10.05.10 Erneuerbare Energie

Großbritannien will Offshore-Windenergiekapazität vervielfachen

Die Kapazität der Offshore-Windanlagen vor den Küsten Großbritanniens soll in den kommenden fünf Jahren von aktuell einem Gigawatt (GW) auf 33 GW erweitert werden. Das meldet die britische Nichtregierungsorganisation Ethicwatch. Damit wolle das Vereinigte Königreich zum einen maßgeblich dazu beitragen, die EU-Klimaziele bis 2020 erreichen. Zum anderen soll der Erneuerbare-Energien-Sektor des Landes einen ordentlichen Schub bekommen, hieß es. Überdies wolle sich das Königreich mit der ambitionierten Erweiterung des Seewindkraftanlagenbestandes als moderne Industrienation profilieren.


Schon jetzt sei Großbritannien mit 878 Megawatt (MW) installierter Offshore-Windparkleistung weltweit führend im Bereich Seewindkraftwerke. Allerdings beziehe der Staatenverbund aktuell lediglich zwei Prozent seines Energiebedarfs aus regenerativen Quellen.



Um dieses ambitionierte Ziel  33 GW in fünf Jahren zu erreichen, sei noch einiges an Arbeit notwendig, erklärte Ethicwatch auf Grundlage einer jüngst vorgelegten Studie. So sei die dritte Generation der britischen Windfarmen voraussichtlich erst 2015 in der Nähe der Marktreife, was die vorgesehene  Bauzeit auf fünf Jahre verenge, warnt Ethicwatch. Derzeit  fehle es an der Infrastruktur, um das Projekt in nur fünf Jahren tatsächlich umzusetzen.


Unter anderem müssten große Häfen errichtet werden, die den Transportkapazitäten für das Vorhaben gerechnet werden könnten. Auch  existierten bislang keine Zuliefererketten, die in der Lage seien die nötigen Auftragsvolumina zu stemmen. Für beides seien große Investitionen nötig. Im Zuge dessen habe die britische Regierung bereits 60 Millionen britische Pfund zur Hafenerweiterung in Aussicht gestellt, um auch weitere Investoren für das Großprojekt zu gewinnen.


Nach Berechnungen von Kaj Lindvig, Chief Sales Officer der britischen Spezialistin für Offshore Windturbinen-Installation A2Sea, übersteigen die Transportkapazitäten zum Bau von Offshore-Windkraftturbinen den Bedarf um ein Vielfaches. Dazu seien bis 2015 weitere Investitionen in Höhe von 2 Milliarden Pfund notwendig, schätzt er.  Eng werden könnte es in diesem Zusammenhang für die Lieferanten der Offshore-Windkrafturbinen. Zur Erweiterung auf 33 GW seien  in den nächsten fünf Jahren 7000 Offshore-Windräder nötig, so Ethicwatch. Ebenfalls große Investitionen verlange  der Ausbau des Kabelnetzes, das den Offshore-Windstrom aufs Festland und ins Stromnetz bringen werde.


Allerdings müssten die Kosten entlang der Zuliefererkette nach Angaben des scheidenden Premierministers Gordon Brown um rund 40 Prozent gedrückt werden, um die Hochseewindparks rentabel zu gestalten.


Um all diesen Herausforderungen begegnen zu können, habe die zuständige Planungskommission einen Maßnahmenplan erarbeitet. Auch die Industrie bereite sich entsprechend vor: Clipper Windpower und Mitsubishi Power Systems hatten unabhängig voneinander Investitionen  von zusammengenommen mehr als 100 Millionen Pfund unter anderem in die Rotorblätter-Herstellung in Großbritannien angekündigt. Zudem hatten Großkonzerne Siemens General Electric aus den USA und Gamesa aus Spanien, zum Teil millionenschwere Investitionen in ihre Windkraftdivisionen für Großbritannien in Aussicht gestellt. Trotz alldem ist es laut Ethicwatch unwahrscheinlich, dass Großbritannien sein Ziel ohne eine Kooperation auf europäischer Ebene realisieren kann.
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