Gottfried Baer ist Geschäftsführer der MehrWert GmbH aus Bamberg. / Foto: Unternehmen

06.11.14 Finanzdienstleister

„,Grün‘ ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal für Geldanlagen“ – Gottfried Baer, MehrWert GmbH

Gottfried Baer ist Fachmann für nachhaltige Geldanlagen. Im ECOreporter.de-Interview erklärt der Anlageberater, wie die Prokon-Pleite seinen Arbeitsalltag verändert hat. Außerdem erläutert der Geschäftsführer der MerWehrt GmbH aus Bamberg, worauf es bei der richtigen Streuung im Portfolio ankommt, welche Risiken  Mittelstandsanleihen mit sich bringen und welche Renditen bei Sachwertinvestments realistisch sind.


Die MehrWert GmbH ist Aussteller der Messe Grünes Geld am 22. November im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz im Herzen der Innenstadt. Bei freiem Eintritt können sich Einsteiger ebenso wie gestandene Finanzprofis über Trends, Entwicklungen und die neusten Angebote am Markt für nachhaltige Geldanlagen informieren.  Ethisch-solziale und ökologische Banken sind ebenso vertreten, wie Versicherungen, Entwicklungsfinanzierer die gegen Armut kämpfen und Anbietern von Beteiligungen an der Energiewende. Abgerundet wird die Veranstaltung durch ein umfangreiches Vortragsprogramm rund um nachhaltiges Investment und eine Podiumsdiskussion zum Status quo der Energiewende mit prominenten Bundestagsabgeordneten. 

ECOreporter.de: Die Pleitewelle von Prokon, Windreich und anderen Erneuerbare-Energien-Unternehmen haben den nachhaltigen Finanzmarkt erschüttert. Wie hat das den Ihren Alltag als Anlageberater zu „grünen“ Geldanlagen verändert?

Gottfried Baer:  Die Menschen sind deutlich zurück haltender gegenüber Beteiligungen im Bereich der erneuerbaren Energien geworden. Geändert hat sich dadurch bei uns nichts, da wir grundsätzlich die Produkte sehr genau analysieren und nur mit sehr wenigen, dafür aber fein ausgewählten und von uns geprüften Produkten an den Markt gehen.


ECOreporter.de:  Viele kleinere und mittelständische Pleitefirmen hatten Unternehmensanleihen auf dem Markt. Sind solche Wertpapiere grundsätzlich riskanter als andere Beteiligungen?

Gottfried Baer:  Solche Papiere weisen natürlich ein größeres Risiko-Chancen-Profil auf, als Anleihen von etablierten Großunternehmen. Ein Kauf solcher Unternehmensanleihen von kleineren Unternehmen birgt immer das Risiko, welches jedes jüngere, beziehungsweise kleinere Unternehmen in sich trägt, dass sich der Betriebserfolg nicht so einstellt, wie geplant, beziehungsweise erhofft. Für dieses Risiko, welches der Anleger solcher Papiere eingeht, erhält er in der Regel einen höheren Zinscoupon.


ECOreporter.de:  Es heißt, wer als Anleger Risiken aus dem Weg gehen will, der sollte seine Geldanlage „streuen“, also auf mehrere einzelne Anlagen verteilen. Auf wie viele Anlagen sollte man sein Geld verteilen, um eine gesunde Streuung zu erhalten?

Gottfried Baer:
Pauschal lässt sich das gar nicht sagen. Das kommt auf die Erfahrung des Mandanten an, auf die Größenordnung des Vermögens und dessen heutige Struktur, auf die Zielsetzungen des Mandanten und auf die Lebensplanung.
Grundsätzlich sollte, sofern möglich, Geld auf Aktien, Rentenpapiere, unternehmerische Beteiligungen, Immobilien (wenn möglich alles nachhaltige Anlagen) usw. gestreut werden.
Am besten stellt man mit einem Fachmann eine aktuelle Vermögensbilanz auf und prüft anhand der Mandantenvorstellungen und Rahmenbedingungen, wie eine sinnvolle Streuung aussehen sollte.


ECOreporter.de: Zur Vorsicht wird auch bei überzogen Renditeversprechen geraten. Welche Renditen sind  heute mit nachhaltigen geschlossen Fonds / Sachwertinvestments realistisch?

Gottfried Baer: Das kommt wieder darauf an, welchen Inhalt diese Beteiligung enthält und wie diese gestaltet ist. Pauschal kann deshalb gesagt werden, dass zwischen circa 3 Prozent und 7 Prozent p.a. alles möglich und realistisch ist.


ECOreporter.de: Das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) gilt seit knapp einem Jahr. Es sollte den Anlegerschutz bei geschlossenen Fonds verbessern. Ihr Zwischenfazit Hat das funktioniert oder gibt es Nachbesserungsbedarf?

Gottfried Baer:  Viele Emittenten haben sich in den letzten zwölf Monaten schwer getan, entsprechende Produkte zu lancieren. Auch die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) benötigt die entsprechende Zeit, sich darauf einzustellen und die neuen Produkte zu prüfen. Damit gibt es bis jetzt sehr wenige Fonds nach dem neuen KAGB am Markt. Deshalb ist ein Fazit momentan nicht möglich.


ECOreporter.de: Wie und nach welchen Kriterien wählen Sie die Geldanlagen aus, die Sie anbieten?

Gottfried Baer:  Fonds kommen für die von uns gemanagten nachhaltigen Vermögensverwaltungsstrategien infrage, wenn sie folgende Kriterien erfüllen:  Sie müssen sowohl ausgewählte Ausschlusskriterien als auch, wenn möglich, bestimmte positive Einschlusskriterien aufweisen. Die ökonomischen und administrativen Kennzahlen müssen überzeugen und der Anbieter muss über ausreichend Knowhow verfügen. In unserem dreiköpfigen Anlageteam beraten wir regelmäßig, wie die strategische und jeweils taktische Allokation aussehen soll. Für nachhaltige Beteiligungen stehen folgende Fragen im Vordergrund: Wie viel Erfahrung hat der Anbieter?  Wie sieht die Leistungsbilanz aus? Wie sind die Beteiligungen im Bereich Fremd- und Eigenkapitalanteil ausgestaltet? Wie hoch ist die Weichkostenquote? Wie sehen externe Beurteilungen  aus,  zum Beispiel vom ECOreporter.de und anderen? In unserem MehrWert-Arbeitskreis für Geldanlagen besprechen wir die Analyse und entscheiden gemeinsam, was Sinn für unsere Kunden macht.


ECOreporter.de: Was sollten Anleger beachten, die erstmals nachhaltig investieren wollen?

Gottfried Baer:  Sie sollten nicht der Meinung sein, nur weil ein Produkt „grün“ ist, ist es auch gleichzeitig qualitativ gut. Es lohnt, sich immer zunächst intensiv mit der eigenen Zielsetzung auseinander zu setzen und nachfolgend die dafür möglichen Produkte genau anzusehen. Aus Erfahrung lohnt auch immer das Gespräch mit einem unabhängigen Spezialisten für nachhaltige Geldanlagen.


ECOreporter.de: Was werden Sie auf der Messe Grünes Geld präsentieren und was erwarten Sei von der Veranstaltung?

Gottfried Baer:  Wir werden die von uns gemanagten nachhaltigen Vermögensverwaltungsstrategien für Privatkunden präsentieren. In diesen professionell begleiteten Anlagen, können Anleger schon ab 5.000 Euro anlegen. Dabei können sie jederzeit über das Geld verfügen und von vielen weiteren Vorteilen profitieren.

ECOreporter.de: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Baer.

Die MehrWert GmbH trägt das ECOreporter-Siegel als Nachhaltige Anlageberatung (mehr dazu erfahren Sie  hier (Link entfernt)). Näheres zur MehrWert GmbH lesen Sie außerdem in diesem  Kurzportrait (Link entfernt) des Unternehmens.
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