Kein Unternehmen hat in China mehr Windräder installliert als Goldwind. Im Bild ein Mitarbeiter von Xinjiang Goldwind Science & Technology, wie der Windkraftkonzern mit vollständigem Namen heißt. / Foto: Unternehmen

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Goldwind im Kurskeller – Wind-Aktie vor Comeback?

Die Wind-Aktie Goldwind hat sich stark verbilligt, seit wir im Februar deren Verkauf empfohlen haben. Kommt die Wind-Aktie nun wieder für ein Investment in Frage?


Goldwind (der vollständige Name lautet Xinjiang Goldwind Science & Technology) ist der mit Abstand größte Windkraftanlagen-Hersteller in China. Das Unternehmen hat einen Marktanteil von 27 Prozent und liegt damit weit vor der Konkurrenz. Kein anderes Windkraftunternehmen der Volksrepublik erreicht zweistellige Anteile an diesem wachstumsstarken Markt.

Doch zuletzt verlor Goldwind deutlich an Wachstumsdynamik. Der Umsatz sank im ersten Quartal um 10 Prozent auf umgerechnet 519 Millionen US-Dollar, der Nettogewinn brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 51 Prozent auf 26,5 Millionen US-Dollar ein.

Diese  im April gemeldeten Zahlen  setzen die Wind-Aktie stark unter Druck. Sie hat sich in den letzten drei Monaten um rund 27 Prozent verbilligt und notiert im deutschen Handelssystem Tradegate nur noch bei 1,0 Euro.  Als ECOreporter.de im Februar in einem Aktientipp vom Investment in Goldwind abriet, wurde die Aktie noch mit 1,6 Euro gehandelt.

Gleich mehrere Faktoren belasten die Geschäfte von Goldwind. Zum einen blieb der Ausbau der Netzkapazitäten in China in den vergangenen Jahren immer stärker hinter der wachsenden Windkraftkapazität zurück. Das hemmt Investitionen in neue Windparks. Hinzu kommt, dass die chinesische Zentralregierung die Windstrom-Tarife absenkt, um den Zubau in geordnete Bahnen zu lenken und die Branche zu weiteren Kosteneinsparungen zu zwingen.

Die letzten Zahlen von Goldwind erscheinen auch deshalb schlecht, weil sie im Vorjahr noch stark ausgefallen sind. Und das wiederum hing damit zusammen, dass die Ankündigung der Windstromtarifkürzung Goldwind zunächst einen äußerst starken Einnahmenanstieg bescherte. Den Investoren setzen schnell ihre geplanten Windparks um, um noch die alten und höheren Tarife in Anspruch nehmen zu können. Die Quartalszahlen vom April sind daher auch Ausdruck einer Normalisierung der Geschäfte und sind daher zu relativieren.

Das Auftragsbuch von Goldwind ist prall gefüllt

Zwar bestehen die Netzprobleme in China weiterhin. Aber sie betreffen vor allem die windstarken Regionen im Nordwesten von China, wo bislang die meisten Windparks gebaut wurden. Auch daher verlagert sich das Marktgeschehen zunehmend in andere Regionen des riesigen Landes, dessen Energiebedarf weiter stark steigt, ebenso wie die Umweltbelastung durch die Produktion von Kohlestrom. Es gibt darum weiterhin eine enorme Nachfrage für sauberen Windstrom, nur muss er vermehrt an anderen Standorten erzeugt werden.

Goldwind hat sich darauf eingestellt und leistungsstarke Windräder entwickelt, die sich für windschwächere Standorte besonders gut eignen. Zumindest scheint das Angebot die Kunden zu überzeugen, denn der Auftragsbestand von Goldwind ist stark gewachsen – auch weil sich die Order für Anlagen an Schwachwindstandorten mehr als verdoppelten.

Der Auftragsbestand belief sich zum Ende des ersten Quartals auf fast 8 Gigawatt (GW). Zum Vergleich: Das entspricht mehr als einem Drittel der Windkraftleistung, die im Gesamtjahr 2016 in China neu installiert wurde, dem mit Abstand größten Windmarkt der Welt. Deutschland kam 2016 auf rund 4,6 GW. Die Einnahmen von Goldwind dürften also bald wieder ansteigen.

Zudem baut das Unternehmen das margenstarke Projektgeschäft deutlich aus. Je eingesetztem Dollar fällt hier deutlich mehr Nettogewinn an als im Geschäft mit Windrädern. Goldwind hat nach eigenen Angaben Zuschläge aus Wind-Ausschreibungen mit insgesamt 7,7 GW gewonnen. Künftig dürfte das Unternehmen jedes Jahr neue Windparks mit zusammen 1 GW umsetzen. Goldwind plant dabei Windparks vor allem in Regionen Chinas, in denen der Ausbau der Windkraft noch nicht so weit vorangeschritten ist. Dort werden deshalb höhere Windstromtarife gezahlt als etwa im Nordwesten der Volksrepublik.

Fazit: Wind-Aktie mit Kurspotential, aber auch mit weiter hohen Risiken

Angesichts dieser guten Aussichten und des starken Kursverfalls der letzten Monate raten wir nicht länger zum Verkauf der Wind-Aktie. Sie notiert wieder auf dem Niveau vom Februar 2016 und ist nun fair bewertet. Anleger sollten die Beteiligung halten. Ein Kauf ist derzeit noch mit hohen Risiken verbunden. Denn es ist nicht sicher, in welchem Umfang Goldwind die geplanten eigenen Windparks wirklich umsetzt und bis wann, und auch ob die all die vielen Aufträge wirklich abgerufen werden.

Es empfiehlt sich, zunächst neue Geschäftszahlen und die nächste Unternehmensprognose abzuwarten.

Xinjiang Goldwind Science & Technology Co: ISIN CNE100000PP1 / WKN A1C0QD
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