ackerfläche, zwölf Hektar Grünland und noch drei Hektar Wald umfasst der Betrieb. Der Plan: auf den Feldern das Futter für die Tiere anbauen, für Kühe, Schweine und Geflügel. Und dann die Milchprodukte, das Fleisch, die Eier und Getreide vermarkten, als Bioprodukte mit dem Demeter-Siegel.Demeter gilt als älteste und anspruchsvollste Form ökologischer Landwirtschaft. Dafür muss auf dem Hellweghof vor allem eine Kreislaufwirtschaft entstehen, in der ohne Einsatz von künstlichem Dünger das Futter für das Vieh erzeugt und dessen Mist als natürlicher Dünger eingesetzt wird. Eine möglichst große Vielfalt der Arten von Tieren und Pflanzen gehört ebenso dazu wie die Vorgabe, dass nur so viele Tiere zulässig sind, wie der Hof selbst ernähren kann. All dies umzusetzen verlangt nicht nur einen großen Einsatz von Arbeit und Ideen, sondern schlicht von Geld. Für Inventar wie eine Heutrocknungsanlage, für Werkzeug, für Futtermittel. Denn erst nach der ersten Ernte steht eigenes Getreide zur Verfügung, um damit die Tiere zu füttern. Die auch Geld kosten. Auch die Bauten waren teuer, der Kuhstallt, das Getreidelager und eine Käserei.

Rund 150.000 Euro konnte das Ehepaar als Eigenkapital aufbringen, aus einer Erbschaft. Doch das reichte bei weitem nicht. Da erwies sich die Bochumer GLS Bank als ein hilfreicher Partner. Seit vielen Jahren begleitet sie Projekte aus der biologischen Landwirtschaft. Ihre anthroposophische, an Rudolf Steiner angelehnte Ausrichtung hat etliche Grundüberzeugungen mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise nach Demeter-Prinzipien gemeinsam. 15 Prozent ihrer Kredite hat die GLS Bank 2012 im Bereich nachhaltige Nahrungsmittelproduktion vergeben. Diese besondere Kompetenz hat das Ehepaar Scholz-von Bonin dazu bewogen, sich für die Finanzierung ihres Hofes an die GLS Bank zu wenden.

„Unsere Kreditberaterin hat uns nicht nur ein Darlehen vermittelt, sondern auch mit Tipps und Ratschlägen weitergeholfen“, lobt Gregor Scholz. „Sie konnte uns sagen, wo wir uns am bestens beraten lassen, um unsere Pläne für den Hof konkret umzusetzen, worauf wir besonders Acht geben müssen und wo man sich Hilfe holen kann.“Das Darlehen der GLS Bank für den Hellweghof umfasst 100.000 Euro. „Wir konnten dafür keine Sicherheiten wie etwa das Grundstück des Hofes bieten, denn wir besitzen ihn ja nicht, sondern haben ihn nur für 18 Jahre gepachtet“, erläutert Scholz. „Also nutzten wir das Angebot der GLS Bank, private Kleinstbürgschaften zu akzeptieren.“ Freunde, Verwandte, Nachbarn und andere konnten solche kleinen Bürgschaften abgeben. Für zehn Jahre gilt der auf diese ungewöhnliche Weise gewährte Kredit, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass das Ehepaar die erforderlichen Startkosten tragen konnte. Hinzu kamen Fördermittel aus Töpfen der EU und Geld aus den Genussrechten, die Gregor Scholz und seine Frau anbieten. Die Zinsen werden dabei vor allem mit Naturalien des Hofes bezahlt. Etliche Kunden des Hellweghofs nutzen dieses Angebot.Mit dem Kapital haben die Eheleute bereits vieles umsetzen können. Inzwischen bevölkern 22 Milchkühe der Rasse „Allgäuer“ und auch die ersten Schweine die neuen Stallungen auf dem Hellweghof. Für die über 100 Legehennen und Masthähnchen steht ein mobiler Stall zur Verfügung, der freien Auslauf auf verschiedenen Grünflächen ermöglicht. Im Sommer 2013 hat Scholz die erste eigene Ernte eingefahren; nun kann er endlich eigenes Futtermittel einsetzen. Schon 2015 will er den Übergang zu einem 100prozentigen Demeter-Hof abgeschlossen haben.


In 40 Jahren Unternehmensgeschichte ist die GLS Bank deutlich gewachsen. Sie startete 1974 mit 350 Kunden und zählt heute rund 175.000 Kunden. Lesen Sie dieses aktuelle  Portrait  der Nachhaltigkeitsbank aus Bochum. Ein Beitrag anlässlich des 40. Geburtstags der GLS Bank finden Sie  hier, ECOreporter.de führte dazu auch ein  Video-Interview mit Banksprecher Thomas Jorberg.  Die GLS-Bank trägt das  ECOreporter-Siegel Nachhaltige Bank (Link entfernt).
Näheres zur Bank finden Sie auch in diesem  Beitrag (Link entfernt).
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