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„Großinvestoren sind noch viel weniger an der Zeichnung von Aktien interessiert als private Anleger“ – ECOreporter.de-Interview mit Alexander Winde, Envire Solar AG

Die Envire Solar AG muss ihren Aktionären auf der Hauptversammlung Anfang April den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals bekannt geben. Dennoch gibt sich Alexander Winde, Vorstand des Berliner Unternehmens, im Interview mit ECOreporter.de optimistisch. Er hofft auf Großinvestoren und Projekte in Griechenland und Spanien.


ECOreporter.de: Herr Winde, wo kann die Aktie Ihres Unternehmens gehandelt werden? Zu welchen Kursen wurde sie zuletzt gehandelt?
Alexander Winde: Die Aktie ist bei der Valora und beim Umweltaktienforum gelistet. Die letzten Kurse beim Umweltaktienforum lagen zwischen 0,80 und 1,15 Euro.


ECOreporter.de: Wie viele Aktien hat das Unternehmen vor Beginn der öffentlichen Kapitalerhöhung ausgegeben?

Winde: Das sind rund 440.000 Aktien.


ECOreporter.de: Welchen Umfang hatten die Umsätze der Envire Solar in den letzten fünf Jahren?
Winde: Das ist übersichtlich: Wir haben in der Zeit einen Honorarauftrag gemacht, für den wir etwa 30.000 bis 50.000 Euro eingenommen haben. Dabei handelte es sich um einen Prospekt für einen Solarfonds. Das waren die einzigen Umsätze der AG.

Die Umsätze werden im übrigen ja nicht in der AG sondern in der GmbH erzielt. Das ist eine 100-prozentige Tochter der AG. Diese kauft die Kraftwerke und hält damit die Betreibergesellschaften, denen die Kraftwerke gehören. Die GmbH hat erst in 2007 ihre erste Beteiligung erworben. Die erste Ausschüttung daraus wird voraussichtlich im laufenden Jahr fließen. In 2007 und 2008 hatte die GmbH keine Einnahmen.

Die GmbH hält aktuell eine Beteiligung an einer PV- Anlage in Kenzingen bei Freiburg. Zudem hat sie eine griechische Tochter, die Envire Solar Greece EPE. Die hat im Januar die erste griechische Anlage erworben, die im April oder Mai in Betrieb gehen soll. Ferner hat die GmbH zwei Vorverträge in Spanien abgeschlossen: Einen für eine Anlage in Caudete mit 600 KW und ein Projekt in Cartagena mit 220 KW.


ECOreporter.de: Die Envire Solar hat somit in den letzten fünf Jahren auch keine Gewinne erzielt?
Winde: Ja, das ist richtig.


ECOreporter.de: Trifft es zu, dass Ihr Unternehmen durch die Berliner Umweltfinanz gegründet wurde? Inwiefern hat die Umweltfinanz aktuell Einfluss auf die Envire Solar?
Winde: Die Umweltfinanz als Gesellschaft hatte noch nie und hat auch nichts mit der Envire zu tun. Es gab personelle Verflechtungen: Gründer der Umweltfinanz AG waren auch Gründer der Envire Holding AG. Eine Zeitlang waren auch Gesellschafter der Umweltfinanz im Aufsichtsrat der Envire. Das ist aber schon lange nicht mehr der Fall. Wir haben die Verflechtungen ganz bewusst aufgelöst, auch um den Eindruck zu vermeiden, dass es diesen Zusammenhang gibt. Die einzig verbliebene Verbindung ist die Tatsache, dass ich als Vorstand der Envire gleichzeitig Aktionär und Aufsichtsrat der Umweltfinanz bin.

Eine Tochter der Umweltfinanz, die UFV GmbH, hält zudem ein Aktienpaket der Envire. Das ist ein mittelbarer Zusammenhang. Das Aktienpaket hat inzwischen auch keinen wesentlichen Einfluss mehr, das sind nur noch etwa zehn Prozent der Aktien.


ECOreporter.de: Wie kam es zu dem nun gemeldeten Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals?
Winde: Der ist aus einer Addition verschiedener Faktoren entstanden. Zu nennen sind vor allem Vorlaufkosten für Projekte und außerordentliche Kosten für die Durchführung der öffentlichen Kapitalerhöhung, das ist der Löwenanteil. Hinzu kommt noch, dass der zweite Teil der Durchführung des genehmigten Kapitals 2008 noch nicht eingetragen ist. Dieses Volumen konnte demnach nicht mit in das Kapital einbezogen werden. Dementsprechend bezog sich der Verlust auf das Kapital Mitte 2008. So wurde die Schwelle von 50 Prozent schneller überschritten.


ECOreporter.de: Weshalb konnte das Kapital noch nicht eingetragen werden?
Winde: Einige Gesellschafter, die neu gezeichnet haben, hatten offensichtlich Schwierigkeiten, ihre Einlagen pünktlich zu erbringen. Wir haben dann ein wenig auf sie gewartet. Bis auf Einen haben dann auch alle gezahlt. Nachdem dieser immer wieder zusagte zu zahlen, haben wir vielleicht etwas zu lange gewartet, bevor wir ihm gekündigt haben. Dann musste der Aufsichtsratbeschluss für die Eintragung erneuert werden. Die Handelsregisteranmeldung musste erneuert werden, weil die Zahl der Aktien nicht mehr stimmte. Und irgendwann, nachdem der Vorgang schon einige Wochen beim Handelsgericht lag, fiel dem Richter auf, dass die Durchführungsfrist schon abgelaufen war. Daraufhin mussten die Zeichnungsscheine mit einer verlängerten Frist neu eingesammelt werden. Deshalb ist die Kapitalmaßnahme immer noch nicht eingetragen.


ECOreporter.de: Wie ist die aktuelle Liquiditätslage der Gesellschaft?

Winde: Die Gesellschaft ist weiter liquide. Über die konkrete Kassenlage wollen wir zunächst unsere Aktionäre informieren.


ECOreporter.de: Wie viele Aktien aus der Kapitalerhöhung wurden bisher gezeichnet?
Winde: Zu wenig. Im Verhältnis zu unseren Aufwendungen viel zu wenig. Ich will jetzt keine genauen Zahlen nennen, kann Ihnen aber sagen, dass ich in der kommenden Woche mit dem Aufsichtsrat darüber sprechen werde, ob wir die platzierten Aktien überhaupt zur Eintragung bringen.


ECOreporter.de: Haben Sie sich auch um Großinvestoren bemüht?
Winde: Ja, wir haben uns schon sehr früh um Großinvestoren bemüht. Es hat sich allerdings schon sehr früh gezeigt, dass die noch viel weniger an der Zeichnung von Aktien interessiert waren als private Anleger. Die Finanzierungsofferten, die uns vorliegen, beziehen sich nicht auf den Kauf von Aktien sondern auf andere Finanzierungsmodelle. Aktuell zeichnet sich eine direkte Beteiligung an Projekten durch einen privaten und mehrere institutionelle Investoren ab. Das haben wir im Moment im Fokus. Dieser Weg ist aktuell viel Erfolg versprechender als Aktienemissionen.

Die Verunsicherung bei den Anlegern ist riesengroß. Das habe ich in zahlreichen direkten Gesprächen festgestellt und das hören wir auch von anderen Initiatoren. Und viele, die gerne zeichnen würden, haben einfach kein Geld mehr, weil der Wert ihrer Depots um 50 oder 60 Prozent gesunken ist.

Wenn wir jetzt schon zehn Megawatt am Netz hätten und Gewinne schreiben würden, wäre die Situation sicher anders. Wir konnten zwar ohne größere Aufwendungen mehrere Projekte sichern, deren Finanzierung war zu dem Zeitpunkt aber noch nicht abschließend gesichert. Da erschien es vielen als zu unsicher, bei uns zu investieren.


ECOreporter.de: Wie wollen Sie nun kurzfristig weiter vorgehen?

Winde: Wir werden versuchen, mit größeren Investoren die ersten Projekte in Gang zu bringen, Umsätze zu generieren und Überschüsse zu erwirtschaften. Konkret kann das beispielsweise so aussehen: Wir teilen uns ein Projekt mit einem Großinvestor. Wir geben ihm die Hälfte des Projektes ab, ohne dafür eine Marge zu erheben. Er finanziert uns im Gegenzug zu akzeptablen Bedingungen den Eigenkapitalanteil für unsere Hälfte des Vorhabens. So lassen sich Projekte realisieren, ohne eigenes Geld einzusetzen.

Wenn die Marktlage sich erholt können wir uns erneut mit einer öffentlichen Kapitalerhöhung an private Anleger wenden.


ECOreporter.de: Was sind Ihre mittelfristigen Ziele?

Winde:
Bis Ende 2009 wollen wir zirka ein Megawatt am Netz haben. Wenn uns das im nächsten Jahr noch einmal gelingt und wir Ende 2010 zwei Megawatt am Netz haben, wäre ich zufrieden. Ab 2011 hoffe ich, dass das Volumen, das wir ans Netz bringen, gesteigert werden kann. Vielleicht ist Krise dann ja schon vorbei.

Klar ist, wir wollen Überschüsse erwirtschaften. Das wird uns mit einem Megawatt und dem geringen Eigenkapital wahrscheinlich noch nicht gelingen. Deshalb rechne ich damit, dass wir noch zwei Jahre dafür brauchen werden.


ECOreporter.de: Wie viele Megawatt haben Sie derzeit in der Projektpipeline?
Winde: Unsere bereits öffentlich vorgestellten Projekten haben zusammen 700 KW Leistung. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Wochen noch 400 KW in Griechenland dazu kommen. Es werden uns ständig Projekte angeboten. Unsere Kontakte vor Ort sind inzwischen sehr gut. Teilweise sind das auch Anlagen, die bereits in Betrieb sind.
Viele Angebote haben wir in der Vergangenheit gar nicht geprüft, weil sie uns zu groß waren. Seit Jahresbeginn liegen uns nun aber zwei Finanzierungsangebote für Vorhaben mit einem Emissionsvolumen ab zehn Millionen Euro aufwärts vor. Deshalb halten wir jetzt auch nach größeren Angeboten Ausschau. Wenn so ein Geschäft funktionieren sollte, würden wir unsere Wachstumsziele natürlich sehr viel schneller erreichen. Aus meiner Erfahrung sind Projekte allerdings umso schwieriger zu realisieren, je größer sie sind. Deshalb rechne ich für unsere Planung nicht mit so großen Schritten, sondern mit kleinen Projekten, die wir auch aus eigener Kraft stemmen können. Deren Leistung bewegt sich zwischen 100 und 800 KW.


ECOreporter.de: Wie sind Sie vor Ort vertreten?
Winde: Wir haben keine Angestellten in der Betriebs-GmbH und den Betreibergesellschaften. Es wird alles über Externe abgedeckt. Unser Grossaktionär Herr Behrens betreibt ein Projektierungsbüro und baut Solaranlagen. Er übernimmt die Vorfinanzierung für viele Projekte. Herr Behrens beschäftigt mehrere Mitarbeiter in Deutschland und Spanien, die Projekte entwickeln und auch prüfen. Die dafür anfallenden Kosten übernimmt Behrens Unternehmen. Wenn er uns ein Projekt vorfinanziert, wird das über eine Marge für ihn ausgeglichen. Uns entstehen somit nur variabel und im Erfolgsfall Kosten.

Für Projekte, die nach Vorabprüfung durch die Firma von Herrn Behrens attraktiv erscheinen, bemühen wir uns um einen Vorvertrag. Die letztendliche Entscheidung fällt dann aber erst nach einer umfassenden Due Dilligence.


ECOreporter.de: Herr Winde, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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