Ob die Fertigung bei Centrosolar eine Zukunft hat, ist noch offen. / Quelle: Unternehmen

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Grüne Anlagepleiten, Teil 2 – Solarfirmen auf der Schattenseite

Von 2011 bis 2013 hat eine Pleitewelle viele Solarunternehmen vom Markt gespült. Vor allem im vergangenen Jahr traf es eine ganze Reihe börsennotierter Solarfirmen. Das hat das Vertrauen vieler Anleger nachhaltig erschüttert. Schließlich gingen die Pleiten zu Lasten der Aktionäre und der Investoren, die Anleihen von gescheiterten Solarfirmen gezeichnet haben. Dabei gibt es auch Gewinner dieser Marktbereinigung, wie die dreistelligen Kurszuwächse für die Aktien von etlichen Solarherstellern zeigen, die davon profitieren, dass die Nachfrage für Solarprodukte weltweit stark gestiegen ist und sich die Preise wieder stabilisiert haben.

SolarWorld

Ob die SolarWorld zu den Gewinnern der Marktbereinigung zählt, ist mehr als unsicher. In keinem Fall gilt das für ihre Aktionäre und die Investoren ihrer Anleihe. Denn nach horrenden Verlusten im Geschäftsjahr 2012 musste das langjährige Flaggschiff der deutschen Solarbranche im vergangenen Jahr einen harten Sanierungskurs einschlagen. Nur weil die Altaktionäre einem Kapitalschnitt um 95 Prozent zustimmten und auch die Anleihen-Investoren große Abstriche bei ihren Ansprüchen machten, konnte SolarWorld der Pleite entgehen – zumindest vorerst. Bis Ende Februar hat der Solarkonzern seine finanzielle Restrukturierung abgeschlossen. Doch ob er sich gegen die starke Konkurrenz aus Fernost behaupten kann, bleibt fraglich. Denn die profitiert von der starken Verlagerung des weltweiten Solarmarktes nach Fernost, wo SolarWorld kaum zum Zug kommt. Das Unternehmen hat unlängst angekündigt, wohl frühestens in 2015 wieder schwarze Zahlen zu schreiben (hier  erfahren Sie mehr darüber).

Centrosolar

In der Schwebe ist auch die Zukunft von Centrosolar. Der Konzern hat es im Gegensatz zur SolarWorld im Oktober 2013 einen Insolvenzantrag stellen zu müssen. Das war nach einem massiven Einbruch von Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten 2013, vor allem aber im dritten Quartal. Ob die Restrukturierung gelingt, ist noch offen. Für die Solarmodulfabrik von Centrosolar in Wismar gibt es bereits Kaufinteressenten (wir  berichteten).

Conergy

Keine Rettung gab es Mitte 2013 mehr für die Hamburger Conergy AG. Ihr Aus setzte die Reihe von Pleiten von deutschen Solarkonzernen wie Solon und Q-Cells fort, die ehemals eine große Nummer im internationalen Solarmarkt waren und dann Opfer der Branchenkrise wurde. Anfang Juli 2013 musste die Conergy-Führung am Hamburger Amtsgericht Insolvenz anmelden. Anschließend wurde das Unternehmen zerschlagen. Der US-Investor Kawa Capital Management aus Miami in Florida sicherte sich die wichtigsten Sparten, etwa das aussichtsreiche Projektgeschäft in Asien und in den USA. Die Solarproduktion von Conergy hat keine Zukunft mehr. Gestartet war die Conergy-Aktie Mitte März 2005 mit einem Ausgabepreis von 54 Euro. Zu Spitzenzeiten im Jahr 2007 war sie mit über 110 Euro gehandelt worden. Zuletzt notierte die Aktie zwischen 4 und 5 Euro-Cent.

Suntech

Deutsche Solarhersteller wurden vor allem vom massiven Preisverfall bei Solarkomponenten in den Überlebenskampf getrieben. Der war vor allem dadurch ausgelöst worden, dass Konkurrenten aus China mit staatlicher Unterstützung ihre Produktionskapazitäten massiv ausbauten. Es kam zu einem riesigen Überangebot im Markt, trotz weltweit stark wachsender Nachfrage wurden noch viel mehr Solarkomponenten hergestellt als benötigt wurden. Einige große chinesische Hersteller hatten genügend finanzielle Unterstützung von einheimischen Investoren und (staatlichen) Banken und konnten so die lange Phase mit hohen Verlusten durchstehen, die durch den Preisverfall anfielen. Dies gelang aber nicht Suntech aus Wuxi, mit einer Produktionskapazität von über einem Gigawatt (GW) noch 2011 der größte Solarhersteller der Welt. Aber eben diese Größe wurde ihm zum Verhängnis. Die Sanierung misslang und Investoren, die in Suntech-Anleihen investiert hatten, setzen die Insolvenz durch. Der Konzern wurde zerschlagen, eine einheimische Konkurrentin übernahm die Produktion in China und die Aktie verschwand vom Börsenzettel.

Bildhinweis: Einblick in die Produktion von Suntech. / Quelle: Unternehmen

S.A.G. Solarstrom

Doch nicht nur Solarhersteller haben seit Anfang 2013 den bitteren Weg in Richtung Insolvenz gehen müssen. Auch die auf Photovoltaikprojekte spezialisierte S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg geriet in eine bedrohliche Schieflage. Dabei hatte sie im Frühjahr noch für das Geschäftsjahr 2012 einen Gewinn ausgewiesen und in 2013 eine Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Im Dezember war das Unternehmen dann insolvent. Eine Reihe von Hiobsbotschaften hatten die S.A.G. Solarstrom AG innerhalb weniger Wochen in die Schieflage gebracht. Im November veröffentlichte es eine überraschend schwache Zwischenbilanz für das dritte Quartal und die ersten neun Monaten des laufenden Jahres. Es gab bekannt, dass von Januar bis September ein operativer Verlust in Höhe von 2,8 Millionen Euro entstanden war. Drei Wochen später musste das Unternehmen eine Gewinnwarnung veröffentlichen. Die Insolvenz wurde dann unausweichlich, als Gespräche mit Banken, Finanzdienstleistern und weiteren Gläubigern über die Überbrückung eines akuten finanziellen Engpasses scheiterten. Die S.A.G. Soalrstrom AG konnte die am 16. Dezember 2013 fällige Zinszahlung für die Anleihe 2010/2015 nicht leisten. Auch Investoren, die in zwei weitere Anleihen der S.A.G. Solarstrom AG mit Laufzeiten bis zum 14.12.2015 (ISIN DE000A1E84A4) bzw. bis bis zum 10.07.2017 (ISIN DE000A1K0K53) investiert haben, müssen nun um ihr Kapital fürchten. Vor welchen Herausforderung das Unternehmen nun steht und wie es zu der plötzlichen Schieflage kam, erläutert Karl Kuhlmann, Vorstand der S.A.G. Solarstrom AG im  ECOreporter-Interview.

Solen

Der Solarprojektierer Solen AG aus Meppen ist seit dem Frühjahr 2013 insolvent. Das Photovoltaikunternehmen hat sie sich an einer Anleihe (ISIN: DE000A1H3M96) mit 27,5 Millionen Euro Gesamtvolumen verhoben, die zuletzt nicht mehr hatte bedient werden können. Das wiederum erklärte Solen mit dem Einbruch im deutschen Photovoltaikmarkt, der durch die starken Einschnitte bei den festen Einspeisetarifen für Solarstrom ausgelöst worden war. Versuche des Unternehmens, sich mit den Investoren, die die Anleihe des Unternehmens gezeichnet hatten, über eine Stundung der Ansprüche zu einigen, scheiterten ebenso wie der Versuch, Solaranlagen in Italien zu verkaufen und damit wieder flüssig zu werden.

Per  Mausklick  gelangen Sie zum ersten Teil unseres Berichts über "grüne" Anlagepleiten.
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