09.09.09 Anleihen / AIF , ECOanlagecheck

Greenpeace als Genussrecht – Sollten Anleger zugreifen?

Planet energy, ein Tochterunternehmen des Hamburger Stromversorgers Greenpeace energy, bietet Genussrechte. Das Geld soll Neue-Energie-Kraftwerke finanzieren. Derzeit versorgt  Greenpeace energy etwa 90.000 Kunden. Im ECOreporter.de-Anlagecheck erfahren Sie, ob Rendite und Risiko ein gutes Angebot ergeben.

Bis zu 8,35 Millionen Euro will Planet energy mit den „Genussrechten Saubere Kraftwerke 1“ einwerben. Ein Agio gibt es nicht. Die Mindesteinlage beträgt nur 1.000 Euro. Planet energy will durchschnittlich 6,5 Prozent Zinsen pro Jahr an die Genussrechtszeichner zahlen.

Das Genussrechtskapital soll den Angaben zufolge in drei Projekte der Planet energy investiert werden: die Windparks Ketzin und Soltau sowie die Photovoltaikanlage Dasing. Alle Anlagen befinden sich bereits in Betrieb, so dass keine Investitionsrisiken bestehen. Laut dem Emissionsprospekt investiert der Anleger direkt und in einem festgelegten Verhältnis in die drei Kraftwerke.


Rechtliche Konstruktion

Besonderheit der Genussrechte Saubere Kraftwerke 1 ist die Aufsplittung auf drei Zahlungsempfänger. Ohne zwischengeschaltete Dachgesellschaft investiert der Anleger sein Kapital direkt in die Betriebsgesellschaften der beiden Windparks und der Photovoltaikanlage. Emittentinnen der Genussrechte sind demnach die Betriebsgesellschaften der Kraftwerke. Der Anleger tritt in ein direktes und selbstständiges Genussrechtsverhältnis zu jeder der drei Emittentinnen.

Das klingt kompliziert. Um die Abwicklung zu vereinfachen, hat Planet energy die Tochtergesellschaft Planet energy Anlegerservice gegründet. Diese übernimmt die komplette Abwicklung der Zahlungsströme zwischen den Anlegern und den drei Emittentinnen. Überdies beantworte sie Fragen von Anlegern und Interessenten, heißt es.

Aus Sicht der Unternehmen stellen die Genussrechtsinhaber der Gesellschaft voll haftendes Eigenkapital zu Verfügung. Im Gegensatz beispielsweise zu Aktionären oder Kommanditisten stehen ihnen jedoch keine Stimm-, Kontroll- und Informationsrechte in der Gesellschaft zu. Ihre Rechte als Gläubiger sind zudem nachrangig; bei Zahlungsschwierigkeiten müsste das Unternehmen beispielsweise zunächst Kreditgeber und andere erstrangige Ansprüche befriedigen.

Die Anleger haben jedoch Anspruch auf eine variable ergebnisabhängige Verzinsung ihrer Einlage. Diese beträgt den Angaben zufolge 95 Prozent der handelsrechtlichen Überschüsse.


Platzierung in Eigenregie

Die Zeichnungsfrist für die Genussrechte ist nicht beschränkt. Der Vertrieb läuft in Eigenregie.

Das Gesamtinvestitionsvolumen für die drei Erneuerbare-Energien-Projekte beträgt laut dem Emissionsprospekt 31,15 Millionen Euro. Neben den 8,35 Millionen Euro aus der Genussrechtsemission fließen demnach 3,34 Millionen Eigenkapital aus den Betreibergesellschaften der drei Fonds und 19,46 Millionen Euro Fremdkapital in die Finanzierung ein.

Die Anschaffungskosten für die Kraftwerke belaufen sich laut dem Mittelverwendungsplan im Emissionsprospekt auf 24,25 Millionen Euro. Die fondsabhängigen Kosten der Genussrechrechtsemission gibt Planet energy mit insgesamt 245.000 Euro für Druck und Marketing sowie 130.000 Euro für Rechts- und Steuerberatung und sonstige Begutachtungskosten an. Dies entspricht laut dem Emissionsprospekt 4,5 Prozent des Genussrechtskapitals und 1,2 Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens.


Laufzeit und Ausschüttungen

Die Genussrechte laufen bis zum 31.12.2029. Für die Ausschüttungen hat Planet energy ein Modell gewählt, dass sich an der Praxis von geschlossenen Fonds orientiert. Sie beginnen mit 4 Prozent jährlich und steigen bis auf 38 Prozent an. Über die gesamte Laufzeit prognostiziert planet energy Ausschüttungen von 232 Prozent – also 132 Prozent Ausschüttungen plus die vom Anleger eingezahlten 100 Prozent. Mit 111 Prozent entfällt fast die Hälfte der Ausschüttungen auf die letzten sechs Jahre der Laufzeit.


Ökologische Wirkung
Die ökologische Wirkung der Genussrechte ist positiv. Die Emittentin Planet energy finanziert aus dem Genussrechtskapital ihr Projektgeschäft im Bereich der Erneuerbaren Energien.


Risiko

Planet energy genießt als Tochterunternehmen der Energiegenossenschaft Greenpeace Energy eG einen guten Ruf. Greenpeace Energy wurde 1999 auf Initiative von Greenpeace e.V. gegründet und hat aktuell rund 18.000 Genossenschaftsmitglieder und mehr als 90.000 Kunden.

Die Genussrechte Saubere Kraftwerke 1 sind nicht die erste öffentliche Genussrechtsemission der Planet energy. Vorgänger waren das Genussrecht II (2004) und das Genussrecht III (2006). Laut der Leistungsbilanz zur bisherigen Verzinsung dieser Papiere konnten die prognostizierten Werte in 2007 und 2008 nicht erreicht werden. Statt sieben Prozent wurden gut fünf Prozent gezahlt. Robert Werner, Vorstand von Greenpeace Energy, erklärt dazu gegenüber ECOreporter.de, dass es nicht gelungen sei, ausreichend Projekte zu akquirieren. Im Unterschied zum aktuellen Genussrechtsangebot sei das Kapital der beiden Vorläuferemissionen nicht direkt in konkrete Projekte geflossen, so Werner. Es sei vielmehr frei für die Finanzierung der Geschäftsaktivitäten der Planet energy eingesetzt worden. „Wir führen derzeit intensive Verhandlungen über den Kauf verschiedener Projekte und hoffen, im laufenden Jahr ein besseres Ergebnis zu erzielen“, sagt Werner. Ein Prognose dazu sei jedoch nicht möglich.

Die Genussrechte Saubere Kraftwerke 1 wurden laut Werner konservativer kalkuliert. Das Risiko sei deutlich niedriger, da die Mittel in konkrete Projekte fließen. Allerdings gebe es keine Garantie auf die prognostizierte Verzinsung. Der Anleger stehe mit im unternehmerischen Risiko. „Durch die Bindung der Ausschüttungen an den Gewinn sind aber auch höhere Erträge möglich als prognostiziert“, so Werner.

Günstig für das Risiko des Anlegers wirkt sich aus, dass alle drei Kraftwerke schon fertig gestellt und in Betrieb sind. Für zwei der drei Kraftwerke bestehe mehr als zwei Jahre Betriebserfahrung, heißt es. In diesem Zeitraum sei nachgewiesen worden, dass sie die prognostizierten Erträge erreichten.

Positiv ist zudem die Kombination verschiedener Technologien und Standorte zu bewerten. Damit sinkt das allgemeine Leistungsrisiko.


Fazit:

Finanziell
Die Planet Energy ist ein Unternehmen mit langjähriger Erfahrung und ausgewiesener Expertise im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die Muttergesellschaft Greenpeace Energy gibt zusätzliche Sicherheit.

Ein echtes Greenpeace-Genussrecht also. Ansonsten: Transparenz wird bei dem Genussrecht groß geschrieben, der Emissionsprospekt nennt ungeschminkt alle Risiken und Gefahren des Investments. Das Geschäftsmodell erscheint schlüssig, das Management professionell.


Nachhaltigkeit

Da das Genussrechtskapital unmittelbar in Erneuerbare-Energien-Projekte fließen soll, ist das Angebot unter Nachhaltigkeitsaspekten uneingeschränkt zu empfehlen.


ECOreporter.de-Empfehlung
Aus Sicht von ECOreporter.de bietet Planet energy den Anlegerinnen und Anlegern ein attraktives Investment mit einem angemessenen Chancen-Risiko-Verhältnis.




Basisdaten

Investitionsgüter: Windpark Ketzin mit 8 MW Leistung,
Windpark Soltau mit 3,9 MW Leistung und
Fotovoltaikanlage Dasing mit 1,45 MWp Leistung
Gesamtausschüttung: 232 % vor Steuern (Prognose)
Durchschnittliche Vergütung: 6,5 % p.a. vor Steuern über die Laufzeit (Prognose)
Laufzeit: 20 Jahre (bis zum 31.12.2029)
Emissionsvolumen: 8,35 Mio. Euro
Zeichnungssumme: mindestens 1.000 Euro, danach in Tausender-Schritten
Handelbarkeit möglich: Vererbung, Verschenkung und Veräußerung jederzeit
Agio: kein Agio
Zeichnungsfrist: Die Annahme der Zeichnungsscheine erfolgt in Reihenfolge
des postalischen Eingangs bei der Planet energy
Anlegerservice GmbH, bis das Gesamtvolumen von
8,35 Mio. Euro ausgeschöpft ist
Rückzahlung jeweils: Erfolgt über die Laufzeit der drei Kraftwerke, die
20 Jahre ab Inbetriebnahme beträgt. Die Laufzeit
des letzten Kraftwerks (Windpark Ketzin) endet am
31.12.2029. Die Laufzeiten des Windparks Soltau und
der Fotovoltaikanlage Dasing enden am 31.12.2026

Investitionen
Planet energy Windpark Ketzin GmbH & Co. KG 4.150.000 Euro (49,70 Prozent)
Planet energy Solar I GmbH & Co. KG 3.100.000 Euro (7,13 Prozent)
Planet energy Windpark Soltau GmbH & Co. KG 1.100.000 Euro ( Prozent)
Gesamtsumme 8.350.000 Euro (100 Prozent)


Bitte sorgfältig beachten:

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Windpark Ketzin der Planet Energy. / Quelle: Sabine Vielmo/Greenpeace Energy
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