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Gute Aussichten für nachhaltige Investments? – wie Experten das US-Konjunkturpaket bewerten




Der Ausblick für die Entwicklung  nachhaltiger Investments ist positiv. Davon geht zumindest die Bank Sarasin aus. Das Finanzinstitut aus Basel zählt zu den Pionieren des nachhaltigen Investments und hat bereits in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erste Angebote auf den Markt gebracht. Sarasin-Experte Linus Sluyter verweist darauf, dass über staatliche Förderprogramme enorme zusätzliche Mittel zur Belebung der Konjunktur zur Verfügung gestellt werden. Diese dürften nach Einschätzung von Sarasin bereits im laufenden Jahr insbesondere die Performance nachhaltiger Investments antreiben. Denn ein Schwerpunkt nachhaltiger Anlagen seien Infrastrukturbereiche, wie Energie, Wasser oder auch IT-Versorger, die überdurchschnittlich von den geplanten staatlichen Investitionen profitierten. Das deutsche Bahntechnik-Unternehmen Vossloh AG nannte Sluyter gegenüber ECOreporter.de als ein Nachhaltigkeitsunternehmen, das von verstärkten Investitionen in Infrastruktur profitieren dürfte. Auch die Aussichten der dänischen Rockwool und der französischen Saint-Gobain, beide Anbieter von Produkten zur Wärmedämmung von Gebäuden, hätten sich verbessert.


Weitere wirtschaftspolitische Entwicklungen bergen laut Sluyter zusätzliche Chancen für nachhaltige Kapitalanlagen. So habe sich zuletzt der vergleichsweise niedrige Ölpreis negativ auf nachhaltige Kapitalanlagen im Energiebereich ausgewirkt. Er sei ein Grund dafür, dass die Investmentthemen  Energieeffizienz und Erneuerbare Energien im vergangenen Jahr hinter den Erwartungen geblieben seien. Doch hier sei eine Trendwende absehbar. Nach einer Prognose der Internationalen Energieagentur IEA werde der Ölpreis zwischen 2008 und 2015 durchschnittlich bei 100 US-Dollar pro Barrel (156 Liter) liegen und danach auf etwa 122 US-Dollar ansteigen. Gleichzeitig prognostiziere die IEA einen Anstieg des weltweiten Energiebedarfs bis 2030 um 50 Prozent. „Damit dürften Unternehmen  und  Verbraucher in naher Zukunft wieder nach Alternativen suchen“, so Sluyter.  

Besonderes Gewicht misst man bei der Bank Sarasin der Agenda der neuen US-Regierung bei. Wichtige Nachhaltigkeitsthemen wie Klimawandel, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie Gesundheit und Bildung stünden im Zentrum ihrer politischen Pläne. Neben den USA würden aber auch andere Regierungen weltweit daran arbeiten, mit staatlichen Konjunkturprogrammen ihre Infrastruktur zu modernisieren, zu verbessern und an neue ökologische Standards anzupassen.

Die USA haben mit dem vor wenigen Tagen nach hartem Ringen durchgesetzten Konjunkturpaket hohe Maßstäbe vorgelegt. So sind darin 60 Milliarden Dollar für die Finanzierung von Projekten im Bereich der Erneuerbaren Energien vorgesehen. Gefördert werden dabei aber auch die Produktion der dafür erforderlichen Technologie und des Leitungsnetzes, das regenerativ erzeugten Strom zu den Abnehmern transportiert. Zudem wurden bestehende, zum Teil erst im Herbst 2008 heraufgesetzte Förderungen für alternative Energie verbessert.

So war bislang die Regelung der Steuervorteile, der so genannten tax credits, für Windkraftprojekte bis Ende 2009 begrenzt. Sie gilt nun – nach Jahren der stets nur zwölfmonatigen und somit fortwährend unsicheren Verlängerung – bis Ende 2012. Außerdem erstreckt sich diese Förderung nun unbegrenzt auch auf kleine Windkraftprojekte. Bislang waren die tax credits für diese auf 4.000 Dollar begrenzt. Eine weitere Verbesserung: Projektierer von Windparks können fortan wählen, ob sie die Förderung über Steuernachlässe für den Bau eines Projekts oder für den Betrieb der Windräder geltend machen. Um diese Mittel zu erhalten, müssen Projektierer aber in Zukunft nicht mehr zwingend den Steuerbescheid abwarten. Sie können sich zwei Monate nach Inbetriebnahme eines Windparks das finanzielle Äquivalent des tax credits vom Handelsministerium auszahlen lassen.

Darin sieht etwa Peter C. Brun, Unternehmenssprecher des dänischen Windturbinenbauers Vestas das größte Plus der neuen Regelungen zur Windkraft in den USA. Dies rege schon kurzfristig Investitionen in Windkraft an, was angesichts der anhaltenden Finanzkrise besonders wichtig sei. Doch auch sonst seien die Regelungen im US-Konjunkturpaket ein „positives Signal“ für die Windkraft in den Vereinigten Staaten. Vestas rechnet laut Brun damit, dass die Obama-Administration schon bald nachlegen wird. Sie habe eine neues Energiegesetz und Beschlüsse zu einem erweiterten Klimaschutz angekündigt. Der Windturbinenbauer hat bereits im US-Bundesstaat Colorado eine eigene Produktion aufgebaut und will Brun zufolge eine Milliarde Dollar in den US-Markt investieren.

Auch für die US-Photovoltaik gelten in Zukunft die Verbesserungen der tax credits. Die Direktauszahlungen über das Handelsministerium erfolgen aber nur an Solarprojekte, die bis Ende 2010 ans Netz gebracht oder bis dahin in Angriff und spätestens Ende 2016 in Betrieb genommen werden. So sollen ebenfalls schon kurzfristige Investments in den Sektor angestoßen werden. Nathan Bullard, Analyst bei New Energy Finance, rechnet mit einem Anschub vor allem für große Solarfarmen. Er zählt daher auch First Solar und Sunpower zu den großen Gewinnern des Konjunkturpaketes. Denn Sunpower verfüge bereits Erfahrungen mit großen Photovoltaikprojekten und damit in diesem Bereich über eine starke Marktposition. First Solar sei der weltweit führende Hersteller von Dünnschichtmodulen, und diese würden bevorzugt für Großprojekte eingesetzt. Der Analyst begrüßt es zudem, dass mit der Alternative zu den tax credits nun auch Akteure in den Markt gelockt werden, die keinen Anspruch auf Steuervergünstigungen erheben können.

Robert Stone, Analyst bei Cowen & Co., nennt ebenfalls Sunpower und First Solar als börsennotierte Unternehmen, die das Konjunkturpakt besonders beflügeln dürfte. Allerdings rechnet er nicht damit, dass sich dies schon kurzfristig in deren Aktienkursen niederschlagen wird. Darüber hinaus zählt er die Energy Conversion Devices zu den Gewinnern, sie bietet unter anderem gebäudeintegrierte Photovoltaik an. Damit könnte sie von den Zuschüssen profitieren, die das US-Konjunkturpaket für die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden vorsieht. Für öffentliche Gebäude werden da 5,5 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Private Hausbesitzer können dafür Steuervergünstigungen in Höhe von 30 Prozent der Investitionen geltend machen. Darüber hinaus wird auch die Installation von solarthermischen Anlagen großzügig unterstützt.

Dagegen warnt Mark McLanahan von der MMA Renewable Ventures vor allzu großer Euphorie. Weiterhin bestehe für Investoren im Bereich der alternativen Technologien das Problem, die Mittel für ihre Projekte zusammen zu bekommen. Schließlich gebe es das vom Staat nun bereit gestellte Geld immer erst dann, wenn die Projekte umgesetzt seien.

Nach Einschätzung von Andrew Benson, Analyst von der Citigroup, kann auch ein deutsches Photovoltaikunternehmen wie die SolarWorld AG von dem US-Konjunkturpaket profitieren. Er hält es für möglich, dass im Solarmarkt der Vereinigten Staaten die Nachfrage von rund 400 MW in 2008 innerhalb weniger Jahre auf bis zu 1.500 MW anwächst. Dafür habe sich die SolarWorld mit ihrer in Kalifornien aufgebauten Produktion aussichtsreich positioniert.

Aber auch jenseits des Energiesektors können nachhaltige Investments punkten, meint man bei der Bank Sarasin. Linus Sluyter verweist auf das Investmentthema Wasser. Ihm zufolge werden Regierungen sich zunehmend bewusst über die wichtige Rolle, die eine effiziente Versorgung mit Wasser bedeute. Gerade in den Schwellen- und Entwicklungsländern bestehe eine starke Nachfrage nach einem Ausbau der Wasserversorgung.  Darüber hinaus seien die unaufhaltsam wachsende Weltbevölkerung, die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten  und die aktuell mangelhafte Trinkwasserversorgung ein Kernantrieb für dieses Investmentthema. 


Unabhängig davon sieht der Experte von Sarasin Anzeichen dafür, dass Nachhaltigkeit bei Investoren zunehmend an Bedeutung gewinnt. So hätten mit der Finanzkrise ethische Geschäftspraktiken aus Sicht der Anleger weiter an Bedeutung gewonnen.  „Skandale können in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit die Reputation auf lange Zeit zerstören“, stellte Sluyter gegenüber ECOreporter.de fest. In diesem Zusammenhang sei auch das Thema des Beschaffungsmanagements zunehmend relevant. Bei der Verlagerung der  Produktion in Niedriglohnländer müssten kritische Punkte wie Rechte der Arbeiter, Arbeitsbedingungen oder  Umweltverschmutzung ernsthaft bedacht und zu jedem Zeitpunkt adäquat überwacht werden.  

„Wir sehen einen der größten Vorteile von Nachhaltigkeitsratings darin, dass es die Sensibilität gegenüber kritischen  Geschäftspraktiken erhöht“, ergänzte Andreas Knörzer, Leiter Sustainable Investments der Bank Sarasin. „In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten wie diesen wird die Beziehung zwischen Unternehmen und Stakeholdern auf die Probe gestellt“. Die nachhaltige Komponente gewinne da für Investoren zunehmend an Bedeutung, so Knörzer.



Bildhinweis: Grünstromprojekte mit Systemen von Vestas und SolarWorld. / Quelle jeweils: Unternehmen

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