08.03.10 Erneuerbare Energie

Grünstrom ist nicht nur Photovoltaik - Kommentar von ECOreporter.de-Chefredakteur Jörg Weber

250.000 Arbeitsplätze in Deutschland bietet eine bisher boomende Branche: die der Erneuerbaren Energien. Die hat einen neuen großen Freund, nämlich den Umweltminister Norbert Röttgen. Und einige andere konservative Abgeordnete, die in den Medien aber nicht so stark wahrgenommen werden. Aber da gibt es weitere Konservative und Liberale, die wollen lieber die Atomkraft. Was verwundert, denn in den strahlenden Kraftwerken arbeitet ja kaum jemand, also auch kein Wähler.

Wer sich nun die Diskussion um Erneuerbare Energie anschaut, der muss sich eigentlich die Augen reiben: Solar hier, Solar dort, Solar überall. Gekürzte Einspeisevergütungen für Solarstrom in Deutschland – eine Riesen-Diskussion. Allerdings berechtigt, dass man darüber streitet – die spontanen Einfälle der Bundesregierung sind ein Problem für eine Branche, die Planungssicherheit braucht. Die Kürzungen als solche wären übrigens weit weniger problematisch, würden sie in den Zeiträumen verwirklicht, die noch vor einem halben Jahr von der Politik vorgegeben wurden!

Wegen all´ der Diskussionen um die Sonnenenergie steht die Windkraft im Schatten. Manche meinen auch, sie sei immer noch so ein subventionierter Unfug. Das ist falsch:  Die Windkraft beruht auf – meist deutschem - Maschinenbau allererster Sahne. Und billig ist sie. Nur gut 9 Cent bekommen die Betreiber der Windkraftanlagen für jede Kilowattstunde Strom, den die Anlagen einspeisen. Wir Verbraucher zahlen 25 bis über 30 Cent. Die Differenz stecken sich die Netzbetreiber ein, also Stromkonzerne oder Stadtwerke.  Subventionen gibt es bei der Windkraft schlicht und einfach nicht.

Trotzdem boomt sie. Selbst in der Finanzkrise wuchs sie: 2009 stieg die weltweit installierte Windkraftkapazität um sage und schreibe 31 Prozent auf 157,9 Gigawatt (GW). Das entspricht in etwa der Leistung von 150 Kernkraftwerken. Die weltweite Windkraftkapazität hat sich damit von 2006 bis 2009 mehr als verdoppelt, seit 2004 mehr als verdreifacht und in zehn Jahren mehr als verzehnfacht.

Warum Anleger von diesem Boom davon selten profitieren? Ganz einfach: Weil jetzt in der Mehrzahl Unternehmen auf Windkraft setzen, die Milliarden investieren. Große Stromversorger beispielsweise, oder Konsortien von Stadtwerken und Banken. Aber wer sich umschaut, findet auch abseits der schwankungsanfälligen Windenergie-Aktien noch Angebote: Wind-Zweitmarktfonds etwa, Anleihen oder Genussrechte. Doch Vorsicht: Auch hier gehören nur die Guten ins Depot. Also sorgfältig prüfen!
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