Das neue Vorstandsmitglied Christina Opitz im Gespräch: "Mit dem Crowdfunding möchten wir mal was ausprobieren. Der Bedarf ist da." / Foto: Schölgens

01.02.17 Crowd-Investment , Finanzdienstleister

GLS Bank zieht Bilanz und geht neue Wege mit Crowdfunding

"Wie wollen wir (als Gesellschaft) in Zukunft leben?" – In den Augen der nachhaltigen GLS Bank ist das eine Schlüsselfrage, die sie gestern ihrer Bilanzpressekonferenz in Bochum allen Zahlen voranstellte. "Die weltweiten Probleme werden drängender. Wir stehen am Rande eines Riesenumbruchs", sagte GLS-Vorstandssprecher Thomas Jorberg im Hinblick auf die wachsende Ungleichheit weltweit und den wirtschaftlichen Nationalismus, den Präsident Donald Trump derzeit in den USA vorantreibt.

Die GLS Bank hat ihre eigenen Antworten auf diese Probleme gefunden und unterstützte im vergangenen Jahr mehr nachhaltige Projekte und Unternehmen von Kreditnehmern: 2016 wurden Kundenkredite mit einem Volumen von rund 2,45 Milliarden Euro vergeben, 15,2 Prozent mehr als in 2015. Damit werden über 24.600 Unternehmen und Projekte finanziert. Die Neukredite stiegen im vergangenen Jahr auf 864 Millionen Euro.  Der Schwerpunkt liegt bei den Darlehen auf Erneuerbaren Energien, dieser Bereich macht 35 Prozent des Kreditvolumens aus. "Gefördert wurde zum Beispiel der Bürgerwindpark Rees: Teile der Erlöse der Windenergieanlagen werden in eine Stiftung überführt, die soziale und gemeinnützige Projekte vor Ort unterstützt", sagte Christina Opitz, seit 1. Januar neu im Vorstand und verantwortlich für das Firmenkundengeschäft. Weitere Anteile der Finanzierung entfallen auf Wohnprojekte mit 21 Prozent, darunter zum Beispiel 471 Genossenschaftswohnungen im Berliner "Möckernkiez", sowie soziale und Bildungsprojekte mit 17 bzw. 14 Prozent vor der nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion mit rund 8 Prozent.

GLS-Bilanzpressekonferenz in Bochum: Bankensprecher Christof Lützel, Vorstandssprecher Thomas Jorberg und das neue Vorstandsmitglied Christina Opitz (v.l.n.r.). / Foto: Schölgens

GLS Bank: Crowdfunding-Plattform als neues Geschäftsspielfeld

Neu an den Start gegangen ist die Schwarmfinanzierungs-Plattform des Kooperationspartner GLS Crowd: Damit will die GLS Bank auch über den Kundenkreis hinaus Menschen erreichen, die ihr Geld sinnstiftend anlegen wollen. Bisher steht erst ein Projekt online – ein fränkischer Solarpark sucht Finanzierer – aber es sollen bald weitere hinzukommen. Anleger können sich an den Projekten ab einem Betrag von 250 Euro und bis maximal 10.000 Euro beteiligen. "Es gibt sinnvolle Projekte, denen aber das Eigenkapital für eine Bankfinanzierung fehlt. Für sie kann Crowdfunding Chancen eröffnen. Der Bedarf ist da", erklärte Vorstand Christina Opitz. Deswegen würde sich die GLS Bank auch nicht durch eine solche neue Plattform selbst kannibalisieren, ergänzte Jorberg. "Und es werden auch nicht gleich alle Kunden ihr Geld aus den Spareinlagen abziehen und auf die Crowd wechseln."

Die GLS Bank prüfe die Angebote zudem, bevor sie auf die Plattform kommen, sagte Opitz, und ergänzte: "Wir möchten es einfach mal ausprobieren." Auch in Zukunft gilt für die GLS Bank: "Wir schauen uns neue Trends an und entwickeln Projekte, die zu unserer Philosophie passen." 

Macht sich der höhere GLS-Beitrag bemerkbar?

Die etwa 211.000 GLS-Kunden erhöhten ihre Einlagen im Jahr 2016 um 7,9 Prozent auf 3,90 Milliarden Euro. 2016 konnte die GLS Bank 29.000 Neukunden für sich gewinnen. Bis jetzt hätten die Kunden noch nicht mit zahlreichen Kündigungen auf den seit 1. Januar 2017 neu eingeführten GLS-Beitrag von 5 Euro im Monat reagiert, sagte Vorstandssprecher Jorberg. 80 Prozent der Mitglieder/Miteigentümer der Bank hatten vergangenes Jahr für den Beitrag gestimmt, die Satzung wurde entsprechend geändert. Allerdings werden die Kunden per Brief erst noch gesondert über die Erhöhung informiert und müssen danach einwilligen.

Die GLS-Bank rechnet aber auch nicht mit einer Kündigungswelle: Bereits vor der Einführung des Beitrags suchte sie mit Kunden den Dialog und informierte über die Notwendigkeit eines solchen Beitrags. Denn angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen müssen viele Banken ihr Geschäftsmodell überdenken und neue Finanzierungswege gehen. Dass ihr Modell von anderen Genossenschaftsbanken kopiert werden könnte, sieht GLS-Vorstand Christina Opitz gelassen: "Wir werden eben genau beobachtet. Dass unsere guten Ideen Nachahmer finden, ist doch eine Bestätigung für das GLS-Modell."

Solides Wachstum in 2016 – Effizienzsteigerung bleibt Thema

Das Rohergebnis der GLS Bank ist im Jahresverlauf 2016 von rund 84,46 Millionen Euro auf rund 88,79 Millionen Euro geklettert, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Bilanzgewinn erhöhte sich ebenfalls, trotz der um 3 Prozent gestiegenen Aufwendungen: Er wuchs von rund 5,09 Millionen Euro auf rund 6,18 Millionen Euro – im Jahr 2015 war der Gewinn noch gesunken. Das Eigenkapital der GLS Bank kletterte 2016 um 13,5 Prozent auf rund 339,03 Millionen Euro, hinzu kommen noch 25 Millionen Euro "stille Rücklagen", die umgewandelt wurden. Ihr Bilanzvolumen steigert die GLS Bank im Vergleich zu 2015 um 10,1 Prozent auf jetzt 4,57 Milliarden Euro. "Unser Wachstum ist damit vergleichbar mit dem anderer mittelständischer Banken", kommentierte Vorstandssprecher Jorberg. Dennoch hält die Bank an ihren Maßnahmen zur Effizienzsteigerung fest und stellt beispielsweise 2017 keine neuen Mitarbeiter ein. An der Größe des Filialnetzes werde aber nichts verändert, erklärte der Vorstand.

Sitz der GLS Bank in Bochum: Miteigentümer der Nachhaltigkeitsbank sollen eine Ausschüttung erhalten. / Foto: Schölgens

Ausschüttungen an die Mitglieder der Bank soll es für 2016 geben – die Dividende wird laut Vorstand 2 Prozent betragen. Allerdings muss die Generalversammlung noch im Juni darüber abstimmen. "Unsere Ergebnisse können sich sehen lassen, da möchten wir den Mitgliedern keine Rendite vorenthalten", sagte Opitz.

Mehr über die GLS Bank erfahren Sie in diesem Kurzportrait (Link entfernt).
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