Solarthermisches Großkraftwerk von Abengoa. Die Spanier haben zum Beispiel in 2014 eine Anleihe im Gegenwert von 500 Millionen Dollar ausgegeben, um regenerative Großprojekte zu finanzieren. / Quelle: Unternehmen

24.08.15 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

Green-Bonds-Boom beflügelt Geschäft mit Umwelttechnik

Der Markt für so genannte “Green Bonds”, also “grün” eingestufte Anleihen, ist noch jung, aber zuletzt stark gewachsen. Hierbei handelt es sich um Schuldverschreibungen, die der Finanzierung von „grünen“ Projekten dienen. Sie eröffnen nachhaltigen Investoren die Möglichkeit, aussichtsreich in Umweltschutzprojekte zu investieren. Experten sehen dieses Geschäft auch als Motor für für die globale Energiewende. 

Green Bonds werden von staatsnahen Organisationen ausgegeben wie etwa Entwicklungsbanken  oder der deutschen KfW Bank. Immer häufiger aber auch von Unternehmen. So hat etwa die spanische Abengoa grüne Anleihen auf den Markt gebracht, um Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien zu finanzieren. Dieses verstärkte Engagement von Konzernen trägt dazu bei, dass dieses Marktsegment schnell wächst. In 2013 wurden weltweit rund zehn Milliarden US-Dollar in Green Bonds investiert, nach zwei Milliarden Dollar in 2012. Seither entwächst er allmählich den Kinderschuhen. Die "Climate Bonds Initiative", die sich für einheitliche Qualitätsstandards für solche Schuldverschreibungen einsetzt, rechnet laut einem aktuellen Bericht damit, dass in diesem Jahr global bereits 70 Milliarden Dollar durch grüne Anleihen eingesammelt werden.  

Fast zwei Drittel (64,5 Prozent) der Investment-Profis in Deutschland erwarten weiterhin einen Boom in diesem Marktsegment. Das hat jetzt eine Befragung der DVFA e.V. ergeben, der Standesorganisation der Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten. „Verbindliche Standards für Green Bonds wären wünschenswert, weil sie langfristig zur Stabilität und Attraktivität dieses Marktsegments beitragen könnten“, merkt dazu allerdings Ralf Frank an, Generalsekretär der DVFA. Die große Mehrheit der deutschen Investment-Professionals halte verbindliche Standards für die Emission von Green Bonds für sinnvoll oder sehr sinnvoll. Das hätten insgesamt 87,6 Prozent der Befragten bei der Erhebung ausgesagt.  

Noch gibt es keine einheitlichen Standards dafür, was eine grüne Anleihe erfüllen muss, um zu Recht als solche zu firmieren. Kritiker befürchten „greenwashing“, also dass über dieses Vehikel Projekte finanziert werden, die nicht wirklich nachhaltig sind, und fordern mehr Transparenz. Viele internationale Großbanken, die hier ein attraktives Geschäft heranwachsen sehen, beteiligen sich daran, Standards für Green Bonds zu entwickeln und zu etablieren. Ihre 2014 aufgestellten „Leitlinien für grüne Anleihen“ enthalten Regeln, die festlegen, in welche Projekte der Erlös aus der Emission eines „Green Bond“ fließen darf und wie die laufende Berichterstattung zu erfolgen hat. Die Regeln zur Mittelverwendung sind bei „Green Bonds“ eher weich gefasst. In Frage kommen etwa Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, umweltfreundliche Verkehrsmittel und nachhaltiges Abfallmanagement. Diese Standards sind aber nicht allzu präzise und auch nicht sehr streng. Zu ihren Initiatoren gehören unter anderem BNP Paribas Bank of America, Citigroup, Crédit Agricole CIB und die Deutsche Bank. Die "Climate Bonds Initiative" macht ähnliche Vorschläge, legt aber einen Schwerpunkt auf grüne Anleihen für Klimaschutzprojekte. Sie sieht hier besonders großes Wachstumspotential aus Schwellenländern. Inzwischen werde bereits ein großer Teil neuer Green Bonds für Klimaschutzprojekte in China aufgelegt, dem Land mit dem größten Ausstoß von Klimagasen pro Jahr weltweit.

Experten der britischen Großbank HSBC, die ihre Ursprünge in Asien hat und dort weiter sehr präsent ist, gehen davon aus, dass in China noch in diesem Jahr gemeinsame Leitlinien für Green Bonds aufgestellt werden. „Zu den ersten Profiteuren dürften Unternehmen aus den strategischen Wachstumsbranchen Chinas gehören: Energie und Umwelt, IT, Bio-Technologie, Maschinenbau, erneuerbare Energien, neue Werkstoffe und Elektromobilität“, heißt es in deren Analyse. Ob China seine Umwelt- und Klimaschutzziele tatsächlich erreiche, hänge davon ab, wie stark sich die Industrie an der Modernisierung des Landes in Bereichen wie Infrastruktur, Energieeffizienz oder Emmissionsschutz beteilige. Die Bedeutung von grünen Anleihen zur Finanzierung dieser Vorhaben werde daher steigen. Anleihen hätten sich auch in China längst als Finanzierungsweg für Großprojekte etabliert. Der Anleihenmarkt des Landes sei schon jetzt der drittgrößte der Welt. Die HSBC-Experten unterstreichen, dass grüne Anleihen auch ausländischen Unternehmen die Finanzierung nachhaltiger Projekte in China deutlich erleichtern. Das sei für Umwelttechnologiefirmen interessant, aber auch generell für Unternehmen, die zum Beispiel Produktionsanlagen in China modernisieren oder neu aufbauen können.
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