Harry Assenmacher ist Gründer und Geschäftsführer von ForestFinance aus Bonn. Das Unternehmen ist einer der führenden Anbieter von Wald-Direktinvestments in Europa. / Foto: ForestFinance

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Harry Assenmacher: "Nachhaltiger Kakao hat Potential"

ForestFinance bietet nachhaltige Investments rund um Wald, Holz und Kakao an. Firmengründer Harry Assenmacher ist seit kurzem wieder Geschäftsführer des Bonner Unternehmens (wir berichteten). Was sind die Gründe für seine Rückkehr? Was plant die neu gegründete 12Tree Finance GmbH (sprich "OneTwoTree"), die künftig eng mit ForestFinance zusammenarbeitet? Und wieso ist der nachhaltige Anbau von Kakao für Anleger eigentlich interessant? ECOreporter.de sprach darüber mit Harry Assenmacher.


ECOreporter.de: Herr Assenmacher, Sie sind in Ihr "altes Amt" zurückgekehrt. Wieso sind Sie nach einer etwa einjährigen Pause wieder Geschäftsführer von ForestFinance?

Harry Assenmacher:  Tja, offenbar muss ich meine Frühverrentung noch hinausschieben (lacht). Tatsache ist, ich war ja nie ganz draußen: Ich war zuletzt im Aufsichtsrat, nun bin ich zurück in der Geschäftsführung. Und der Anlass ist ein schöner. Das Asset Management von ForestFinance ist in den vergangenen Monaten gewachsen. Wir haben einen institutionellen Großkunden gewonnen: Ein Pensionsfonds will 150 Millionen Euro investieren. Deshalb wurde die 12Tree Finance GmbH gegründet, weil die Arbeit mit der bisherigen Unternehmensgröße von 25 Mitarbeitern nicht zu stemmen war und eine Trennung vom Retailgeschäft unabdingbar ist.

12Tree ist komplett unabhängig von ForestFinance, aber wir wollen natürlich auch miteinander Projekte vorantreiben. Schon aus Compliance-Gründen muss mein Vorgänger bei ForestFinance, Richard Focken, nur für die Geschäftsführung eines Unternehmens verantwortlich zeichnen. Hinzu kam die Schwierigkeit, überhaupt jemanden für den Job zu finden. Unsere Investments sind sehr speziell, sehr "unique". Deshalb habe ich nun in den "sauren Apfel" gebissen.  

Wie arbeiten 12Tree und ForestFinance künftig zusammen?

12Tree profitiert vor allem von unseren Kenntnissen, Erfahrungen und Kontakten. ForestFinance kann zum Beispiel bei der Pflege der Agroforstprojekte aus den Investmentprodukten vor Ort heraus größere Projekte skalieren. Oder eben die 12Tree mit unserem Netzwerk in den verschiedenen Projektländern – vor allem Lateinamerika – verknüpfen. 12Tree wird sich dabei um die Institutionellen Anleger und das klassische Asset Management kümmern, während das Retail-Geschäft in der Hand von ForestFinance bleibt.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte als neuer Geschäftsführer?

Auf Exceltabellen stehe ich weniger. Deshalb bin ich froh, dass meine Kollegin in der Geschäftsführung, Christiane Pindur als unser CFO, die klassischen Controlling & Finanzaufgaben wie gewohnt weiter betreut. Ich werde mich insbesondere um die Repräsentanz von ForestFinance und um Marketing kümmern und unsere Kontakte pflegen.

Ihr Vorgänger Richard Focken hat den internationalen Geschäftsaufbau vorangetrieben: Werden Sie hier auch verstärkt aktiv sein?

Die Internationalisierung spielt auch für ein kleines Unternehmen wie ForestFinance eine wichtige Rolle. Wir haben bisher vor allem deutschsprachige Kunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ich werde den Vertrieb weiter ausbauen, das geht in Zeiten der Globalisierung ganz gut über das Internet. Wir bieten auf unserer Homepage auch die Möglichkeit von Abschlüssen auf Englisch an.

Auf dem Holzinvestment-Markt treiben sich auch schwarze Schafe herum.  Der Ruf von Holzinvestments hat durch Fälle wie Lignum gelitten.  Wie schaffen Sie bei Ihren privaten und institutionellen Anlegern Vertrauen?

Bei manchen Konkurrenten hat uns das Scheitern nicht verwundert. Wir haben deren Rendite-Prognosen, die Vertriebskostenstruktur gesehen und uns gedacht: "Das geht nicht gut". Leider war auch klar: Solche Pleiten können und werden auf uns abfärben. Gerade weil wir wohl der größte Anbieter sind und besonders im Fokus des medialen Interesses stehen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als gut und transparent zu arbeiten – und wenn es einmal Schwierigkeiten gibt, müssen wir auch dazu stehen. Unsere Anleger wollen, dass wir ehrlich mit ihnen sind. Wir arbeiten zwischen sieben und 25 Jahren mit ihnen zusammen, das ist ein langes und enges Verhältnis.

Im vergangenen Jahr musste ForestFinance ja den Vertrieb für einen Großteil der Kunden aufgrund des Kleinanlegerschutzgesetzes monatelang einstellen. ForestFinance hat dann Prospekte erstellt und durfte wieder Investments anbieten. Wie stark hat das Ganze Ihre Geschäfte beeinflusst?

Selbstverständlich hat das starken Einfluss gehabt. Wir waren aber vor allem auch inhaltlich nicht glücklich darüber, wie diese Regulierung gestaltet wurde. Wichtig war sie, keine Frage, mehr Transparenz war nötig, das haben wir immer selbst gefordert. Allerdings ist es schade, dass die Prospekte durch das Juristendeutsch nun für Laien ziemlich unverständlich und somit fast verbraucherschädlich sind. Zu den strengen Vorschriften kamen die hohen Kosten – bis zu 100.000 Euro kostet die Erstellung eines Prospekts – dadurch sind viele unserer Wettbewerber am Markt weggefallen. Wir haben drei Prospekte für vier Produkte in sechs Monaten in Eigenregie erstellt, das muss man sich mal vorstellen! Eine große Leistung für ein kleines Unternehmen. Eine Teamleistung unter Leitung von Christiane Pindur, die manche Kapitalmarkt-Großkanzlei nicht hinbekommen hätte.

Nach den BaFin-Auflagen herrschte bei uns sieben Monate lang ein kompletter Vertriebsstopp für diese Produkte. Das konnten wir nur durchstehen, weil wir in den Jahren zuvor immer vorsichtig gewirtschaftet haben und genug Rücklagen gebildet hatten. Trotz dieser langen Einschränkung des Vertriebs haben wir das vergangene Geschäftsjahr noch mit einem kleinen Gewinn von 140.000 Euro abgeschlossen, und wir haben die Rücklagen weiter aufgefüllt. Es ist mir wichtig, dass wir stabil wirtschaften. In unserer Branche gibt es immer wieder Unsicherheiten. Im Bereich Kakao kann zum Beispiel ein Handelskrieg die gesamte Logistik durcheinander bringen.     


Sie bieten Privatanlegern auch ein Investment in Kakao an. Wie läuft das bisher?

Aktuell sind etwa 1.500 Anleger investiert, ein Investment in nachhaltigen Kakaoanbau ist derzeit ab 3.250 Euro möglich. Momentan bewirtschaften wir bereits ca. 300 Hektar der mittelfristig anvisierten 800 bis 1.000 Hektar. Wir wollen die jetzige Produktionskapazität auf 300 bis 400 Tonnen Kakao im Jahr steigern, langfristig mit dem Wachsen der Fläche auf 1.000 bis 1.500 Tonnen. 2016 betrug sie ca. 200 Tonnen.  Das ist extrem wenig im Vergleich zum Bedarf von großen Schokoladenherstellern wie Mars oder Barry Callebaut. Aber die Hersteller, die wir beliefern, haben einen anderen Ansatz, sie setzen auf hohe Qualität und ein besonderes Aroma der Schokolade. Investmentseitig ist dabei wichtig: Wir versprechen den Anlegern keine feste Rendite, sondern eine Range von null bis neun Prozent. Schließlich arbeiten wir mit der Natur und das ist kein Industriebetrieb, der immer gleichen "Ausstoß" hat. Investoren sollten ihr Portfolio also diversifizieren und bei uns nur Geld investieren, das sie "übrig" haben und nicht liquide benötigen.

Bildhinweis: Ein Arbeiter auf einer Kakao-Plantage von ForestFinance. / Foto: Unternehmen


Wieso ist nachhaltig angebauter Edel-Kakao eigentlich in Ihren Augen so ein vielversprechender Markt?

Zwar liegt unser Schwerpunkt auf Wald und Holz, aber wir sind auch im Bereich Biomasse und Kakao aktiv. Wir haben vor fast zehn Jahren mit Kakao begonnen. Zunächst haben wir Know-How gesammelt und dazu auch mit Universitäten und Doktoranden zusammengearbeitet. Unsere Fragen waren: Wie wird Edelkakao überhaupt nachhaltig angebaut, ohne Landgrabbing und unter fairen Arbeitsbedingungen, und wie sind Investments für Anleger möglich? Damals war der Markt noch klein, aber der weltweit wachsende Bedarf war vorhersehbar. Der Konsum von Schokolade wird auch künftig noch steigen, nicht nur in den Industrieländern.

Die großen Schokoladen-Hersteller haben sich außerdem freiwillig verpflichtet, bis 2020 nur noch zertifizierten Kakao in der Produktion zu verwenden. Aber woher sollen die vielen Tonnen Kakao so schnell herkommen? – Zusammengefasst: Nachhaltig angebauter Kakao hat in unseren Augen Potential. Unser Kernprodukt bleibt aber Wald.

Was bewirken denn die Anleger mit ihrem Kakao-Investment?

Unser Kakao ist mehrfach zertifiziert. Die verlangten Standards beim nachhaltigen Anbau, etwa die ILO-Vorschriften (ILO = International Labour Organization) für Plantagenarbeiter, erfüllen wir schon seit vielen Jahren – übrigens in allen unseren Forsten nicht nur beim Kakao. Zudem werden 20 bis 25 Prozent der Anbauflächen unter Schutz gestellt. Unsere Aufforstungen sind klima-positiv. Das bedeutet: Es wird in den Wäldern mehr klimaschädliches Kohlendioxid gebunden, als später bei der Produktion von Kakaoprodukten wie Schokolade erzeugt wird.

Davon profitieren auch die Investoren. Denn wenn die Schutzflächen vernünftig gepflegt werden und es dort zum Beispiel viele Vögel gibt, spart man sich Pestizide, weil die Vögel schädliche Insekten fressen. Auch machen wir die gesamte Produktionskette transparent.

Zunehmend interessieren sich auch Profi-Anleger für diesen Bereich. In Planung ist ja ein nachhaltiger Agroforst-Fonds mit dem Schwerpunkt Kakao. Können Sie uns dazu schon Details nennen?

Nun, der Fonds wird von der 12Tree angeboten nicht von ForestFinance. Aber so viel: Investieren können Institutionelle Anleger, etwa Pensionsfonds und Stiftungen, ab einer Summe von mindestens drei Millionen Euro. Eine Seed-Finanzierung in Höhe von 20 Millionen Euro ist bereits erfolgt. Bislang waren wir zu klein und hatten nicht das Niveau, um den Ansprüchen von Institutionellen zu genügen. Das hat sich geändert, die 12Tree wird nun den Due-Dilligence-Anforderungen institutioneller Investoren gerecht.

Sind weitere neue Produkte geplant?

Kommendes Jahr planen wir erste Pflanzungen von zertifizierter Vanille in Panama. Das dortige tropische Klima eignet sich hervorragend für den Anbau. In diesem Bereich wollen wir wahrscheinlich auch Investments anbieten. Die Vanille-Einkaufspreise sind aufgrund zum Beispiel schlechter Ernten in Madagaskar in nur wenigen Jahren um fast 400 Prozent gestiegen. Vanille ist also wie Kakao ein vielversprechender Markt. Letztlich geht unsere Entwicklung dahin, alle nachhaltigen, klimafreundlichen landwirtschaftlichen Nutzungen zu erproben und wenn möglich als Retailprodukt zu gestalten.

Herr Assenmacher, wir danken Ihnen für das Gespräch!
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